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Tiefseebohrungen Immer tiefer, immer riskanter

Die weltweite Ölknappheit drängt die Konzerne, auch auf Tiefseebohrungen zurückzugreifen. Das ist riskant, hochkompliziert - und lohnt sich erst ab einem hohem Preisniveau. Hoffnung machen neue technische Entwicklungen.

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Böse Erinnerungen: Das hohe Unfallrisiko und große Investitionen halten die Konzerne derzeit noch von Tiefseebohrungen an. Quelle: Reuters

Düsseldorf Die Karten an den internationalen Ölmärkten werden inzwischen in regelmäßigen Abständen neu gemischt. Anbieter wie Nachfrager treibt die Sorge einer wachsenden Knappheit des Rohstoffs an. Mit dem steigenden Rohölpreis forcieren daher weltweit Unternehmen und Staaten die Suche nach neuen Ölquellen – allerdings nur mit begrenztem Erfolg.

„Ängste, dass der Welt das Öl ausgeht, sind unbegründet“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Er verweist dazu unter anderem auf die Vorkommen in den Tiefen der Meere: „Die Suche nach Öl in der Tiefsee zeigt, dass ab einem bestimmten Preisniveau die Förderung auch in Bereichen rentabel wird, die bisher nicht angegangen worden sind.“ Diese zusätzliche Produktion werde dazu beitragen, den erwarteten langfristigen Anstieg des Ölpreises weltweit zu dämpfen.

Doch gefördert wird Öl weltweit zwar in Küstennähe, die Tiefseevorkommen sind aber überall noch Zukunftsmusik. In der Arktis und vor der Küste werden insgesamt mehr als 100 Milliarden Barrel Öl vermutet.

Führend ist bisher Brasilien. Das Land sorgte schon Ende 2007 für großes Aufsehen, als der staatseigene Konzern Petrobras vor der Küste gigantische Ölreserven entdeckte. Dank dieser Funde will Petrobras bis zum Jahr 2020 zum fünftgrößten Ölkonzern der Welt aufsteigen. Die Fördermenge soll dann auf fünf Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag steigen. Gegenüber heute wäre das fast eine Verdoppelung. Insgesamt 225 Milliarden Dollar will das Unternehmen bis zum Jahr 2014 in die Erschließung der Felder vor der Küste stecken.

Die Hoffnungen der Brasilianer ruhen allerdings in rund 7.000 Meter Tiefe und liegen unter kilometerdicken Stein- und Salzschichten. Zwar gehört Petrobras zu den Unternehmen mit den größten Erfahrungen in der Tiefseeförderung und ist unter anderem vor den Küsten Afrikas, vor Brasilien und im Golf von Mexiko aktiv. Die Ölförderung aus solchen Tiefen ist allerdings bis heute noch niemandem gelungen.


Venezuela kämpft mit teerartigen Vorkommen

Ähnlich ambitioniert ist Venezuela. Das lateinamerikanische Land hatte Mitte vergangenen Jahres die Rangfolge auf der Angebotsseite neu sortiert, als es mit 297 Milliarden Fass Öl an gesicherten Reserven erstmals Saudi-Arabien als reichstes Förderland der Welt überholt hat. Nach der Statistik der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) sind die Ölreserven Venezuelas seit 2009 um 40,4 Prozent gestiegen, während die Reserven in Saudi-Arabien stagnierten. Doch auch hier liegen Hoffnung und Förderung weit auseinander. Denn ein Drittel von Venezuelas Ölreserven sind superschweres Öl, das im Orinoco-Gürtel im Landesinneren lagert. Bisher hat es der staatliche Ölkonzern PdVSA nicht geschafft, diese teerähnlichen Vorkommen zu fördern.

Besser sieht es schon heute in Kanada aus. Hier sorgt Ölsand für steigende Produktionszahlen. Die kanadischen Ressourcen, die mit heutiger Technologie abgebaut werden können, liegen bei rund 175 Milliarden Barrel Öl. Davon entfallen etwa 170 Milliarden Barrel auf Ölsand. Das ist ein Gemisch aus dickflüssigem, teerartigem Bitumen, Sand und Ton. Der Haken: Die Gewinnung des Öls aus Ölsand rechnet sich erst ab einem Preisniveau von rund 90 Dollar.

Zurzeit liegt der Ölpreis zwar höher. Ein Barrel des europäischen Brentöls kostete gestern mehr als 122 Dollar. Gestützt wurden die Preise zuletzt durch bessere chinesische Konjunkturdaten. Zusammen mit den USA ist China inzwischen der größte Nachfrager am Ölmarkt.

Doch zu hohe Ölpreise könnten die Nachfrage bremsen. Das wiederum ruft die Ölanbieter auf den Plan. Saudi-Arabien, das noch über freie Förderkapazitäten verfügt, versucht daher, den Preisanstieg zu dämpfen, und will seine Fördermenge erneut erhöhen. „Nun peilt Saudi-Arabien einen Kurs von etwa 100 US-Dollar pro Barrel an“, schreibt die französische Bank Société Générale.

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