Tiefster Stand seit acht Jahren Rendite der Portugal-Anleihen stürzt ab

Portugal steht bei Anlegern hoch im Kurs: Das Euro-Krisenland hat 750 Millionen Euro über eine zehnjährige Anleihe eingesammelt. Erst vor Kurzem hatte Griechenland sein Comeback am Finanzmarkt gefeiert. Die wichtigsten Antworten zu den Ex-Pleitekandidaten auf den Märkten.

Ein Mann läuft in Lissabon an einem Graffiti vorbei, auf dem steht

Die portugiesische Regierung ist mit ihrer ersten Anleiheemission seit drei Jahren auf ein reges Interesse bei Investoren gestoßen. Die Durchschnittsrendite für das Papier mit zehnjähriger Laufzeit betrug am Mittwoch 3,58 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit acht Jahren. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise war die Rendite am freien Markt auf fast 16 Prozent geklettert. Mit der Emission leiht sich die Regierung in Lissabon 750 Millionen Euro. Marktbeobachter hatten auch erwartet, dass Portugal den Kapitalmarkt problemlos anzapfen wird. "Die Auktion ist sehr klein und die Suche nach Rendite groß", sagte ein Händler im Vorfeld.

Jetzt waren die angebotenen Papiere deutlich überzeichnet. Die Gebote hätten ausgereicht, um das 3,5-fache Volumen am Markt unterzubringen. „Es ist ein gutes Resultat, das uns Zuversicht für die Zukunft gibt“, sagte Portugals Premierminister Pedro Passos Coelho nach der Auktion in Lissabon. Die Emission war ein wichtiger Test, ob sich das Land auch nach dem Ende des internationalen Kreditprogramms selbst am Markt finanzieren kann. Die Hilfen der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds mit einem Volumen von 78 Milliarden Euro laufen am 17. Mai aus. Die Regierung in Lissabon war im Zuge der Euro-Schuldenkrise in Bedrängnis geraten und mit Notkrediten unterstützt worden.

Vor knapp zwei Wochen hatte Griechenland bereits ein Kapitalmarkt-Comeback geliefert. Auch die angeschlagenen Euro-Schwergewichte Spanien und Italien erhalten derzeit so günstig frisches Geld wie seit Jahren nicht mehr. Die wichtigsten Antworten zu den Ex-Pleitekandidaten auf den Märkten:

Warum setzen Anleger wieder auf die Krisenländer?
„Sie leihen das Geld nur, weil die Europäische Zentralbank im Hintergrund bereit steht“, sagt Ex-Deutsche-Bank-Chefökonom Thomas Mayer im „Focus-Online“-Interview. Den Investoren sei nur wichtig, ob die Anleihe bedient und zurückgezahlt werde. Viele Anleger gehen davon aus, dass die Europartner, allen voran Deutschland, letztlich für die Papiere der Krisenländer bürgen. Zur Erinnerung: Die EZB hatte im Sommer 2012 angekündigt, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen. Seitdem investieren internationale Anleger wieder verstärkt. Staatstitel aus Griechenland oder Portugal werfen in Zeiten niedriger Zinsen attraktive Renditen ab.

Deutsche glauben nicht ans Ende der Eurokrise
Vier von fünf Bundesbürgern (81 Prozent) sind davon überzeugt, dass die Eurokrise noch nicht ausgestanden ist. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Insa im Auftrag der „Bild“-Zeitung. Dagegen glauben nur sieben Prozent der Befragten, die Krise sei beendet. Sorgenvoll verfolgen viele Bundesbürger die Entwicklung in Griechenland. Nur 34 Prozent sehen das Land auf dem richtigen Weg. Hingegen sind 39 Prozent davon überzeugt, dass Griechenland sich nicht ernsthaft um Reformen bemüht, die das Land wieder zukunftsfähig machen. „Für die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist die Eurokrise noch nicht vorbei. Diese Befürchtung wird auch Einfluss auf die Wahlen zum Europäischen Parlament haben“, sagte INSA-Chef Hermann Binkert der Zeitung. Quelle: dpa
Der Chef des Euro-Rettungsfonds ESM hat Griechenland davor gewarnt, bei einer Rückkehr an den Finanzmarkt zu viel für frisches Kapital zu zahlen. Das hoch verschuldete Land musste als erstes unter den Rettungsschirm der Euro-Länder schlüpfen und entging nur so einem Staatsbankrott. ESM-Chef Klaus Regling sagte der Wochenzeitung
Italiens neue Regierung will sich für eine Abschwächung der EU-Haushaltsziele einsetzen. Das machten Ministerpräsident Matteo Renzi und Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan bei der Vorlage ihrer Sparpläne deutlich. Beide kündigten an, Italien werde seine im Juli beginnende EU-Präsidentschaft dazu nutzen, die Vorgaben auf den Prüfstand zu stellen.
Investors George Soros und Ex-Bundesbank-Chefvolkswirt Otmar Issing diskutierten an der Frankfurter Universität über die Rolle Deutschlands in der Euro-Krise. Vor der Bundestagswahl hatte Soros betont: Deutschland muss seine Verantwortung für die Eurozone akzeptieren oder aus dem Euro austreten. Die erste Variante bedeutet nach Soros' Lesart: Deutschland soll mehr Geld auf den Tisch legen. Inzwischen habe sich die Wahl jedoch erübrigt. „Jetzt ist die einzige Alternative für Deutschland seine dominante Position zu akzeptieren.“ Es müsse als „wohlwollender Hegemon nach Wegen suchen, die Schuldnerländer aus der Schusslinie zu bringen
Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, Michael Hüther, sowie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher und der Leiter der europäischen wirtschaftswissenschaftlichen Denkfabrik Bruegel, Guntram B. Wolff, haben sich in der

Was hat sich wirtschaftlich verbessert?
Die Lage ist trotz einiger Fortschritte weiter schwierig. Zwar scheint das Allerschlimmste überwunden, Portugal und Spanien sind nach jahrelanger wirtschaftlicher Dauer-Misere zumindest wieder auf Wachstumskurs. Auch für Griechenland sagen Ökonomen ein Ende der Rezession voraus. Andere Zahlen zeigen aber, wie deprimierend die Situation noch immer ist: In Griechenland und Spanien ist mehr als jeder Vierte arbeitslos, besonders betroffen sind Jugendliche.

Haben die Krisenländer ihre Haushalte wieder im Griff?
Trotz aller Einschnitte sind die Staatsschulden in den letzten Jahren weiter gestiegen. In Griechenland und Portugal liegen sie gemessen an der Wirtschaftsleistung deutlich über der kritischen Marke von 100 Prozent. „Die bestehenden Schulden abzubauen - das bleibt ein großes Problem“, sagt Christian Kremer vom Handelshaus X-Trade Brokers. „Investoren sehen jedoch keinen dringenden Handlungsbedarf, denn man weiß - die EU steht dahinter.“ Immerhin gibt es Hoffnungsschimmer: So hat Athen 2013 nach eigenen Berechnungen das erste Haushaltsplus seit mehr als einem Jahrzehnt erzielt. Die erdrückende Zinslast bleibt beim sogenannten Primärüberschuss aber unberücksichtigt, so dass die Aussagekraft begrenzt ist.

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Das renommierte Wirtschaftsblatt „The Economist“ warnt bereits vor übertriebener Euphorie am Markt für Euro-Staatsanleihen. Kritiker sagen, nicht die gestiegene Kreditwürdigkeit, sondern das billige Geld der EZB und die Aussicht auf weitere geldpolitische Stützung hätten die Renditen vieler Länder auf Rekordtiefstände gedrückt. In Griechenland, Portugal und Spanien herrscht außerdem Deflation. Dadurch werfen die Staatspapiere für Investoren dort höhere Erträge ab. Während die mickrigen Zinsen in Deutschland von der Inflation nahezu komplett aufgefressen werden, sorgt der Preisverfall in den Krisenländern für den umgekehrten Effekt. Durch die negative Teuerungsrate übersteigt die tatsächliche Rendite den Nominalzins.

Warum ist Deflation so gefährlich?
Das sinkende Preisniveau erschwert den Krisenländern den Schuldenabbau. Weil ihre Wirtschaftsleistung durch die Deflation weniger wert ist, müssen sie einen höheren Teil davon aufwenden, um Rechnungen bei Gläubigern zu begleichen. Volkswirte sprechen von einer „Schulden-Deflation“. Ob die hochverschuldeten Staaten negative oder auch nur sehr geringe Teuerungsraten lange durchhalten können, wird von Ökonomen bezweifelt.

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