WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Top-Vermögensverwalter Der scheue Börsenbeobachter

Vermögensverwalter Klaus Burkhart ist an Öffentlichkeit nicht interessiert. Seine Kunden schätzen das. Und sie schätzen seine Anlageerfolge. Wie der Profianleger im Taunus mit dem Geld seiner Kunden arbeitet.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Fondsanlagen sind eine Quelle: gms

Hinter den Taunushügeln, nur eine halbe Stunde Fahrzeit von Frankfurt entfernt, ist jede Hektik verschwunden. Abgeschirmt vom Treiben am Finanzplatz konnte der Vermögensverwalter Klaus Burkhart in der idyllischen Kleinstadt Usingen seit 1985 in Ruhe werkeln. Kein Firmenschild verrät, dass in dem Einfamilienhaus aus den 80er Jahren ein Ein-Mann-Betrieb namens GAP Gesellschaft für Anlageplanung und Vermögensverwaltung mehr als 100 Millionen Euro Vermögen anlegt. 

Wegen der drohenden Abgeltungsteuer musste Burkhart allerdings ab 2007 seine lieb gewonnene Zurückgezogenheit aufweichen: Wie viele Vermögensverwalter legte er Fonds auf, um in diesem Mantel weiterhin Kursgewinne ohne Abgeltungsteuer machen zu können. Fondsgewinne aber sind öffentlich, jeder kann sie abrufen. Sein größter Fonds, der GAP Portfolio UI (DE000A0M1307), legte in drei Jahren pro Jahr bei moderaten Schwankungen im Schnitt zehn Prozent zu.

Wissenschaftliche Präzision

Weil seine aus Aktien und Anleihen zusammengesetzten Portfolios sehr gut laufen, ist der öffentlichkeitsscheue 61-Jährige inzwischen viel weiter ins Rampenlicht gerückt, als ihm das lieb ist. Er gibt kaum Interviews, will sich nicht fotografieren lassen.

Seit seiner Lehrzeit bei einer Volksbank und beim anschließenden Studium in Würzburg hat die Aktienanalyse Burkhart fasziniert. Heute lässt sie ihn selbst im Urlaub nicht ruhen. Aber er ist keineswegs ein gehetzter Börsianer sondern der auf Präzision bedachte Wissenschaftler, der sich in seiner Abgeschiedenheit in die Arbeit kniet. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Sein Investmentansatz fußt auf „umfangreichen Auswertungen des Anlegerverhaltens“, wie er etwas sperrig erklärt. Nicht Prognosen möglicher Kursverläufe stehen für ihn im Vordergrund, sondern die aktuelle Markttechnik der einzelnen Aktien und Aktienmärkte. Zu beobachten, welche Aktien andere Börsianer kaufen oder verkaufen und wie sie die Kurse bewegen, bewahrt ihn einerseits davor, sich vom Markt zu stark abzukoppeln, andererseits vermeidet er damit, sich einem Herdentrieb anzuschließen. 

    Aus seiner Sicht interessante Aktien müssen eine Vielzahl von Kriterien erfüllen. Dazu klickt sich Burkhart täglich unermüdlich durch die Datensätze der rund 100 Einzeltitel im Fonds: Aktien, bei denen er Trendbrüche anhand des Kurvenverlaufs entdeckt, fliegen raus aus dem Portfolio. Seine Kunst besteht darin, den Bruch von einer vorübergehenden Konsolidierung des Kurses zu unterscheiden, die dann doch wieder in Kursgewinne übergehen kann. „Exogene Faktoren und die durch die Tagesnachrichten verursachten Schwankungen können die Trendstabilität nur schwer beeinflussen“, meint Burkhart. Aktuell sieht er die Ölzulieferer Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (Österreich) sowie SBM Offshore (Niederlande) in einer stabilen Aufwärtsphase. Für interessant hält er derzeit auch die Aktie des amerikanischen Ölunternehmens Vaalco, weil sich dort eine Änderung andeute nach einem langen trendlosen Kursverlauf. 

    Unbehaglicher Boom

    Angesagte Aktien wie Apple oder Facebook meidet er. „Als Platzhirsche sind sie überteuert und können nur noch verlieren; Konkurrenten werden ihnen die Marktstellung streitig machen.“

    Allerdings betrachtet er den aktuellen Aktienboom mit etwas Unbehagen. Viele Anleger sitzen auf Gewinnen, die sie jederzeit realisieren könnten. Seine Aktienquote von 85 Prozent will er zurückfahren. Anlegern rät er flexibel zu bleiben. „Werden an der Börse Molltöne angeschlagen, ist ein Einstieg sinnvoll“, so Burkhart. Für ihn ist die Aktie als „transportabler Sachwert“ das ideale Instrument im unsicheren Gelände. Und eine breite Streuung ist sein wichtigster Schutz vor hohen Kursverlusten. „Die Jahresabschlüsse der Unternehmen sind heute wenig aussagekräftig. Goldgeränderte Bilanzen börsennotierter Unternehmen findet man vereinzelt bei den Schweizern wie Bucher Industries und Buckhardt Compression oder bei nicht börsennotierten Familienunternehmen“, sagt Burkhart.  Er erwartet auch in den kommenden Jahren weitere Finanzkrisen. „Seitens der Notenbanken und der Aufsichtsbehörden wird entschieden zu wenig getan, dem bunten Treiben der Finanzakteure engere Grenzen zu setzen“, sagt Burkhart.

    Schockwellen, die Finanzkrisen auslösen, machen vor Aktien nicht halt. Entscheidend ist dann das Vermögen der Unternehmen, um solche Krisen zu überstehen. „Rohstoffunternehmen sind im Vorteil, weil das im Boden liegende Vermögen nicht unbedingt zu schlechten Preisen verkauft werden muss.“

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%