WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

Trotz Kurssprüngen Bankaktien sind noch nicht über den Berg

An den Börsen feierten zuletzt ausgerechnet die Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank Erfolge, viele sehen bereits das Comeback der Papiere. Warum das trotz der jüngsten Kursgewinne noch weit entfernt ist.

Die Skyline der Bankenmetropole Frankfurt Quelle: dpa

Besser hätte das neue Jahr für Aktionäre der großen deutschen Banken gar nicht beginnen können. Das Papier der Commerzbank hat um über 15 Prozent zugelegt und auch die Deutsche Bank freute sich über Kurssteigerungen. Vereinzelt wird bereits vom „Jahr der Banken“ oder vom „Comeback von Bankaktien“ gesprochen.

2013 dagegen litten auch die Aktien von Deutschlands großen Geldinstituten unter den Schwierigkeiten der Banken. Während die Deutsche Bank von einem Rechtsstreit zum anderen taumelt und ihr Geschäftsergebnis regelmäßig durch Rückstellungen für Prozesskosten in den negativen Bereich drückt, laboriert die Commerzbank weiter an den Spätfolgen ihrer Übernahme der Dresdner Bank. Auch das Imageproblem, welches der gesamten Branche seit Ausbruch der Finanzkrise anhaftet, lastet auf den Aktien der Banken. Kein Wunder, dass die Marketingabteilungen sich an jeden Strohhalm klammern und kleine Erfolge zu größeren Ballons aufblasen. Beflügeln solche Ballons auch die Aktienkurse der Frankfurter Banken? Winterlicher Kursfahrstuhl oder nachhaltige Erholung mit Chancen für Anleger? Die nackten Kurszahlen sehen zwar gut aus, deshalb bereits von Comeback zu sprechen, scheint aber verfrüht, wenn nicht fahrlässig.

Zum einen profitieren Banken mindestens genauso von der guten Stimmung an den weltweiten Börsen wie andere Unternehmen auch. Mehr noch, in der Regel sind es vor allem Finanzwerte, denen die expansive Geldpolitik der Zentralbanken hilft. Das billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) und der amerikanischen Notenbank Fed dient den Banken, durch die Mini-Zinsen können sich die Institute so günstig mit Liquidität versorgen wie nie. Die Gleichung scheint einfach: Mehr Liquidität freut die Börsianer, freut die Bank-Aktionäre. „Bleibt die Stimmung an den Aktienmärkten gut, profitieren vor allem Institute, die viel Vermögensverwaltung, beispielsweise für reiche Privatkunden, betreiben“, sagt Dirk Müller-Tronnier, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY.

Auch die sich erholende Konjunktur in der Euro-Zone hilft den Finanzwerten. Aber: „Die aktuellen Kurstreiber kommen aus dem Umfeld der Branche“, sagt Dieter Hein, Bankenexperte beim unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Die gute Stimmung werde vom regulatorischen Umfeld getragen, aber eben nicht von positiven Daten aus den Banken selber.

So auch die Kursgewinne am Montag dieser Woche. Da profitierten Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank vom großzügigen Gebaren des Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht. Demnach soll die für Regulierungsvorhaben so wichtige Verschuldungsquote (Leverage Ratio) weltweit einheitlich definiert und berechnet werden. Eben genauso wie in den USA. Europäische Banken müssen dann für Derivate zur Absicherung von Zins- oder Währungsrisiken deutlich weniger Eigenkapital vorhalten als bisher geplant. Insbesondere die Deutsche Bank dürfte von der Entscheidung profitieren, sie hat besonders viele Absicherungspapiere in ihrer Bilanz. Entsprechend legten die Aktien des Branchenprimus am Montag um rund fünf Prozent zu. Commerzbank-Aktionäre konnten sich über Zuwächse in ähnlicher Höhe freuen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%