Trotz Schuldenkrise Europäische Anleihen gefragt wie nie

Gerade mal zwei Jahre ist es her, dass Anleger südeuropäische Staatsanleihen mieden. Jetzt sind die Bonds aus Spanien und Italien gefragt wie nie.

huGO-BildID: 29724192 ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine spanische Ein-Euro-Münze miot dem Antlitz von König Juan Carlos ist am 17.05.2011 in Köln in eine Zange eingeklemmt. Die Unsicherheit ist zurück: Nach einer wochenlangen Kursralley stehen die globalen Aktienmärkte wieder unter Druck. Auch der Euro hat seinen Höhenflug zunächst abgebrochen,

Die Sorge vor einem Auseinanderbrechen der Währungszone verunsicherte die Investoren. Doch dann bot Mario Draghi den Spekulanten die Stirn: Am Donnerstag, den 26. Juli 2012, verkündete der EZB-Chef in London, dass die Europäische Zentralbank für den Euro alles Erforderliche tun werde. "Und glauben Sie mir, das wird reichen." Die Anleger glaubten ihm. "Draghi hat damals den Startschuss für diese Rally gegeben", erklärt Analyst Sebastian Sachs von der Metzler Bank.
Das lässt sich am besten an der Entwicklung der Rendite der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen ablesen: Noch am Tag vor dem Draghi-Auftritt erreichten sie mit 7,781 Prozent ein Allzeithoch. Am Dienstag rutschten sie auf ein Rekordtief von 2,461 Prozent.

Damit liegen die Zinsen für die spanischen Schulden in etwa auf dem Niveau von US-Staatsanleihen. Die weltgrößte Volkswirtschaft zahlt also den Anlegern genauso viel Zinsen auf ihre Bonds wie Spanien, gerade mal die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Ähnlich ist die Entwicklung bei den Anleihen anderer südeuropäischer Länder. Aktuell machen die Analysten der Commerzbank Kuponzahlungen und Kapitalrückflüsse für die Entwicklung verantwortlich. Doch der Trend werde anhalten. Denn schließlich liegen die Leitzinsen in der Euro-Zone auch nur noch bei 0,15 Prozent.
Als ein Grund für den Run auf die Staatsanleihen insgesamt gelten die zahlreichen Krisenherde: Wegen der Konflikte in der Ukraine, dem Krieg im Gaza-Streifen oder die immer wieder aufflackernden Kämpfe im Irak, Libyen oder Syrien scheuen viele Anleger das Risiko. "Nur aus der Euro-Zone selbst kommen derzeit keine Störfeuer", erklärt ein Händler.


Viele Börsianer halten zwar den Rückgang der Renditen angesichts der fundamentalen wirtschaftlichen Entwicklung in den südeuropäischen Ländern für übertrieben und warnen vor Gegenreaktionen. "Allerdings war der Anstieg vor zwei Jahren auch nicht gerechtfertigt", schränkt einer ein. Und in einigen Ländern habe sich die Konjunktur zudem doch verbessert. Erst am Dienstag erhöhte Spaniens Regierung ihre Wachstumsprognose . "Die Euro-Schuldenkrise ist vorbei", sagt ein Börsianer. "Auch wenn die Probleme noch nicht behoben sind. Es gibt aber Fortschritte, und das honorieren die Anleger."

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