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Trump droht Impeachment Wie die Börse auf Amtsenthebungen reagiert

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So reagierten die Börsen auf Amtsenthebungen in Brasilien und Südkorea

Im September 1992 wurde der brasilianische Präsident Fernando Collor de Mello seines Amtes enthoben. Der Grund: Korruption. In einer Studie für die Weltbank untersucht die Forscherin Rita Ramalho den Einfluss dieses Verfahrens auf die Aktienmärkte.

Sie konnte nachweisen, dass solche Konzerne an der Börse an Wert verloren, bei denen der Präsident bekanntermaßen Kontrolle ausübte, zum Beispiel über Verwandte oder Freunde. Zwischen zwei bis neun Prozent verloren solche Konzerne im Schnitt an Tagen mit neuen Enthüllungen über die korrupten Machenschaften des Präsidenten.

Besonders stark konnte Ramalho den Einfluss des Amtsenthebungsverfahrens am 27. Mai 1992 nachweisen. Während der brasilianische Aktienmarkt nach ihrer Analyse an diesem Tag um sieben Prozent zulegte, verloren die Unternehmen, in denen Bekannte des Präsidenten Kontrolle ausübten, um neun Prozent.

Andere Konzerne, bei denen erst das Parlament in seiner Untersuchung nachwies, dass Collor de Mello Einfluss ausübte, waren nicht betroffen. Und bereits ein Jahr nach dem Sturz des Präsidenten war der Spuk an der Börse vorüber. Alle Konzerne hatten ihre Verluste aber wieder aufgeholt und bewegten sich auf dem gleichen Niveau wie die Konkurrenten in ihrer jeweiligen Branche.

Südkorea – Aktien gewinnen

Von Oktober 2016 bis März 2017 entfaltete sich in Südkorea ein Amtsenthebungsverfahren gegen die amtierende Präsidentin Park Geun-hye. Auch ihr wurde Korruption vorgeworfen. Über Dreiviertel der südkoreanischen Bevölkerung sprachen sich für die Entmachtung der Präsidentin aus. Das Parlament setzte sie durch.

Im anschließenden Gerichtsprozess wurde Präsidentin Park 2018 zu 25 Jahren Haft verurteilt, weil sie Unternehmen mit einer Komplizin zu Spendengeldern in Millionenhöhe gedrängt haben soll.

Auch Südkoreas größter Konzern, Samsung, war von der Spendenaffäre betroffen. Lee Jae Yong, Samsung-Firmenerbe und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, musste sich vor Gericht verantworten und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der Oberste Gerichtshof in Südkorea hat den Prozess Ende August aber wegen Verfahrensfehlern an das zuständige Gericht zurückgegeben – zur neuen Verhandlung.
Samsung fürchtet negative Konsequenzen für seinen weltweiten Ruf. Der Konzern sagte in einer Mitteilung laut Nachrichtenagentur DPA, man werde Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Nachhaltige negative Auswirkungen auf die Samsung-Aktie hatte der Prozess jedoch nicht. Von Oktober 2016 bis Jahresende 2018 liegt Samsung mit 20 Prozent im Plus. „Koreanische Aktien haben ihre Konkurrenz abgehängt, nachdem Samsungs Lee Jae Yong verhaftet wurde“, schreibt Botham. „Auf den ersten Blick scheint das eine merkwürdige Reaktion zu sein. Aber seine Verhaftung löste bei Investoren Hoffnung aus, dass sich die Corporate Governance-Prozesse im Land verbessern würden.“

Dass der koreanische Finanzmarkt überhaupt auf den Prozess reagierte, liegt wohl vor allem daran, dass Samsung verwickelt war. Denn ansonsten konnte Botham keine außergewöhnlichen Reaktionen des koreanischen Aktienmarkts, des Anleihemarktes oder der Währung feststellen, die sich dem Amtsenthebungsverfahren zuordnen ließen.

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