Twitter Erfolgreich an der Börse mitzwitschern

Twitter strebt aufs New Yorker Parkett. Für langfristig orientierte Anleger ist das Papier interessant.

Mit Twitter geht nun die nächste Ikone der sozialen Netzwerke an die Börse. Quelle: AP

Mit dem 140-Zeichen-Dienst Twitter geht nach LinkedIn, Yelp und Facebook nun die nächste Ikone der sozialen Netzwerke an die Börse. Das Debüt auf dem Parkett findet an diesem Donnerstag, dem 7. November, an der New York Stock Exchange (NYSE) statt.

Bescheidene Summe

Die gute Nachricht für Erstanleger: Twitter ist kein Facebook. Dessen Börsengang im Mai 2012 war ein Medienereignis, das vor allem Spekulanten anlockte und zu wenig Langfristanleger. Deshalb ging der Kurs für den Rest des Jahres zunächst auf Talfahrt. Zudem vermasselte die Technologiebörse Nasdaq das Debüt mit technischen Schwierigkeiten. Twitter listet auch deshalb beim Konkurrenten New York Stock Exchange, der einem ähnlichen Debakel durch bessere Vorbereitung vorbeugen will. Während Facebook beim Börsengang eine sehr hohe Bewertung von 96 Milliarden Dollar anpeilte, startet Twitter mit einer Bewertung von 14,2 Milliarden Dollar deutlich bescheidener.

Social Media an der Börse
TwitterKurz vor dem Börsengang waren die Investoren heiß auf den Kurznachrichtendienst: Die Nachfrage nach der Aktie war so hoch, dass Twitter den Ausgabepreis von erst mindestens 17 Dollar auf 26 Dollar hochschrauben konnte. Das sieben Jahre alte Unternehmen, das noch nie auch nur in die Nähe von schwarzen Zahlen gekommen ist, war damit schon vor dem Läuten der Börsenglocke in New York gut 14 Milliarden Dollar wert. Am Ende des ersten Handelstages stand die Aktie dann sogar bei 44,90 Dollar. Twitter konnte die Investoren bislang überzeugen, dass die Wachstumsaussichten gut sind und mit dem Anziehen der Werbeerlöse auch die Gewinne folgen werden. Aber es gibt keine Garantie, dass diese Rechnung aufgeht. Und wie lange hält die Geduld der Börsianer, wenn erst einmal Quartal für Quartal weiterhin rote Zahlen in der Bilanz auftauchen sollten? Schließlich wird Twitter jetzt nicht mehr wie in den ersten Jahren im Verborgenen agieren können, sondern unter voller Transparenz. Zudem weisen Skeptiker darauf hin, dass das Wachstum abflache und Twitter mit 230 Millionen Nutzern weltweit immer noch nicht bei der breiten Masse angekommen ist. Quelle: REUTERS
Facebook soll einen Börsengang der Superlative planen Quelle: dpa
Der Internet-Gutscheindienst Groupon gab zum Börsenstart Anfang November 35 Millionen Aktien zum Preis von 20 Dollar aus Quelle: REUTERS
LinkedIn startete im April 2011 mit massiven Kursaufschlägen Quelle: REUTERS
Spiele-Anbieter Zynga Quelle: dapd
US-Portal Yelp hat erste Unterlagen bei der Börsenaufsicht eingereicht Quelle: dapd
Yandex Quelle: REUTERS

Zudem ist das Klima für Internet-Unternehmen sonniger als im Frühjahr 2012. Internet-Aktien haben in diesem Jahr eine Kursrally hingelegt. Google hat die 1000-Dollar-Kursgrenze gerade durchbrochen, auch Amazon hat eine neue Rekordhöhe erreicht, und sogar Facebook steht inzwischen 30 Prozent über Ausgabekurs.

Die schlechte Nachricht ist allerdings die gleiche wie die gute: Twitter ist kein Facebook. Facebook zählt weltweit rund 1,1 Milliarden Nutzer. Twitter kommt mit rund 232 Millionen Nutzern noch nicht mal auf ein Viertel davon.

Umstritten ist zudem, wie viele der Twitter-Konten aktiv sind und realen Personen zugeordnet werden können. Vor allem aber war Facebook beim Börsengang bereits profitabel, hatte vier Milliarden Dollar auf der hohen Kante und setzte 3,7 Milliarden Dollar um.

Wie viel Kapital die Börsengänge den Internet-Ikonen einbrachten (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Statista

Twitter hingegen steckt noch immer in den Miesen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres fielen 133 Millionen Dollar Verlust an, bei einem Umsatz von 422 Millionen Dollar. Im Vorjahr verlor Twitter 79 Millionen Dollar. Seit Gründung vor sieben Jahren hat das Unternehmen rund 450 Millionen Dollar verbrannt. Von den 1,16 Milliarden Dollar Wagniskapital, die Twitter im Laufe der Jahre einsammelte, sind nur noch 155 Millionen Dollar übrig. Das Unternehmen braucht also Geld.

Der Ausgabekurs liegt mit 26 Dollar nach Ablauf der Zeichnungsfrist deutlich über den anfangs angesetzten 17 bis 20 Dollar je Aktie. Doch auf den erwarteten Jahresumsatz hochgerechnet, liegt er damit in einem Bereich, den auch Facebook im Mai 2012 für sich reklamiert hatte.

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