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Unruhe an der Börse Der größte Tagesverlust seit 17 Jahren

Ein Kurssturz von SGL Carbon sorgte am deutschen Aktienmarkt für Aufsehen. Allgemein wird eine Rezession befürchtet. Quelle: dpa

Das Hin und Her im Handelskonflikt geht weiter. Die Börse reagiert unruhig und eine allgegenwärtige Angst vor einer Rezession macht sich breit.

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Widersprüchliche Signale im Zollstreit zwischen den USA und China halten Anleger auf Trab. So drohte die Regierung in Peking mit Gegenmaßnahmen für die geplante Verschärfung der US-Strafzölle. Einige Börsianer verwiesen dagegen auf Äußerungen des chinesischen Außenministeriums, das auf einen Kompromiss hofft.

Der Dax rutschte am Donnerstag zunächst um bis zu zwei Prozent ab, schloss aber nur 0,7 Prozent schwächer bei 11.412,67 Punkten. Der EuroStoxx50 grenzte seine Verluste fast komplett ein und lag am Abend bei 3284,14 Zählern. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte dank ermutigender Konjunkturdaten 0,2 Prozent vor.

Die Rezessionsangst blieb dennoch allgegenwärtig: Die Drohung mit Gegenmaßnahmen deute darauf hin, dass China an der von den USA angebotenen Verschiebung der geplanten neuen Strafzölle kein Interesse habe, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Außerdem könnte es US-Präsident Donald Trump ermuntern, den Aufschub abzublasen und die Zusatz-Abgaben wie ursprünglich angekündigt zum 1. September in Kraft zu setzen.

Bestätigt fühlten sich die Konjunktur-Pessimisten auch durch den US-Anleihemarkt, wo zweijährige Bonds erneut mehr abwarfen als zehnjährige. „In der Vergangenheit ging allen US-Rezessionen eine solche Inversion der Zinsstrukturkurve voraus, allerdings folgte nicht auf jede Inversion eine Rezession“, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Außerdem habe es im Schnitt knapp zwei Jahre gedauert, bis der Abschwung kam.

Öl und Kupfer unter Druck - Pfund im Aufwind

Vor diesem Hintergrund verbilligte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um zwei Prozent auf 58,30 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für das wichtige Industriemetall Kupfer fiel um 0,2 Prozent auf 5755 Dollar je Tonne. Die „Antikrisen-Währung“ Gold blieb mit 1516,71 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) in Reichweite ihres Sechseinhalb-Jahres-Hochs vom Dienstag.

Wegen aufkeimender Hoffnung, dass ein Brexit ohne Vertrag verhindert werden kann, verteuerte sich das Pfund Sterling um 0,4 Prozent auf 1,2103 Dollar. Labour-Chef Jeremy Corbyn wirbt bei britischen Abgeordneten aller Fraktionen dafür, Premierminister Boris Johnson zu stürzen und mit einer Übergangsregierung einen ungeordneten EU-Ausstieg Großbritanniens zu verhindern. „Doch warum sollte gerade er es schaffen, das zutiefst gespaltene Parlament hinter sich zu einen und endlich eine Mehrheit für eine gemeinsame Brexit-Gangart zu finden?“, fragte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke.

Kurssturz bei SGL Carbon

Am deutschen Aktienmarkt sorgte der knapp 30-prozentige Kurssturz von SGL Carbon für Aufsehen. Das ist der größte Tagesverlust seit 17 Jahren. Der Kohlenstoff-Spezialist verabschiedet sich von seinen Zielen für 2022 und trennt sich vom Firmenchef Jürgen Köhler. Börsianer kritisierten, dass SGL seine Prognosen bei der Vorlage der Geschäftszahlen vergangene Woche noch bekräftigt habe. „Selbst wenn die Ergebnisse für Juli noch nicht vorlagen, muss man die Zahlen sehen, um zu wissen, wie das Geschäft läuft?“, fragte einer von ihnen.

An der Wall Street rutschten die Titel von General Electric (GE) um zwölf Prozent ab, nachdem ein Privatermittler dem Siemens-Rivalen die Verschleierung von Verlusten in Höhe von 38,1 Milliarden Dollar vorgeworfen hatte. Der Mischkonzern wies den Vorwurf der Bilanz-Trickserei zurück.

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