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Unterhaching-Börsengang „Geld allein bringt nichts“

Manfred Schwabl Quelle: PR

Seit Montag können Anleger Aktien des Fußball-Drittligisten Spielvereinigung Unterhaching zeichnen. Im Interview erklärt Präsident und Großaktionär Manfred Schwabl, was er mit dem Erlös vorhat.

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Manfred Schwabl ist seit 2012 Präsident des Fußball-Drittligisten Spielvereinigung Unterhaching und ein wichtiger Geldgeber des Klubs. Er bürgt für einen 2,6-Millionen-Euro-Kredit, der mit den Erlösen aus dem Börsengang zurückgezahlt werden soll. Zudem hält Schwabl 750.000 Aktien an der Fußball GmbH & Co. KGaA, in die die Profi-Abteilung des Vereins ausgegliedert wurde. Kann das Unternehmen beim Börsengang bis zum 26. Juli alle Aktien platzieren, käme Schwabl damit auf einen Anteil von 16,7 Prozent. Schwabl war selbst Fußballprofi und absolvierte insgesamt 303 Bundesliga-Spiele für Bayern München, den 1.FC Nürnberg und den TSV 1860 München. Vier Mal trug er zudem das Nationaltrikot. Nach seiner aktiven Fußballer-Zeit engagierte sich Schwabl aus Bauunternehmer. Die Firma ging jedoch pleite, Schwabl wurde später wegen Insolvenzverschleppung und Betrug verurteilt.

WirtschaftsWoche: Herr Schwabl, seit Montag können Anleger Aktien des Drittligisten Spielvereinigung Unterhaching zeichnen. Es ist der zweite Börsengang eines deutschen Fußballklubs seit jenem von Borussia Dortmund im Jahr 2000. Der BVB wollte damals in Steine und Beine investieren, verhob sich dabei und war gut vier Jahre später fast pleite. Was macht Unterhaching heute anders als Dortmund damals?
Manfred Schwabl: Das war eine andere Zeit und ich will auch nicht über andere reden. Wir haben für uns grundsätzlich entschieden, dass Eigenkapital der bessere Weg ist als etwa Fananleihen oder anderweitige Verschuldung. Das Geld werden wir in die Qualität unseres Kaders stecken, das Stadion zweitligatauglich machen und in unser Nachwuchsleistungszentrum investieren. Wir erhalten mit dem Börsengang die Planungssicherheit, um unser Ziel, den Aufstieg in die 2. Bundesliga innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre, konsequent angehen zu können. Dabei werden wir auch weiterhin bodenständig bleiben und auf Talente aus der Region setzen.

Haching will explizit keine hohen Gehälter zahlen. Wie wollen Sie die Qualität des Kaders trotzdem verbessern?
Mit Prämien. Unsere Gehälter sollen fair sein, als Anreiz wollen wir aber stärker auf erfolgsabhängige Zahlungen setzen. Das ist bei einem Wirtschaftsunternehmen auch sinnvoll. Auch hohe Ablösesummen kommen für uns nicht infrage.

Sie treten in der dritten Liga in Konkurrenz zu Vereinen mit potenten Geldgebern im Hintergrund. Was macht Ihr Verein besser als die Konkurrenz?
Die sportliche und die wirtschaftliche Kompetenz müssen Hand in Hand gehen. Geld allein bringt nichts. Wir haben in den vergangenen Jahren mit wenig Geld gute Ergebnisse erzielt und uns als Talentschmiede positioniert. Und wir setzen auf Kontinuität. Trotz unserer Schwächephase in der vergangenen Rückrunde haben wir zum Beispiel den Trainer nie infrage gestellt – das hat uns insgesamt gestärkt.

Nun also wollen Sie mit dem Börsengang brutto knapp acht Millionen Euro einsammeln. Kann ein kleines Unternehmen wie Unterhaching die Verpflichtungen für eine Börsennotiz überhaupt erfüllen?
Das war schon bei der Machbarkeitsprüfung ein großes Thema. Und ja, wir werden das stemmen können, auch weil wir die richtigen Berater an unserer Seite haben.

Für die Notierung müssen Sie die Münchner Börse bezahlen, ein Research zu Ihrer Aktie bereitstellen lassen, den Kontakt zu Investoren halten und Rechtsberater haben, um die Publikationspflichten zu erfüllen. All das kostet.
Die Kosten sind anteilig nicht so hoch. Und schon bei der Prüfung der Lizenz müssen wir dem Deutschen Fußball Bund alles offenlegen und regelmäßig über unsere Finanzen berichten. Da ändert sich also nicht so viel.

Die Aktie soll zu 8,10 Euro das Stück kommen. Ihr Unternehmen käme damit auf einen Börsenwert von 36,5 Millionen Euro. Welche Annahmen liegen dieser Bewertung zugrunde?
Wir wurden mit gut 40 Millionen bewertet, der Ausgabepreis lässt dazu zehn Prozent Sicherheitspuffer. Basis ist die Annahme, dass wir noch zwei Jahre dritte Liga spielen und dann in die zweite Liga aufsteigen. Das ist entscheidend, denn in der zweiten Liga sind die TV-Gelder wesentlich höher. Sie würden sich ungefähr verzehnfachen. Außerdem haben wir konservativ kalkuliert und nur geringe Transfererlöse berücksichtigt.

Wie viel Geld wird Haching in der kommenden Saison verbrauchen?
Wir rechnen mit etwa zweieinhalb Millionen Euro. Wer in der dritten Liga um den Aufstieg mitspielen will, macht operativ einfach Verlust.

Mit dem Geld der Investoren wollen Sie nicht nur investieren, sondern auch die Schulden abbezahlen. Das Unternehmen steht derzeit mit rund 2,6 Millionen Euro bei Aufsichtsrat Christian Näther in der Kreide. Sie bürgen für den Kredit. Wie wäre dieses Darlehen ohne das Geld aus dem Börsengang zurückgeführt worden?
Ich hätte dieses Darlehen kurzfristig privat getilgt.

Vor Ihrer Zeit als Präsident der Spielvereinigung hatten Sie sich als Bauunternehmer versucht. Das Unternehmen ging insolvent, Sie wurden 2008 wegen Insolvenzverschleppung und Betrug verurteilt. Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?
Mich ärgert, dass diese Geschichte immer wieder hochgezogen und falsch dargestellt wird. Es war so: Nach meiner Zeit als Fußballprofi wollte ich mir eine neue Existenz aufbauen und übernahm ein überschuldetes Bauunternehmen. Schwierige Projekte haben mich schon immer gereizt. Ich hätte direkt Insolvenz anmelden müssen, habe aber stattdessen versucht, die Firma wieder aufzubauen. Als Erkenntnis habe ich daraus mitgenommen, dass man sich als Unternehmer von Anfang an die richtigen Rechts- und Steuerberater holen muss. Zu diesem Fehler stehe ich. Das Gute daran ist, dass man bekanntlich aus Fehlern sehr viel lernen kann.

Bis zum 26. Juli können Anleger nun Unterhaching-Aktien zeichnen, knapp eine Million Stück sind im Angebot. Was, wenn Sie so viele nicht am Markt platzieren können?
Selbst wenn nur 50 Prozent der Aktien gezeichnet würden, hätten wir ein bombenfestes finanzielles Fundament. Vier Millionen Euro haben wir uns ja bereits in einer ersten Platzierungsrunde gesichert. Grundsätzlich bin ich für jede gezeichnete Aktie dankbar.

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