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Unternehmensanleihe Schifffahrtskonzern Rickmers testet den Anleihemarkt

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Anleihemarkt ist Neuland für die Branche

Ein Frachtschiff der Rickmers-Reederei

Van Meenen erwartet, dass diese neue Form der Finanzierung sich nur langsam etabliert. 2007 machte das Unternehmen bereits einen ersten Schritt an den Kapitalmarkt, als eine Asien-Tochter Aktien an der Börse in Singapur platzierte. Die Anleihe in Frankfurt sei nur ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg zu neuen Finanzierungsquellen. Vorreiter für eine Anleihefinanzierung in der Branche war  Hapag Lloyd mit einer fünfjährigen Anleihe aus dem Jahr 2010, 2012 gab es die „Traumschiffanleihe“ von den Eigentümern des Passagierkreuzers MS Deutschland.

Ganz auf die Banken verzichten will Rickmers jedoch nicht. „Die Banken bleiben für uns ganz wesentlich und wichtig, dort haben wir aktuell 1,8 Milliarden Euro Verbindlichkeiten. Aber unsere Investitionskapazitäten sind weitgehend gebunden und damit zu gering für das geplante Wachstum des Unternehmens“, sagt Mark-Ken Erdmann, stellvertretender Finanzchef.

Die Bankkonditionen seien auch nicht zu teuer, aber vor dem Hintergrund, dass die Projekte in der Schifffahrt sehr kapitalintensiv und die Banken zurückhaltend sind, will sich Rickmers alternative Finanzierungswege erschließen. „Deshalb steht die Zinshöhe auf dem Coupon nicht allein im Fokus. Die Anleihe wird für uns teurer als der Durchschnitt unserer Bankkredite“, so Van Meenen. „Wenn wir aber an den Kapitalmarkt gehen, wird das auch von den Kreditabteilungen der Banken goutiert. Das eröffnet Spielräume.“ Anders ausgedrückt: Klappt die Finanzierung über die Anleihe und weitere Finanzierungsrunden über den Kapitalmarkt, dürften auch die Banken wieder mehr Mut bei der Kreditvergabe entwickeln.

Börse



Für Anleger sind die Rickmers-Papiere aufgrund des hohen Zinssatzes sicher attraktiv. Aber das erhebliche Risiko der gesamten Branche hat der Anleihe auch nur ein Rating unterhalb von „Investment Grade“ beschert. Die Bonitätsprüfer stufen das Papier somit als hochspekulativ ein. Andererseits ist die Rickmers-Gruppe auch viel breiter aufgestellt als eine reine Werft, deren Konjunktur- und Kreditrisiken nochmals schwerer wiegen und die deshalb vielfach mit einem noch schlechteren Rating leben müssen. Dennoch muss Anlegern klar sein: Der Branche geht es schlecht, das Geschäft schwankungsanfällig und sollte Rickmers in Zahlungsschwierigkeiten geraten, drohen Anlegern Kursverluste und im Extremfall sogar ein Zahlungsausfall der kompletten Anleihe.

Aufgrund der niedrigen Stückelung zu 1000 Euro könnte die Anleihe auch als Depotbeimischung für Privatanleger dennoch interessant sein. Rickmers-Finanzchef Van Meenen will vor allem hochwertige, langfristig orientierte Investoren für die Anleihe gewinnen. „Die Zuteilung erfolgt nach Ablauf der Zeichnungsfrist selektiv nach Qualität“, sagt er. „Bisher ist das Interesse sehr gut“, ergänzt Erdmann.

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