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Unternehmensfinanzierung

Blankokredite auf dem Vormarsch

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Einkauf vorfinanzieren

Zentrale der Investmentbank Lehman Brothers Quelle: dapd

Alternativ kann der Debitor den Einkauf vorfinanzieren, um damit neue oder ersetzende Linien zu schaffen. Diese Option wird beispielsweise dann relevant, wenn entweder keine Ausweitungen der Zahlungsziele möglich sind oder Exporteure keine Kreditversicherungsfazilitäten im Heimatland haben.

Mit der in 2012 erneut aufflammenden Gefahr einer Kreditklemme, die sich bereits schon jetzt im Misstrauen des Interbankenhandels bemerkbar macht, weiten sich entsprechend die Ersatzlinien aus Realkrediten/Lieferantenkrediten aus, da Unternehmen vorab dem Thema begegnen. Sollte es im Laufe der kommenden Quartale eine deutliche Kreditklemme geben, ist zu erwarten, dass jene folglich signifikant ansteigen, da diese ex post aufgefangen werden müssen.

Eine internationale Kreditklemme entstand bereits kurz vor der Lehman-Pleite in 2008 (die in Deutschland allerdings keine nennenswerte Auswirkung über alle Branchen hatte), als ein reges Misstrauen der Banken untereinander herrschte. Und auch heute liegt eine Kreditklemme in der Schwebe und basiert vor allem auf dem gegenseitigen Verdacht der korrespondierenden Banken, dass die Geschäftspartner hohe unwerthaltige Positionen horten.

Finanzierung surrealer Wirtschaft

Mit anderen Worten verdächtigen sich Banken erneut gegenseitig der Finanzierung einer „surrealen Wirtschaft“ und produzieren damit womöglich eine „reale Rezession“. Die Folge für die Realwirtschaft ist, dass sich die Unternehmenskredite ausweiten werden und damit zum einen der Bedarf an zusätzlichen Sicherheiten ansteigt, anderseits auch die Liquidität knapp wird und anderweitig erbracht werden muss.

Nach wie vor wirkt das Thema, dass etliche (Groß-) Banken sich neben Ihrem eigentlichen Kerngeschäft über die letzten Jahrzehnte zunächst dem Investmentbanking (M&A) zuwendeten, dann aber - fatalerweise - den Eigenhandel von Derivaten entdeckten, der mit geringem Mitteleinsatz enorme Gewinne verspricht.

Dieser Hebeleffekt hat einen verheerenden Anreiz auf die dort agierenden Protagonisten, auch weil es an abschreckenden Werkzeugen mangelt, die zu vernünftigem „daytraden“ anhält. Dieser Businesszweig wurde von seitens der wertschöpfenden Industrie und des Gewerbes als Surrealwirtschaft wahrgenommen, nachdem sich in 2008 vielfach herausstellte, dass der Handel von Wertpapieren nicht aus echten Geschäften abgeleitet wurde, sondern dass es sich hierbei um „Blasen“ handelte. Derivate, vom Wesen her notwendige Versicherungsprodukte, die die globalen Wertschöpfungsketten sinnvoll unterstützen, haben sich aber parallel dazu „verselbstständigt“, als sie nicht mehr aus der Realwirtschaft abgeleitet waren.

Ironischerweise gab es bereits in den Anfängen des Bankwesens Praktiken, die aus heutiger Sicht als „Finanzierung des Surrealen“ bezeichnet werden können: So hat etwa bereits im 16 Jahrhundert das erste deutsche Bankhaus, das Bankhaus Fugger in Augsburg, den katholischen Ablasshandel mitfinanziert, mit dem seinerzeit der gewaltige Petersdom in Italien gebaut wurde.

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