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US-Aktien Amerika sorgt vor

Amerikaner sparen mehr. Das bremst die Wirtschaft und treibt die Kurse von börsennotierten Vermögensverwaltern.

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Die Wall Street leidet unter dem Sparen der Amerikaner. Doch wie schlimm sieht es wirklich aus? Quelle: Getty Images

Zugmaschine der US-Wirtschaft ist der Konsument. Dieser Tage wirkt die Lokomotive allerdings reichlich ramponiert. Die Konsumausgaben sind bis Juli nur noch mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 3,2 Prozent gestiegen. Das ist der geringste Wert seit 2009, obwohl die Einkommen die höchste Wachstumsrate seit 2011 aufweisen. Die Amerikaner geben also weniger von ihrem verdienten Geld aus. 5,7 Prozent des Einkommens im Juli wurden auf die hohe Kante gelegt. Das ist die höchste Sparquote seit 2012. Eine Nation von Verschwendern wird vorsichtiger.

Für die US-Wirtschaft ist ein gesparter Cent aber leider kein gewonnener Cent. Bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts zählen die Verbraucherausgaben, nicht die Ersparnisse. Daher führte der Rückgang der Verbraucherausgaben im Juli im Vergleich zum Juni zu einer Korrektur der Konjunkturprognosen für das dritte Quartal auf nun weniger als drei Prozent.

Warum geben die Leute ihr Geld nicht aus? Gründe sind etwa der ungewöhnlich kühle Sommer, der die Stromrechnungen in Grenzen hielt, weil die Klimaanlagen nicht so oft in Betrieb waren wie in vergangenen Jahren. Oder auch demografische Aspekte: Die Zahl der über 65-Jährigen – die mit ihrem Geld vorsichtig wirtschaften müssen, wenn es bis zum Ende reichen soll – steigt rascher als die der Menschen, die ihr maximales Einkommens- und Ausgabenniveau erreicht haben.

Wesentlicher erscheint eine weniger handfeste Tatsache: Die Amerikaner haben die große Rezession psychologisch nach wie vor nicht überwunden. In Stimmungsumfragen schätzen sie die aktuelle Lage zwar als gut ein. Weit weniger zuversichtlich sind aber die Einschätzungen für die Zukunft. Von denen jedoch hänge das Konsumverhalten der Menschen ab, sagt der Ökonom David Rosenberg von der Vermögensverwaltung Gluskin Sheff. „Ein globaler Finanzkollaps zieht immer Nachbeben nach sich“, sagt er.

Das heißt nicht, dass die Konsumenten nicht wieder zu kaufen beginnen – es geht nur einfach langsamer, wie alles andere in der Erholung nach der großen Finanzkrise. Laut Ellen Zentner von Morgan Stanley liegt das Verbrauchervertrauen erst jetzt wieder auf einem durchschnittlichen Niveau, obwohl sich die US-Wirtschaft seit über fünf Jahren auf Erholungskurs befindet. Immerhin: Weil das Tempo des Aufschwungs so moderat ist, hält die Phase der wirtschaftlichen Expansion länger an als in anderen Konjunkturzyklen, die früher in eine Überhitzung mündeten. Die US-Wirtschaft könnte noch bis 2020 wachsen. Das wäre dann die längste US-Wachstumsphase seit dem Zweiten Weltkrieg.

Weil die Amerikaner weniger ausgeben, überrascht es nicht, dass der Einzelhandel leidet. Zum Beispiel die US-Einzelhandelskette Gap, zu der auch die Modemarken Banana Republic und Old Navy gehören. Der Kurs der Aktie verlor zuletzt, nachdem das Unternehmen im August bei gut eingeführten Läden, die seit mindestens einem Jahr bestehen, Umsatzeinbußen um zwei Prozent gemeldet hatte.

Börsenboom hebt Kauflaune

Eine Ausnahme bilden die auf wohlhabende Käufer ausgerichteten Händler. Die Zukunftserwartungen der Vermögenden orientieren sich gewöhnlich an der Entwicklung der Börsen, und die lässt ja seit zwei Jahren nahezu euphorische Gefühle aufkommen. Der Schmuckhändler Tiffany etwa meldete gerade 16 Prozent Gewinnwachstum.

Direkt profitieren können Anleger von der neuen Sparfreude mithilfe der Aktien von börsennotierten Vermögensverwaltern. All das gesparte Geld wolle auch angelegt werden, sagt Rosenberg. Man könne es auf ein Bankkonto legen oder in Geldmarktfonds parken und dabei praktisch nichts verdienen. Oder man könne es arbeiten lassen, indem man es in Aktien, Anleihen, Fonds oder börsennotierten Indexfonds (ETFs) anlege. „Die Sparfreude ist ein Gräuel für Einzelhändler, aber ein Segen für Vermögensverwalter“, meint Rosenberg.

Börse



Unter den Gewinnern dürfte der international tätige US-Vermögensverwalter Blackrock zu finden sein. Börsennotierte ETFs sind bei den Anlegern zunehmend hoch im Kurs, und davon profitiert iShares, der ETF-Anbieter von Blackrock. Allein im August flossen der Firma elf Milliarden Dollar an neuen Mitteln zu, meldete Doug Sipkin, der den Indexfondsanbieter für die Susquehanna Financial Group beobachtet. Die ETFs von iShares haben Recherchen von Sipkin zufolge auch bei verwalteten ETF-Portfolios voll eingeschlagen: Ende Juni hatten die 13 größten Vermögensverwalter rund 220 iShares-Produkte in ihren Portfolios, gegenüber 168 noch ein Jahr zuvor. Sipkin glaubt, der Kurs der Blackrock- Aktie könnte noch um 15 Prozent steigen, auf etwa 380 Dollar.

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