US-Börse Der Bikini-Index weckt Hoffnung

Der Bikini-Index weckt Hoffnung, am Arbeitsmarkt geht es aufwärts – aber am US-Häusermarkt drohen Probleme.

Die Sports Illustrated-Models Irina Shayk, Crystal Renn, Michelle Vawer, Nina Agdal and Jessica Gomes leuten die Glocke an der New Yorker Börse Quelle: Reuters

Trauen Sie zufällig der diesjährigen Rally noch nicht so recht? Wir wissen Rat: Besorgen Sie sich das „Sports Illustrated Swimsuit Issue“. Auf dem Cover der diesjährigen Bademodenausgabe des angesehenen US-Sportmagazins – auf dem einst übrigens schon Heidi Klum ihre Karriere startete – posiert wie immer ein äußerst wohlgeformtes Mädchen in einem winzigen Bikini.

Zum Kauf dieser Ausgabe raten wir nicht, weil die Schöne so attraktiv ist oder weil Schwimmen ein gesunder Sport ist und das fesche Ding ein paar unserer Leser animieren könnte, sich vom Computer loszureißen und eine Runde im nächsten Pool zu drehen – was sicher nur gut tun kann. Der Grund ist: Das diesjährige Covergirl ist Amerikanerin.

Eine Amerikanerin lässt Herzen schneller schlagen und Kurse steigen

Sie werden nun glauben, wir seien einem Anfall von Hurrapatriotismus erlegen. Dem ist nicht so. Der Grund für unsere Begeisterung für das Cover und die Nationalität des darauf abgebildeten weiblichen Wesens ist schlicht und einfach ein statistischer, nämlich der Sports Illustrated Swimsuit Issue Indicator, kurz der SI-Bikini-Indikator, der vom US-Vermögensverwalter Bespoke beschrieben wird.

Skurrile Börsen-Indikatoren

Was Pizzen, Wolkenkratzer und Bikinis über die Wirtschaft verraten
Salamipizza-IndexThese: Je teurer die Pizza, desto besser geht es der Region. Beweis: Die Preise für eine kleine Salamipizza im reichen Süden sind etwa doppelt so hoch wie im ärmeren Westen, während der Osten im Mittelfeld liegt. Bestellt man eine "Kleine Salamipizza" (24 cm) bei "Bella Italia" in Essen, so kostet diese 3,50 Euro. Eine "Kleine Salamipizza" beim vergleichbaren Stuttgarter "Bella Pizzaservice" dagegen kostet mit 7,20 Euro mehr als das Doppelte. Quelle: Lieferheld. Die Übersicht der folgenden Indikatoren basiert auf einem Artikel des Business Insider. Quelle: Reuters
Wolkenkratzer-IndexThese: Je höher die Wolkenkratzer sind, die eine Nation baut, desto schlechter wird sich die Wirtschaft entwickeln. Megagebäude werden in einem Umfeld euphorischer Stimmung gebaut werden. Bis die Häuser fertig sind, sind die Börsen zusammengebrochen. Beweis: Mit 828 Metern ist derzeit das Burj Khalifa in Dubai das höchste Gebäude der Welt. Als das Hochhaus nach sechs Jahren Bauzeit stand, hatten die Aktien heimischer Firmen bereits zwei Drittel ihres Wertes verloren. Der Beginn der Asienkrise 1998 erfolgte zeitgleich mit der Fertigstellung der Petronas Towers in Malaysia begann und in den Jahren nach der Grundsteinlegung für den Bau des 509 Meter hohen Taipeh 101, drittelte sich der Aktienindex Taiwans. Quelle: dpa
Bikini-IndexDas Cover für 2012 des Sports Illustrated Swimsuit-Magazins ziert die reizende Amerikanerin Kate Upton. Laut Bikini-Index ein gutes Zeichen für die US-Börse. Die These: In den Jahren, in denen eine Amerikanerin - wie das Model Kate Upton - die Titelseite der Badeanzug-Sonderausgabe der Sports Illustrated ziert, entwickelt sich die Gesamtrendite im US-Börsenindex S&P 500 überproportional, der Index schließt mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Jahresende im Plus. Der Beweis: Zurückgerechnet für die Jahre seit 1978 erreichte der S&P 500, wenn eine US-Amerikanerin auf dem Titelbild prangte, eine Gesamtrendite von durchschnittlich 14,3 Prozent. In 88,2 Prozent der Jahre schloss der Index positiv. War auf dem Cover der Swimsuit-Ausgabe dagegen kein US-Model zu sehen, betrug die durchschnittliche Gesamtrendite seit 1978 nur noch 10,8 Prozent, also rund ein Viertel weniger. Zum Jahresende schloss der Börsenindex S&P500 auch nur noch in 76,5 Prozent der Fälle im Plus. Quelle: dapd
Big-Mac-IndexDie These: Der Index zeigt den Zusammenhang zwischen den Wechselkursen in unterschiedlichen Staaten und den Kosten für einen Big Mac. Wenn der Burger in China 44 Prozent günstiger ist als in den USA, bedeutet dies, dass der Yuan gegenüber dem Dollar 44 Prozent unterbewertet ist. Der Beweis: Das Magazin The Economist veröffentlicht diesen Index jedes Jahr. Das Beispiel China zeigt jedoch, dass der einfache Index noch erweitert werden muss, denn es ist zu erwarten, dass Waren in solchen Ländern günstiger sind, in denen auch die Kosten geringer sind. Deshalb vergleichen die Autoren den Dollar-Preis eines Big Mac auf das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner und stellen dabei einen starken Zusammenhang fest. Quelle: dpa
Rocklängen-IndexDie These: Je kürzer der Rock, desto besser geht es der Wirtschaft. Diese Beobachtung hat der Ökonom George Taylor schon in den 1920er Jahren gemacht, der die Entwicklung des Aktienindex mit der Rocklänge in Verbindung brachte. Laut Einzelhandel ist das aber nur ein Mythos. Der Beweis: Einige Ökonomen bleiben der Theorie treu und verweisen auf die langweiligen Rocklängen, die im Zuge der Finanzkrise 2008 in die Läden kamen. Andere befürchten, dass die Maxi-Röcke, die im letzten Sommer modern waren, auf einen neuen Abschwung hindeuten. Quelle: AP
Bier-Konsum-IndexDie These:  Das Bier zu Hause ist günstiger als das Bier in der Kneipe. Kein Wunder also, dass viele Bierliebhaber, die sparen müssen, auf den Gang in die Kneipe verzichten und sich lieber ein Feierabendbier auf der heimischen Couch gönnen. Der Beweis: In Europa befinden sich 73 Prozent der Arbeitsplätze in der Bierindustrie außerhalb von Brauereien - insbesondere in Bars und Restaurants. Laut den Europäischen Brauereien sank zwischen 2008 und 2010 die Beschäftigung in der Branche um zwölf Prozent. Der Bierkonsum insgesamt sank jedoch nur um acht Prozent und die Beschäftigung in Europa ging nur um zwei Prozent zurück. Quelle: dpa
Lippenstift-IndexDie These: Ein bisschen was will Frau sich auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten gönnen. Wenn das Geld nicht für teure Handtaschen reicht, greifen sie verstärkt zu Lippenstiften. Die Theorie stammt von Leonard Lauder, Geschäftsführer von Estee Lauder. Der Beweis: Tatsächlich hat sich der Verkauf von Lippenstift laut dem Forschungsinstitut Investopia nach der Rezession, die auf den 11. September 2001 folgte, verdoppelt. Quelle: REUTERS

Diesem wenig bekannten Maßstab zufolge liegt die Gesamtrendite im S&P 500 Index seit 1978 in den Jahren, in denen eine Amerikanerin das Cover zierte, bei durchschnittlich 14,3 Prozent. In 88,2 Prozent der Jahre schloss der Index positiv. In den Jahren, in denen das Covergirl keine Amerikanerin war, erzielte der S&P 500 eine durchschnittliche Gesamtrendite von 10,8 Prozent, also rund ein Viertel weniger, und schloss die jeweiligen Jahre in 76,5 Prozent der Fälle in positivem Terrain.

Optimismus setzt patriotische Gefühle frei

Wie kann das sein? Nun, es wäre ja möglich, dass sich die Leute von „Sports Illustrated“ bei der Auswahl ihres Covermodels bewusst oder unbewusst von der Stimmung in der Bevölkerung beeinflussen lassen. Und ein guter Teil dieser Bevölkerung sind nun einmal Anleger.

Wenn sich diese stolze Nation einmal nicht auf dem geraden Weg ins Desaster befindet, setzt der Optimismus patriotische Gefühle frei; folglich ziert dann eine Amerikanerin das Cover von „Sports Illustrated“. Ist die Stimmung hingegen düster, hat eine ausländische Schönheit bessere Chancen.

Gute Nachrichten am US-Arbeits- und Aktienmarkt

Auch Deutschlands Top-Model Heidi Klum (hier auf einem Werbeplakat in Köln) startete ihre Karriere als Bikini-Model des US-Magazins Sports Illustrated Quelle: dpa/dpaweb

Fest steht: Die Risikofreude der Anleger steigt wieder. Dennoch hat der Markt noch keine schwindelerregenden Höhen erreicht, die einen baldigen Absturz erwarten lassen. Die Masse der Anleger bleibt noch immer zurückhaltend genug, um die Rally am Köcheln zu halten um damit eine Überhitzung und deren böse Folgen zu verhindern.

Überflüssig, zu erwähnen, dass da draußen noch eine Menge Ungemach lauert – von Euro/Griechenland bis Iran –, das der Rally jederzeit den Garaus machen könnte. Aber diesen Punkt haben wir noch nicht erreicht. Außerdem ist in den USA Wahljahr, und die Regierung Obama zeigt sich nicht zurückhaltend, wenn es darum geht, den Wählern Dollar in die Taschen zu schaufeln. Das Gleiche gilt für die Republikaner, ungeachtet ihrer viel beschworenen Haushaltsdisziplin.

Tiefpunkte in den Kursen wird es trotzdem geben

Aktien werden wieder Prügel beziehen; aber nicht heute oder morgen. Es gibt genügend gute Nachrichten aus der US-Wirtschaft, vor allem vom Arbeitsmarkt, um Anleger, die gerne handfeste Fakten sehen, bei der Stange zu halten.

Ja, ja, wir wissen, die Beschäftigtenzahlen sind immer geschönt, und der scharfe Rückgang der US-Arbeitslosigkeit von über neun Prozent vor fünf Monaten auf 8,3 Prozent war durch den Rückgang der Anzahl der Jobsuchenden überzeichnet. Doch der Finanzdienstleister PNC stellte anhand von Haushaltserhebungen fest, dass in den vergangenen sieben Monaten rund zwei Millionen Jobs geschaffen wurden, ein großer Teil im privaten Sektor.

Der Beschäftigungsbericht treibe „einen Pflock durch das schwarze Herz der Konjunkturpessimisten, die noch immer eine Doppel-Rezession erwarten“, sagen die Analysten. Die Neueinstellungen steigen, und dieser Anstieg dürfte sich fortsetzen; jedenfalls gibt es keine Gegenindikatoren.

Arbeitsplätze sind auch gut für den Aktienmarkt

Wenn es um die Konjunkturentwicklung geht, so haben wir das Angebot von Arbeitsplätzen immer als verlässlichsten Vorlaufindikator gesehen. Sicher, der Weg zurück in Richtung Vollbeschäftigung bleibt ein langer und holpriger. Aber die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Und das ist ein Plus, auch für den Aktienmarkt.

Wir geben es zu: Der ewige Pessimismus wird inzwischen langweilig. So viel als kurze Einleitung zu unserer Wiedergabe eines aktuellen Kommentars von Ethan Harris von der Bank of America Merrill Lynch.

Pessimismus hilft nicht weiter

Die Models von Sports Illustrated machen nicht nur auf dem Parkett eine gute Figur, sie sorgen auch für gute Pognosen an den US-Märkten Quelle: Reuters

Harris hat kein schwarzes Herz und ist auch kein Konjunkturpessimist. Aber er sieht den aufblühenden Optimismus an der Wall Street mit Skepsis. Unverändert sorgt er sich um den Häusermarkt und das Wachstum im zweiten Halbjahr. Seiner Meinung nach ist der aktuelle Aufwärtstrend Teil der Erholung nach dem Öl-Schock und der Katastrophe in Japan, könnte aber durch neue Schocks im zweiten Halbjahr zunichte gemacht werden.

Besonders stichhaltig erscheint uns seine Prognose für den US-Häusermarkt.

Der Quasi-Stillstand könnte zu Ende sein, obwohl sich bei der Neukreditvergabe nach wie vor keinerlei Bewegung zeigt. Der Grund für den Optimismus ist ein Abkommen, das kürzlich zwischen Justiz und Banken getroffen wurde. Danach sollen die fünf größten Banken dem Häusersektor mit 26 Milliarden Dollar unter die Arme greifen. Etwa die Hälfte ist für die Reduzierung von Hypothekenkrediten vorgesehen. Das Abkommen löst auch das Problem der Haftpflichtverbindlichkeiten aufgrund von Bearbeitungsfehlern und formuliert Richtlinien für die Bedienung notleidender Kredite. Wenn sich andere Banken anschließen, könnten aus den 26 Milliarden leicht 40 Milliarden Dollar werden.

Konsum hängt am Häusermarkt

Zur Klarstellung: Der US-Konsum, der den Großteil des Wachstums bestimmt, hängt stark am Häusermarkt, der letztlich bestimmt, wie reich Amerikaner sich fühlen und wie hoch sie ihre Häuser beleihen dürfen.

Laut Harris wird sich der positive Effekt aber erst langfristig einstellen, die kurzfristigen Auswirkungen könnten negativ sein. Denn 40 Milliarden Dollar, die sich zu den Hauseigentümern in Bewegung setzen, können die Banken nicht aus dem Hut zaubern. Das wird sich bei den Gewinnen der Banken schmerzlich bemerkbar machen, ebenso wie bei den Erträgen der Aktionäre und den Bezügen der Mitarbeiter.

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Die schlimmste aller unerwünschten Folgen aber wäre ein zunächst massiver Anstieg der Zwangsversteigerungen. Bisher hätten sich die Banken zurückgehalten. Nun, da die Regeln feststünden, könnten sie den Vollstreckungsapparat hochfahren und alles, was noch geht, auf den Markt werfen. Das Angebot am US-Häusermarkt werde zunächst noch einmal kräftig steigen, der Markt muss also noch seinen tiefsten Punkt erreichen.

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