US-Börse Was die Wiederwahl Obamas für die Börse bedeutet

Mitt Romney wäre den Börsianern lieber gewesen. Aber bei Staatsschulden und der Gewinnbesteuerung von Unternehmen muss der US-Präsident pragmatisch vorgehen. Was die Märkte von Obama erwarten dürfen - und was nicht.

Impressionen zur Obama-Wiederwahl
Four more years: Präsident Barack Obama bedankt sich bei seinen Wähler. Es ist die erste Ansprache nach der Wiederwahl. Quelle: REUTERS
So sieht einer Siegerfamilie aus: Ehefrau Michelle, Töchter Malia und Sasha treten in Chicago mit dem neu gewählten US-Präsidenten Obama auf die Bühne. Quelle: REUTERS
Eine Unterstützerin weint während der neugewählte US-Präsident seine Ansprache hält. Quelle: dapd
Zuvor mussten seine Unterstützer noch zittern: Noch bevor die Nachricht der Wiederwahl von Barack Obama in der Welt war, warten seine Unterstützer in Chicago ge. Quelle: REUTERS
Auch in New York sind Menschen am Abend zusammengekommen: Ein Schwulenpaar auf dem Times Square in New York schaut gespannt auf die Bildschirme. Quelle: dapd
Es ist kalt auf dem Times Square, doch die Menschen sind zahlreich erschienen - auch wenn das Transportsystem in Big Apple nach dem Hurrikan Sandy immer noch nicht hundertprozentig funktioniert. Quelle: dpa
Dann kam kurz zur Mitternacht die Nachricht: Barack Obama ist wiedergewählt... Quelle: REUTERS
In Chicago freuen sich die Menschen. Quelle: dpa
Blau ist die Farbe der US-Partei der Demokraten - das Empire State Building in New York spiegelt das Wahlergebnis wieder. Quelle: REUTERS
Im Lager der Republikaner ist die Stimmung im Laufe der Nacht derweil Nüchternheit gewichen. Die Wahlstimmen werden in zahlreichen Staaten ausgezählt... Quelle: dpa
Concession Speech: Der republikanische Präsidentschaftskandidat, Mitt Romney, gesteht seine Niederlage ein. Romney sagt: "Ich bete dafür, dass der Präsident unsere Nation erfolgreich führen wird" Quelle: REUTERS
Die Reaktion lassen nicht auf sich warten: Die Unterstützer von Romney sind enttäuscht. Quelle: REUTERS
In seiner Rede bedankte sich Mitt Romney bei seinem Vize-Präsidentschaftskandidaten Paul Ryan. Im Bild: Mitt Romney und seine Ehefrau Ann Romney und Paul Ryan und seine Frau Janna grüßen die Menge in Boston, Massachusetts. Quelle: dpa
Die Nachricht der Wiederwahl des US-Präsidenten erreicht auch Nyangoma Kogelo in Kenia. Aus dem Dorf stammt der Vater des ersten schwarzen US-Präsidenten. Quelle: REUTERS
Obamas Unterstützer feiern im Grand Park in Los Angeles, California. Der US-Staat hat mehrheitlich für die Wiederwahl des US-Präsidenten gewählt. Quelle: dpa
So feiern Sieger: Ein Obama-Unterstützer feiert in Las Vegas, im US-Bundesstaat Nevada. Quelle: REUTERS

Wahlverlierer Mitt Romney gratulierte Obama zwar umgehend zu dessen Wahlsieg, forderte seine Parteigenossen auf, nun den Wahlsieger Obama zu unterstützen und kündigte "Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg" an.

Doch dies tat er im Wissen, dass es vorerst (mindestens bis 2014) bei der soliden Mehrheit seiner Republikaner im Kongress bleiben wird und er wichtige Vorhaben des Präsidenten dort weiterhin blockieren kann.

Bislang ist nicht klar, weshalb die Republikaner ihre in der ersten Amtszeit Obamas dort oft gezeigte Blockadehaltung nun weniger oft oder vehement demonstrieren sollten. Ohnehin ist unklar, wie weit die innerparteiliche Macht des Wahlverlierers in den kommenden Jahren noch reichen wird und ob Romneys Einfluss auf seine Partei groß genug sein wird, solch eine überparteiliche Arbeit anzustoßen, selbst wenn er seine Ankündigung ernstgemeint haben sollte.

US-Präsidentschaftswahl 2012

So wird eine überparteiliche Einigung zu wichtigen Themen weiterhin schwierig zu erreichen sein. Zuallererst merken werden die Märkte dies bei der so genannten Fiskalklippe (dem Auslaufen zahlreicher Steuervergünstigungen), bei der schon bald erneut nötigen Anhebung der gesetzlichen Schulden-Obergrenze und bei der langfristigen Steuerung der US-Staatsschulden.

Die größten Pleitekandidaten der USA

Das kleinere Übel

Immerhin: Der Worst Case aus Sicht der Börse - eine Patt-Situation mit unklarem Ausgang wie im Jahr 2000 - ist nicht eingetreten. So eröffneten die Märkte im Ausland zunächst leicht im Plus. Die Börsen in London und in Hongkong legten zu. Der Dax notierte nach knapp drei Stunden im Handel bei rund 7.426 Punkten und damit gut ein halbes Prozent im Plus. Der Nikkei-Index in Tokio schloss im Handelsverlauf fast unverändert.

Die Futures auf die US-Börsen hingegen gaben vor Handelseröffnung deutlich nach. Wie erwartet starteten dann um 15 Uhr europäischer Zeit die US-Börsen - sowohl S&P 500 als auch Dow Jones - deutlich schwächer; beide Indizes gaben rund 1,5 Prozent nach.

Kein, Wunder: Der erklärte Favorit der Börsen, Mitt Romney, hat sich nicht durchgesetzt. Doch ein am Ende überraschend klarer Sieger Obama ist den Märkten allemal lieber als eine wochenlange Hängepartie.

Zumal einige Probleme sofort angegangen werden müssen, und ein wiedergewählter Präsident ist immerhin handlungsfähig; die Administration muss nicht ausgewechselt werden; das hat viele Vorteile, auch und gerade für die Wirtschaftspolitik.

Weiterhin kein "Durchregieren"

Die Fiskalklippe muss bereits am 3. Januar 2013 umschifft werden. Obama wird also mit dem konservativ dominierten Kongress zusammenarbeiten müssen. Ob dieser sich nun pragmatischer dabei zeigt, als in der ersten Amtszeit Obamas, ist völlig offen. Eine Chance auf Zusammenarbeit wäre da, dies hängt jedoch nicht vom Präsidenten, sondern von den Republikanern ab.

Gelingt eine Einigung nicht, hätte dies verheerende Folgen, fürchten zahlreiche Marktbeobachter. Zahlreiche Steuervergünstigungen laufen am 1.Janur 2013 aus; ihre Wirkung wird von Volkswirten auf bis zu drei Prozent der US-Wirtschaftsleistung geschätzt. Sie müssen also zumindest teilweise verlängert werden, so die Hoffnung der Wall Street, auch wenn dies langfristig eine weitere Schwächung des Steueraufkommens und der Staatsfinanzen bedeutet.

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