US-Investor macht Druck: Stress in Disneyland: Warum dieser Hedgefonds-Manager Disney Ärger macht
Bob Iger hat es dieser Tage nicht leicht. Erst Ende vergangenen Jahres ist der langjährige Disney-Chef nach kurzer Absenz an die Spitze des Unterhaltungskonzerns zurückgekehrt. Dort steht er nun nicht nur vor der Aufgabe, den schwächelnden Riesen wieder fit zu machen. Er hat auch noch Nelson Peltz am Hals.
Hedgefondsmanager Peltz gilt als aggressiver aktivistischer Investor. Mit seinem Unternehmen Trian Fund Management ist er an zahlreichen namhaften Konzernen beteiligt. Sein Portfolio enthält vor allem Konsumgütergrößen wie Kraft Foods, Pepsico und Unilever sowie Investmentgesellschaften, darunter Legg Mason, Lazard und Invesco. Seit kurzem gehört allerdings auch Disney dazu.
Im November hat Peltz‘ Hedgefonds für rund 800 Millionen Dollar Anteile an Disney erworben. Damit dürfte er rund 0,5 Prozent der frei verfügbaren Aktien besitzen. Nun verlangt der Milliardär einen Sitz im Verwaltungsrat, dem Gremium, das bei US-Konzernen Funktionen von Vorstand und Aufsichtsrat vereint. Die Disney-Spitze lehnt das ab – und rät Aktionären, in einer Kampfabstimmung, wie Peltz sie offenbar anstrebt, gegen einen Vorstandssitz für den Investor zu votieren.
Das Popcorn steht bereit
Peltz will, dass Disney sein Streaming-Angebot Disney+ auf Kosteneffizienz trimmt, seine Einsparungsbemühungen verstärkt und die Dividendenzahlungen, die in der Coronakrise ausgesetzt wurden, zum Geschäftsjahr 2025 wieder aufnimmt. Größter Streitpunkt zwischen Peltz und der Disney-Spitze dürfte indes eine Personalie sein: US-Medien zufolge war man bei Trian von Igers überraschender Rückkehr im November alles andere als begeistert.
Peltz wirft dem langjährigen Disney-Chef vor, im Jahr 2019 zu viel für die Übernahme von 21st Century Fox bezahlt und Disney damit zu hohe Schulden aufgebürdet zu haben. Der Investor will Iger nach eigenem Bekunden nicht schassen, wohl aber dafür sorgen, dass in zwei Jahren ein passender Nachfolger bereitsteht.
Am Mittwoch stellte Disney den ehemaligen Nike-Spitzenmanager Mark Parker als künftigen neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrats vor – eine Wahl, die Peltz als Affront verstanden haben dürfte. Eine passive Aufsichtsrolle, die ihm laut Medienberichten angeboten wurde, lehnte er ab. Parker muss allerdings noch auf der Hauptversammlung von den Aktionärinnen und Aktionären bestätigt werden. Ein Termin steht noch nicht fest.
Ebenfalls am Mittwoch erklärte Trian daraufhin, von der Entscheidung des Managements „enttäuscht“ zu sein und Peltz als Gegenkandidaten aufzustellen. Nun könnte eine Schlammschlacht bevorstehen. „Für diese Show hole ich mir Popcorn“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Investor Michael Ashley Schulman von Running Point Capital Advisors.
Ohne Rücksicht auf Verluste
Peltz ist es gewohnt, zu bekommen, was er will. Bei Unilever zog er im vergangenen Jahr als nicht-geschäftsführendes Mitglied in den Verwaltungsrat ein und gehört dort dem Vergütungsausschuss an. Das passt: Der 80-Jährige ist dafür bekannt, mit strengem Blick auf die Kosten zu schauen – und Managergehälter, die seiner Ansicht nach zu üppig ausfallen, rigoros zu beschneiden.
Ob Unilever, Mondelez oder Procter & Gamble: Peltz steigt in der Regel ein, um zu gestalten. Dabei ging er in der Vergangenheit durchaus robust vor. Im Jahr 2017 wollte er bei Procter & Gamble in den Verwaltungsrat einziehen, um dort eine Neuorganisation des Konsumgüterriesen anzustoßen. Ähnlich wie jetzt bei Disney stellte sich das Management quer. Peltz stürzte sich daraufhin in eine beispiellose Abstimmungsschlacht, die mehrere Monate dauerte. Obwohl er die Abstimmung knapp verlor, wurde er schließlich zum Verwaltungsratsmitglied ernannt. Das Gremium wurde dafür eigens um einen Sitz erweitert.
Auf Disney könnten harte Zeiten zukommen. Es ist das zweite Mal binnen weniger Monate, dass der strauchelnde Unterhaltungsriese Ärger mit einem aktivistischen Investor hat. Im vergangenen Sommer verlangte Third Point, der Hedgefonds von US-Starinvestor Dan Loeb, dass Disney den Sportsender ESPN verkauft, ein Aktienrückkaufprogramm startet und seinen Verwaltungsrat neu aufstellt. Am Ende stand ein Kompromiss: Carolyn Everson, zuvor unter anderem für die Facebook-Mutter Meta tätig, zog in das Gremium ein. ESPN wurde nicht verkauft.
Loeb war im vergangenen Sommer neu bei Disney eingestiegen, nachdem er seine Anteile an dem Konzern erst kurz zuvor verkauft hatte. Wie Peltz ist auch Loeb als Investor nicht gerade zimperlich. In den vergangenen Jahren forderte er Nestlé dazu auf, mehr Schulden zu machen, um eigene Aktien zurückzukaufen. Von Disney verlangte er, die Dividende zu streichen und mit dem Ersparten mehr Inhalte für Disney+ zu produzieren – also ziemlich genau das Gegenteil von dem, was Peltz heute will.
Sollte sich Peltz‘ Hedgefonds bei Disney Gehör verschaffen, könnte das für Anleger von Vorteil sein. In der Vergangenheit legte dann oft der Aktienkurs des betroffenen Unternehmens zu, etwa bei Unilever. Der Disney-Aktie würde etwas positives Momentum guttun: Sie befindet sich seit rund zwei Jahren in einem Abwärtstrend. Der ist zahlreichen Problemen geschuldet, von der Inflation bis zur Schwäche der Streamingsparte. Bob Iger sollte diese Probleme eigentlich lösen. Stattdessen hat er mit Peltz nun eines mehr.
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