US-Notenbank Die Fed wagt die Zinswende

Die US-Notenbank Fed hat erstmals seit 2006 den Leitzins wieder erhöht und damit die Zinswende gewagt. Für die Finanzmärkte ist die Entscheidung von weitreichender Bedeutung.

Fed-Chefin Janet Yellen.

Sie hat es getan. Erstmals seit 2006 erhöht die US-Notenbank Fed wieder den Leitzins und wagt sich damit an das Experiment Zinswende. Die Fed unter Janet Yellen erhöht den Zins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent. In Kürze wird Yellen weitere Details zur Entscheidung bekannt geben.

Für die Märkte ist das ein historischer Schritt, erstmals seit 2006 steigen die Zinsen wieder. Damit geht ein bisher nie dagewesenes expansives geldpolitisches Experiment zu Ende. Bleibt die Frage, wie das billige Geld, welches in die Märkte gepumpt wurde, wieder eingefangen werden soll. Das ist in diesem Fall nämlich nicht so einfach wie gedacht. Ihre bisherigen Zinserhöhungen steuerte die Fed über den Verkauf von Wertpapieren. Sie verkaufte so viele kurzlaufende Anleihen, bis der gewünschte Wert erreicht war. Nun ist das aufgrund der hohen überschüssigen Liquidität, die im Markt ist, aber nicht so einfach möglich.

Der Erfolg der Zinswende wird also entscheidend davon abhängen, wie die Fed dabei vorgeht. Experten betonen, wie wichtig ein behutsames Vorgehen ist. Zwar scheint die Zinserhöhung mittlerweile weitestgehend eingepreist zu sein, dennoch besteht die Gefahr, mit einem zu großen Zinsschritt die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft abzuwürgen. Der Blick auf die einzelnen Märkte zeigt, welche Risiken und Nebenwirkungen die Zinsentscheidung der Fed hat.

Stimmen zur Zinswende der Fed

Aktien

Es scheint, als wolle sich der deutsche Aktienmarkt von der Zinserhöhung nicht verunsichern lassen. Der Dax schloss am Tag der Zinsentscheidung mit 0,18 Prozent im Plus. Laut Marktexperten hofften Anleger auf eine "Zinswende light". Die Entscheidung dürfte einiges an Unsicherheit aus den Märkten nehmen, welche die Börsen in den vergangenen Monaten fest im Griff hatte. Immer wieder bereiteten sich Händler auf eine Zinswende vor und wurden dann wieder von der Fed enttäuscht. Die Fed hat ihre Entscheidung so lange angekündigt, dass die Märkte die sinkende Geldmenge bereits eingepreist haben dürften. "Die Chancen, dass die Kurse mittelfristig weiter steigen, sind groß", sagt Commerzbank-Experte Andreas Hürkamp. Im Gegenteil: hätte die Fed den Zins nicht erhöht, hätte sich vermutlich Angst an den Märkten breitgemacht. Denn damit hätte die Fed signalisiert, dass es um die Weltwirtschaft deutlich schlechter steht als bisher angenommen. "Das wäre ein Schock", sagt ein Händler im Vorhinein.

Auch die Aktienmärkte in den USA notierten zuletzt positiv. Die Zinswende dürfte das endgültige Signal sein, dass es mit der US-Konjunktur aufwärts geht, die Fed stärkt damit das Vertrauen in die US-Wirtschaft und den Dollar. Das dürfte sich mittelfristig auch auf die Nachfrage nach den US-Papieren auswirken.

Insbesondere für die Aktienmärkte ist es wichtig, dass die Fed bei ihrem Versuch, die Geldmenge schrittweise wieder zurückzufahren, bedacht vorgeht. Hürkamp erinnert an das Beispiel aus dem Jahr 1994, als die US-Notenbank ihre Zinsen zu schnell und für die Märkte unerwartet erhöhte und damit Tumulte auslöste. Vor allem für kleinere Volkswirtschaften wie Mexiko wurde der Dollar zu teuer, sie gerieten in eine Krise. Auch der Dax brauchte rund anderthalb Jahre, um sich von dem Schock zu erholen.

Weltwirtschaft und Schwellenländer

Im Oktober wurde die Zinserhöhung mit Blick auf die labilen Volkswirtschaften der Schwellenländer zunächst verschoben. Umso mehr setzt die Fed mit der Zinserhöhung ein wichtiges Signal, in dem sie die Sorgen wieder etwas relativiert. Zuletzt hatten auch positive Konjunkturdaten aus China die künftig weniger expansive Zinspolitik der US-Notenbank unterstützt. Zudem signalisiert die Fed, dass sie sich bei ihren geldpolitischen Schritten nicht nur vom Gusto der Märkte lenken lässt, sondern die Entscheidungen unabhängig trifft.

Dennoch wird die Reaktion der Schwellenländer-Währungen von Analysten mit großer Spannung erwartet. Grundsätzlich ist damit zu rechnen, dass der Dollar gegenüber Währungen wie dem brasilianischen Real oder Südafrikas Rand deutlich aufwertet. Analysten sind sich allerdings nicht ganz darüber einig, inwiefern die Zinswende auch an den Devisenmärkten eingepreist ist. Lutz Röhmeyer, Schwellenländer-Experte von LBB-Invest, geht beispielsweise davon aus, dass Investoren einen großen Teil ihres Kapitals bereits aus den Schwellenländern abgezogen haben, als die Fed 2013 verkündete, mit dem Tapering, also dem reduzieren der Anleihekäufe, zu beginnen. Stimmt das, dürfte sich der Devisenmarkt nach einem kurzen Zucken schnell wieder beruhigen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%