US-Notenbank Fed erhöht den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte

Nach Jahren der Null-Zins-Politik hat die US-Notenbank Fed ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. Der Nachrichtenüberblick zur Zinswende mit den ersten Marktreaktionen.

Janet Yellen und die FED haben sich für eine Erhöhung des Leitzines entschieden. Quelle: AP

Die US-Notenbank Fed hat erstmals seit fast zehn Jahren den Leitzins erhöht. Am Mittwoch setzten ihn die Währungshüter auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise Ende 2008 war der Schlüsselsatz zwischen null und 0,25 Prozent einzementiert. Nun endet die Zeit, in der die Geschäftsbanken praktisch zum Nulltarif mit Liquidität versorgt wurden.

Kredite dürften sich damit tendenziell verteuern. Das ist Ausdruck der Stärke der US-Wirtschaft mit hohen Wachstumsraten und einer niedrigen Arbeitslosenquote. Fed-Chefin Janet Yellen hatte die Finanzmärkte auf den Schritt vorbereitet. Die Notenbank signalisiert ihnen nun, dass sie die Geldpolitik schrittweise - sprich behutsam - weiter straffen will.

Stimmen zur Zinswende der Fed

Der Offenmarktausschuss begründete sein Vorgehen damit, dass sich die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt in diesem Jahr "erheblich" verbessert habe. Die Arbeitslosenquote liegt mit fünf Prozent auf dem niedrigsten Stand seit Februar 2008. Außerdem sei die Fed "zuversichtlich", dass die in diesem Jahr bei 0,4 Prozent liegende Inflation mittelfristig auf die Zielmarke von zwei Prozent steigen werde. Dies könnte 2018 der Fall sein.

Weitere Zinserhöhungen in den USA werden nach den Worten von Zentralbank-Chefin Janet Yellen vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Die erste Anhebung seit fast zehn Jahren spiegele Fortschritte am Arbeitsmarkt wider, sagte Yellen am Mittwoch in Washington. Sie stehe auch für die Erwartung, dass es mit der US-Konjunktur weiter bergauf gehe.

Auf dem Arbeitsmarkt gebe es noch immer Verbesserungsmöglichkeiten, ergänzte Yellen. Die Normalisierung der Geldpolitik werde "graduell" erfolgen. Bei stärkeren Wachstumsraten oder einer höheren Inflation werde es deutlichere Schritte geben, im gegenteiligen Szenario langsamere Zinserhöhungen.

Marktreaktionen

Die Wall Street reagierte ohne große Kursschwankungen auf die Entscheidung der Fed: Der Dow-Jones-Index lag leicht im Plus, der S&P 500 legte um 0,7 Prozent zu. Die Renditen kurzlaufender US-Anleihen legten nach der Entscheidung leicht zu.

Dem US-Dollar hat die Zinswende nur kurzzeitig Schub verliehen. Der Euro rutschte zunächst um etwa einen halben US-Cent ab, kostete kurz darauf aber mit 1,0937 Dollar wieder etwa so viel wie vor Bekanntgabe der Entscheidung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, konnte seine Gewinne ebenfalls nicht halten und rutschte ins Minus zurück.

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Der Chefvolkswirt der deutschen Förderbank KfW, Jörg Zeuner, hält die geldpolitische Zäsur in Washington für überfällig: "Wir sind auf dem Weg in die Normalität. Die US-Konjunktur läuft solide, der Arbeitsmarkt hat Vollbeschäftigung erreicht." Die Nullzins-Politik war eine Reaktion auf die Finanzkrise. Damit trug die Zentralbank dazu bei, dass sich die Wirtschaft erholt hat. Auch die Aktienmärkte profitierten davon.

In ihren aktuellen Prognosen veranschlagen die Währungshüter im Mittel einen Zinssatz von 1,375 Prozent für Ende 2016. Im September hatten sie denselben Wert angepeilt. Auch damals hatten viele Experten bereits mit einer Zinserhöhung gerechnet: Die Fed wagte den Schritt nach dem Börsenbeben in China jedoch nicht.

Einen Kommentar zur Entscheidung der US-Notenbank lesen Sie hier.

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