US-Notenbank Rückenwind aus China für die Zinswende in den USA

Positive Konjunkturdaten aus China machen eine Zinserhöhung der Fed am Mittwoch immer wahrscheinlicher. Die Märkte reagieren bereits, allerdings unterschiedlich.

Asiens Börsen geben vor der möglichen Zinswende nach Quelle: dpa

An den Finanzmärkten wird es zunehmend spannend. Erhöht die US-Notenbank am Mittwoch erstmals seit zehn Jahren den Leitzins? Einiges spricht dafür, unter anderem gute Konjunkturdaten aus China. Diese haben dem deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn zunächst auf die Sprünge geholfen. Die Industrie in der Volksrepublik produzierte im November mehr als erwartet und auch im Einzelhandel lief es wieder besser.

Experten rechnen allerdings nicht mit einer größeren Erholungsbewegung an den europäischen Aktienmärkten, die zuletzt unter der Talfahrt der Ölpreise und der deutlichen Abwertung der chinesischen Landeswährung Yuan gelitten hatten. Viele Investoren fürchten eine schwächelnde Weltkonjunktur. Auch der Dax gab seine Gewinne am Nachmittag wieder ab, vor dem Zinsentscheid der Fed am Mittwoch erwarten Analysten keine großen Sprünge.

Was Analysten für das Anlagejahr 2016 erwarten
Deutsche Bank Quelle: REUTERS
Deka BankDie Fondsspezialisten der Sparkassen erwarten, dass der Goldpreis im kommenden Jahr deutlich unter die kritische Marke von 1000 Dollar fallen wird. S&P 500: 2000 Punkte Nikkei: 17000 Punkte Gold: 960 Dollar Öl: 57 Dollar Euro/Dollar: 1 Dollar Bundesanleihen 10 Jahre: 1 Prozent US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,9 Prozent Quelle: dpa
PostbankIm Gegensatz zur Deka Bank ist die Postbank beim Goldpreis etwas optimistischer. Ein möglicher Impuls kommt von der Schmucknachfrage, da die Konjunktur in Indien zuletzt deutlich besser lief als erwartet. S&P 500: 2250 Punkte Nikkei: 21750 Punkte Gold: 1100 Dollar Öl: 57 Dollar Euro/Dollar: 1 Dollar Bundesanleihen Rendite 10 Jahre: 1,0 Prozent US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,75 Prozent Quelle: dpa
Berenberg BankDeutschlands älteste Privatbank ist im Vergleich zur Konkurrenz vergleichsweise optimistisch, was den Euro angeht. S&P 500: 2200 Punkte Gold: 1150 Dollar Öl: 55 Dollar Euro/Dollar: 1,15 Dollar Bundesanleihen 10 Jahre Rendite: 1,1 Prozent US-Treasury Rendite 10 Jahre: 2,8 Prozent Quelle: obs
SantanderS&P 500: 2250 Punkte Gold: 1050 Dollar Öl: 55 Dollar Euro/Dollar: 1 Dollar Bundesanleihen Rendite 10-jährige: 0,9 Prozent US-Treasury Rendite 10-jährige: 2,75 Prozent Quelle: AP
Credit Suisse Quelle: REUTERS
Commerzbank Quelle: dpa

Viele werten die positiven Daten aus China als ein Signal dafür, dass die Zinserhöhung nun tatsächlich vollzogen wird. Zuletzt hatte die Fed noch einen Rückzieher gemacht, mit Verweis auf die schlechte Lage der Schwellenländer. "Die US-Notenbank wird sich durchaus bewusst sein, dass sie ein Risiko eingeht, die Leitzinsen in diese Marktschwäche hinein anzuheben. Sie könnte den Zinsschritt aber auch gerade deshalb demonstrativ durchführen, um ein Zeichen zu setzen, das sie sich nicht von den Spekulanten an den Märkten beeinflussen lässt", schrieb Jochen Stanzl, Analyst beim Brokerhaus CMC Markets in einer Kurzstudie.

Unsicherheit in den Schwellenländern

“Nach dem jüngsten, klar positiv ausgefallenen US- Arbeitsmarktbericht stehen die Zeichen in Washington endgültig auf ’Lift-Off’, womit sieben Jahre Nullzinspolitik zu Ende gingen”, schrieb Analyst Berndt Fernow von der LBBW in einem Kommentar. Die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung liegt derzeit bei 74 Prozent. Nach der Enttäuschung bei der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank, die mit ihren Maßnahmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben war und damit die Märkte belastet hatte, dominiert Vorsicht. Offen bleibt, wie die US-Notenbank bei weiteren Anhebungen vorgehen wird.

Während die europäischen Märkte verhalten in die Woche der Zinswende starten, gaben die Kurse in den Schwellenländern deutlich nach. Auch die Währungen in Russland, Brasilien und Indien gaben deutlich nach. Lediglich der südafrikanische Rand wertete auf, nachdem Präsident Zuma zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage seinen Finanzminister austauschte.

Schon seit langem werten die Währungen der Schwellenländer angesichts der Zinswende ab, Investoren ziehen ihr Kapital ab und legen es statt dessen wieder in Dollar an. Zusätzlich belastete der fallende Ölpreis die Märkte in Asien.

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Auch zu Wochenbeginn zeichnete sich keine Gegenbewegung ab. Brent markierte mit 37,27 Dollar je Fass ein frisches Sieben-Jahres-Tief, weil ein Ende der Ölschwemme aus Sicht vieler Anleger nicht in Sicht ist. Die chinesische Landeswährung blieb ebenfalls unter Abwertungsdruck. Ein Dollar kletterte auf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch von 6,4665 Yuan. Der Yuan ist nicht frei handelbar, sondern darf einen von der Notenbank täglich vorgegebenen Kurs nur in einer bestimmten Spanne über- oder unterschreiten.


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