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US-Strafzölle Was Anleger nach dem Trump-Schock wissen müssen

Die angedrohten US-Strafzölle auf chinesische Importe verunsichern Investoren. Antworten auf fünf zentrale Fragen von Anlegern.

Die Gefahr eines Handelskriegs zwischen den USA und China macht den Börsen zu schaffen. Quelle: Imago

Frankfurt Folgt auf Trumps angedrohte Strafzölle auf chinesische Importe nun ein Handelskrieg? Der Einbruch an den Börsen zeigt, dass Investoren dies zumindest befürchten. Der Dax sackte am Freitag in der Spitze um 2,3 Prozent auf bis zu 11.825 Punkte ab – und damit auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr.

Bereits am Mittwoch hatte der Leitindex 1,7 Prozent eingebüßt. Auch an der Wall Street und in Asien brachen die Kurse ein. Das Handelsblatt beantwortet die fünf wichtigsten Fragen für Anleger.

Was genau ist eigentlich passiert?

US-Präsident Donald Trump verschärfte am Donnerstag die Gangart gegenüber China massiv. Der Präsident unterzeichnete ein Dekret, wonach Importe aus China mit Zöllen von 60 Milliarden Dollar jährlich belegt werden. Die Importzölle sollen in 30 Tagen in Kraft treten.

Die chinesische Regierung reagierte darauf mit der Ankündigung, Zölle auf US-Produkte im Wert von drei Milliarden Dollar vorzubereiten. Das ist noch recht moderat, doch Chinas Handelsministerium erklärte: „China hofft nicht auf einen Handelskrieg, hat aber auch keine Angst davor.“

Die angedrohten US-Strafzölle gegen die EU von 25 Prozent auf Stahl- und zehn Prozent auf Aluminiumprodukte bleiben zwar zunächst aus. Doch das gilt nur vorläufig bis zum 1. Mai. Es wird sich zeigen, ob es tatsächlich dabei bleibt.

Trump jedenfalls erhöht den Verhandlungsdruck auf die EU. Dazu kommt: „Wenn sich der Konflikt zwischen den USA und China hochschaukelt, ist davon auch Europa indirekt betroffen, weil die USA und China die wichtigsten Handelspartner für die EU sind“, meint Uwe Streich, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Warum reagieren die Börsen jetzt so heftig?

„Das Risiko eines ‚wirklichen‘ Handelskriegs zwischen den USA und China ist gestiegen“, sagt Streich. Gerhard Schwarz, Aktienstratege bei der Baader Bank, meint dazu: „Dabei schwebte der Handelskrieg schon länger wie eine Art Damoklesschwert über den Märkten, jetzt wird die Gefahr aber konkreter.“ In den vergangenen Jahrzehnten hätte die Weltwirtschaft schließlich von der Deregulierung profitiert, jetzt bestehe die Gefahr, dass Zölle und andere Handelshemmnisse das Wachstum empfindlich bremsen.

Dazu kommt: Die Sorgen treffen die Börsen zur Unzeit. Zu Beginn des Jahres war der Optimismus noch sehr groß, der Internationale Währungsfonds zum Beispiel erhöhte seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft auf 3,9 Prozent – unter anderem wegen der positiven Auswirkungen der US-Steuerreform auf die amerikanische Wirtschaft.

Im Februar ließen dann aber die Ängste vor einer steigenden US-Inflation und vor stärker als erwarteten US-Zinserhöhungen die Börsen heftig absacken. Diese Sorgen haben sich zuletzt ein wenig gelegt – dennoch kommt mit der Gefahr eines Handelskriegs jetzt der nächste Schlag für die ohnehin schon wackliger gewordenen Märkte.

Sehen wir jetzt den Startschuss für eine weitere Verluststrecke bei Aktien?

„Die Korrekturphase am Aktienmarkt hat ja schon im Februar begonnen und setzt sich aktuell fort“, sagt dazu Schwarz von der Baader Bank. Dafür spricht für ihn auch, dass Frühindikatoren wie zum Beispiel die Ifo-Geschäftserwartungen und der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in der Euro-Zone zuletzt deutlich gesunken sind.

Die Korrektur an sich komme jedoch nicht unerwartet. „Es bestätigt sich damit lediglich, dass sich Anleger auf höhere Schwankungen an den Börsen einstellen müssen“, meint Schwarz.

Für Streich von der LBBW kommt es jetzt darauf an, ob die Gewinnerwartungen für die Unternehmen sinken. Noch sei dies nicht der Fall und die Verluste an den Börsen hält er deshalb eher für „psychologisch bedingt“. Der Experte befürchtet aber, dass sich die hohen Gewinnprognosen nicht halten lassen. Dies würde dann zusätzliche Rückschläge für die Börsen bedeuten.

Sollen Anleger Aktien jetzt verkaufen?

Risikoscheue Anleger, die keine größeren Schwankungen an den Märkten aushalten können, sollten laut Schwarz von der Baader Bank über Gewinnmitnahmen nachdenken. Dabei sollten sie aber „nicht blind“ Aktien verkaufen, sondern eher eine Stabilisierung und höhere Kurse zum teilweisen Ausstieg nutzen. Laut Streich sollten vor allem die Anleger Gewinne mitnehmen, die davon ausgehen, dass der Handelsstreit die Gewinne der Unternehmen deutlich belasten wird.

Tobias Basse, Aktienstratege bei der NordLB, meint hingegen, dass Investoren Gefahr laufen, die Lage zu negativ einzuschätzen und positive Nachrichten an den Märkten derzeit ignoriert werden. So habe sich China schließlich für eine eher moderate Antwort auf die US-Strafzölle entschieden. Daher dürften Aktienmärkte wie der Dax laut Basse im Jahresverlauf wieder deutlich über das derzeitige Niveau steigen.

Bieten sich jetzt Bundesanleihen als sicherer Anlagehafen an?

Leider nicht. Als Einzelinvestments zur Absicherung des Portfolios bringen Staatspapiere wie Bundesanleihen nichts. Mit dem neuen Einbruch der Aktienmärkte sind Anleihen zwar wieder gefragter, weil Anleger davon ausgehen, dass sie dort zumindest ihr angelegtes Geld am Ende der Laufzeit komplett zurückbekommen. Allerdings sind die Kursgewinne bei Anleihen nur gering und können die Verluste der Aktien nicht ausgleichen.

So ist beispielsweise der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe seit Mittwoch um gerade mal um 0,6 Prozent gestiegen. Und Anleger, die jetzt kaufen und die zehnjährige Bundesanleihe bis zur Fälligkeit halten, bekommen dafür eine jährliche Rendite von lediglich 0,54 Prozent. Klar ist: Das lohnt sich nicht.

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