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US-Währung Dollar-Kurs verhagelt zahlreichen Konzernen die Bilanz

Der Dollar hat wieder kräftig zugelegt. Doch der schwache Kurs der vergangenen Monate hat bei zahlreichen Konzernen Belastungen hinterlassen.

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Die US-Währung erlebt gerade erst ihr Comeback. Quelle: Reuters

London, Düsseldorf Ein Schreckgespenst geht um in deutschen Chefetagen: Der über Monate schwache Dollar-Kurs hat zahlreichen Konzernen im ersten Quartal die Bilanz verhagelt. Teils mussten die Finanzvorstände sogar ihre Jahresprognosen zusammenstreichen. Besonders betroffen sind Konzerne, die stark auf den Export setzen oder von der Konjunktur abhängen.

Produzieren sie in den USA, kommen noch steigende Kosten für Rohstoffe hinzu. Lanxess-Chef Matthias Zachert brachte es auf den Punkt: „Die deutsche Industrie hat sehr klar Spuren durch den schwachen US-Dollar gezeigt.“

Zwar ändert sich der Trend gerade schon wieder: In den vergangenen Wochen feierte der Greenback an den Devisenmärkten ein Comeback, was auch der US-Notenbank Fed geschuldet ist, die derzeit als einzige große Notenbank die Zinsen anhebt. Betrachtet man aber nur den Zeitraum, über den die Unternehmen derzeit berichten, sieht die Lage anders aus: Vom ersten Quartal 2017 bis Ende März 2018 hatte der Euro um 16 Prozent gegenüber dem Dollar zugelegt.

Grund war ein neu erwachtes Vertrauen in die europäische Wirtschaft. Die Konsequenz: Hiesige Konzerne, die Zahlen für das erste Quartal vorlegten, sahen ihre in Dollar erzielten Umsätze rechnerisch um rund ein Sechstel schrumpfen.

Am Ende konnten nur 22 Prozent der Unternehmen im europäischen Index Stoxx 600 im Auftaktquartal die Umsatz-Erwartungen von Analysten übertreffen, wie aus Daten von Thomson Reuters hervorgeht. Dagegen ist das mehr als 70 Prozent der Unternehmen im amerikanischen S&P 500 gelungen. Denn ein schwacher Dollar verbessert umgekehrt die Wettbewerbschancen der US-Unternehmen auf dem Weltmarkt.

Diesseits des Atlantiks liest sich die Liste der vom Währungseffekt gebeutelten Großkonzerne wie ein „Who is Who“ der deutschen und europäischen Wirtschaft: Daimler, Renault, Sanofi oder Bayer. Sie alle beklagten Auswirkungen, Bayer musste sogar seine Prognosen für Umsatz und bereinigten Betriebsgewinn zusammenstreichen.

Analysten gehen aber davon aus, dass das Schlimmste überstanden ist. Denn den heftigsten Gegenwind vom starken Euro habe es zwischen Januar und März gegeben. „Im zweiten Halbjahr sollten sich positive Überraschungen bei den Umsätzen von den USA auf die Euro-Zone verschieben“, sind sich die Marktexperten der Großbank JP Morgan sicher.

Finanzvorstände und Treasurer können die Auswirkungen von Währungsschwankungen mit Hilfe von Absicherungsgeschäften - im Fachjargon „Hedging“ – begrenzen und sich damit ein wenig mehr Planungssicherheit verschaffen. Das Angebot der Banken an Derivate-Konstruktionen ist groß. Doch ob „Kick Intro Forward“, „Range Reset Forward“, einfacher Forward, einfacher Swap oder „Risk Reversal“ – gemeinsam ist allen: Wunder darf man nicht erwarten.

Denn zum einen wirkt der Absicherungseffekt nicht für alle Ewigkeit, sondern in der Regel zunächst für einen Zeitraum von maximal einem Jahr. Zum anderen sind massive Schwankungen von Währungen, wie sie zum Beispiel im Zuge kriegerischer Ereignisse, politischer Umstürze oder Katastrophen auftreten können, meist nur zum Teil oder überhaupt nicht abgesichert. Die Kunden müssen häufig ein „Worst-Case-Szenario“ mit ihrer Bank vereinbaren. Schwankt die abgesicherte Währung dann stärker als prognostiziert, dann hilft das wenig.

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