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Varta, Voltabox & Co. Anlagenotstand an der Börse

Mit fulminanten Börsengängen kommt das IPO-Jahr immerhin zu einem versöhnlichen Abschluss. Insgesamt aber bleibt das Angebot frischer Aktien für Anleger dürftig.

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Quelle: dpa

Mit dem Mikrobatteriehersteller Varta und dem Autobatteriespezialisten Voltabox gab es im Oktober gleich zwei Börsengänge von Unternehmen mit auch im wörtlichen Sinn spannenden Geschäftsmodellen. Varta, vom Techinvestor Michael Tojner an die Börse gebracht, konnte seine Anteile am obersten Ende der Zeichnungsspanne von 17,50 je Aktie verkaufen und die Bücher sogar noch vor Ende der Zeichnungsfrist schließen. Die Erstnotiz am Donnerstag zu Kursen von 24 und später 20 Euro bescherte Anlegern und Investoren deutliche Zeichnungsgewinne.

Auch die Aktien des Autobatterieexperten Voltabox notieren aktuell mit 40 Prozent deutlich über ihrer Erstnotiz. Das Unternehmen dürfte vom politisch forcierten Ausbau der Elektromobilität profitieren. Vorsicht: Bei Varta ist das nicht zu erwarten, auch wenn man das bei flüchtigem Hinschauen vermuten könnte. Doch das Unternehmen hat nichts mit Antriebsbatterien zu tun, auch das alte Geschäft mit Starterbatterien für Autos ist längst abgespalten.

Varta setzt mit seinen Minibatterien für Hörgeräte und schnurlose Kopfhörer stattdessen auf den Trend zur alternden Bevölkerung und den Boom digitaler Kommunikation und Unterhaltung. Das kann durchaus Erfolg versprechen.

Als fulminant konnte man auch den Börsenstart des Maschinenbauers Aumann bezeichnen, der seine Aktien schon im März unters Volk gebracht hatte. Mitte Oktober standen die Kurse 117 Prozent über dem Tag der Erstnotiz. Am Donnerstag jedoch der Schock: Nach einer Kürzung der Gewinnprognose krachte die Aktie um 14 Prozent ein. Wer seit dem Börsengang dabei ist, liegt allerdings immer noch komfortabel im Plus.

Bisher gab es neun Börsengänge auf dem Frankfurter Parkett, drei davon im neu gegründeten Marktsegment Scale, das die Deutsche Börse extra für junge und wachstumsstarke Unternehmen eingerichtet hat. Bei diesen IPOs platzierten die Emittenten insgesamt 1,8 Milliarden Euro Kapital bei Anlegern und Investoren. Das sieht nach einer stolzen Summe aus, ist aber gemessen an den hunderten Milliarden Spargelder, die angesichts niedriger Zinsen Anlagemöglichkeiten suchen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wobei der Varta-Börsengang schon im vergangenen Jahr über die Bühne hätte gehen sollen. Damals machten die Trump-Wirren einen Strich durch die Rechnung. Im Fall Varta werden die Investments also lediglich nachgeholt.

Rund die Hälfte des gesamten Platzierungsvolumens entfällt auf das Dickschiff Delivery Hero. Die Plattform für digitale Essenslieferungen hatte im Juli 995 Millionen Euro an der Börse eingesammelt. Auch hier konnten sich Aktionäre bisher an satten Gewinnen erfreuen. Es ist der bisher einzige echte Groß-IPO des deutschen Börsenjahrs, da sich die Deutsche Bank und Siemens mit der Abspaltung der Vermögensverwaltung und der Gesundheitssparte wohl noch bis zum nächsten Jahr Zeit lassen werden.

Und das separate Listing des Lebensmittelhandels der Metro im Juli brachte kein frisches Kapital an die Börse, weil es sich bei dieser Transaktion lediglich um eine Aufspaltung eines bereits börsennotierten Unternehmens handelte.

War es das für 2017? Nein, immerhin drängen aktuell noch weitere Unternehmen an die Börse, etwa das Recyclingunternehmen Befesa, das laut einer Ankündigung von Anfang Oktober üppige 800 Millionen Euro Platzierungsvolumen auf die Waage bringen könnte. Auch der Essenslieferdienst Hellofresh wird es wohl noch in diesem Jahr versuchen.

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