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Verbesserte Kreditwürdigkeit Besseres Zeugnis für Griechenland

Wenn es nach der Ratingagentur Standard & Poor's ginge, könnte Griechenland ihre siebenjährige Rezession im nächsten Jahr schon für beendet erklären. Ein vielversprechender Ausblick.

Ein Mann sitzt auf einer Bank und schaut auf die Innenstadt von Athen. Quelle: dpa

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands dank verbesserter Wachstumsaussichten um eine Stufe angehoben. Die Bonitätsnote verbessere sich von „B-“ auf „B“, teilte S&P am Freitag in London mit. Zunächst erwarte man keine weitere Änderung der Bonitätsnote. Der Ausblick für das Rating sei stabil. Nach sieben Jahren mit einer schrumpfenden Wirtschaft, dürfte das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr wieder zulegen, so S&P. Dies erleichtere auch die Sanierung des Staatshaushalts.

Als Grund für das bessere Zeugnis nannte die Agentur Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung des schuldengeplagten Euro-Landes. Der Ausblick sei stabil. Im nächsten Jahr dürfte Griechenlands Wirtschaft ihre siebenjährige Rezession beenden, sagten die Experten voraus. Das südeuropäische Land war 2010 und 2012 mit Milliardenhilfen von seinen Euro-Partnern und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) vor dem finanziellen Kollaps gerettet worden.

Das Steuerchaos bei den Immobilien in Griechenland macht sich nun auch im Staatshaushalt des Euro-Krisenlandes bemerkbar. Das Athener Finanzministerium wies am Freitag für den Zeitraum von Januar bis August einen Primärüberschuss von 1,951 Milliarden Euro aus. Diese Größe blendet allerdings die hohen Zinslasten aus. Anfang September hatte das Ministerium für die ersten sieben Monate noch einen Überschuss von 3,2 Milliarden Euro verkündet. Hintergrund sind Fehler der Finanzverwaltung bei der Neuberechnung von Immobilienwerten, die sich nun auswirkten. Für das Gesamtjahr wird weiter ein Überschuss erwartet.
Ein ausgeglichener Haushalt unter Berücksichtigung des Schuldendienstes ist aber noch in weiter Ferne. Der Primärüberschuss ist dennoch wichtig, weil er anzeigt, wie gut Athen bei seinen Sparbemühungen vorankommt. Die Eurogruppe hatte Griechenland bei einem Primärüberschuss Erleichterungen bei den Konditionen der gewährten Kredite in Aussicht gestellt. Beratungen dazu werden im Herbst erwartet.
Im Kampf gegen die hohe Verbindlichkeiten hat Athen mit einer Tauschaktion von Wertpapieren insgesamt 1,62 Milliarden Euro an Schulden gestreckt. Dabei wurden Papiere mit einer nur drei bis sechsmonatigen Laufzeit gegen neue Staatsanleihen mit einer längeren Laufzeit von drei bis fünf Jahren getauscht, wie das Finanzministerium am Freitag weiter mitteilte. Mit der Aktion wollte Athen von den deutlich gesunkenen Zinsen für langfristige Anleihen profitieren und Vertrauen an den Märkten zurückgewinnen.

Griechenland hat mit einer Tauschaktion von Wertpapieren insgesamt 1,62 Milliarden Euro an Schulden gestreckt. Dabei wurden Papiere mit einer nur drei bis sechsmonatigen Laufzeit gegen neue Staatsanleihen mit einer längeren Laufzeit von drei bis fünf Jahren getauscht, wie das Finanzministerium am Freitag mitteilte.
Käufer, die bislang mit Zinsen von rund zwei und drei Prozent rechneten, sollen mit den neuen Papieren 3,375 Prozent Zinsen (für Papiere mit dreijähriger Laufzeit bis 2017) und 4,75 Prozent (für Titel mit Laufzeit bis 2019) bekommen.

"Einen zweiten Schuldenschnitt für Athen wird es nicht geben"
Angesichts der anhaltenden Krise in Griechenland wird derzeit über erneute Schuldenerleichterungen für Athen diskutiert. Von einem Schuldenschnitt aber will die Regierung nichts wissen. So betont Wolfgang Schäuble (CDU) betont: "Fest steht: Einen zweiten Schuldenschnitt für Athen wird es nicht geben." Glaubhaft? Quelle: dpa
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder hat noch am 11. August einen Schuldenschnitt für das hochverschuldete Griechenland ausgeschlossen. "Wenn man Griechenland Schulden erlässt, stehen demnächst andere Länder auf der Matte und wollen auch einen Schuldenschnitt. Damit wären einige Länder Schulden los, andere müssten welche machen, weil sie ihr Geld nicht zurückbekommen. Außerdem lässt die Aussicht auf einen Schuldenschnitt die Reformbemühungen erlahmen. Das kann niemand wollen", sagte Kauder der "Bild-Zeitung". Quelle: dpa
Kanzlerin Angela Merkel sagte noch im Juli: "Griechenland ist dank der sehr reform- orientierten Regierung Samaras vorangekommen. Ich gehe davon aus, dass die Schuldentragfähigkeit auch weiterhin gegeben ist." Quelle: dpa
Mindestens genauso überzeugt zeigt sich der SPD-Herausforderer Peer Steinbrück (SPD), der wahlkampfkonform einem zweiten Schuldenschnitt für Griechenland ablehnt. "Die Folge wäre, dass es eine sehr starke Zurückhaltung geben würde, überhaupt noch in Staatsanleihen zu investieren," sagte Steinbrück. Quelle: Reuters
Rainer Brüderle, Fraktionschef der FDP-Bundestagsfraktion, hielt einen erneuten Schuldenschnitt zwar für denkbar - allerdings erst in drei Jahren: "Ein Schuldenschnitt ist nur längerfristig und nach dem Erreichen des Primärüberschusses vorstellbar. Das ist meiner Ansicht nach frühestens 2016 möglich", sagte er im November 2012. Quelle: Reuters
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte Anfang August: "Für einen Schuldenschnitt sehe ich keine Notwendigkeit. Ein solcher Schritt würde das gerade neu gewonnene Vertrauen in die Eurozone erschüttern und den Reformdruck von den Krisenländern nehmen." Quelle: dpa


Wie die Behörde weiter mitteilte, wurden Papiere mit einer Laufzeit von drei Jahren in Höhe von rund 589 Millionen Euro ausgetauscht. Die Papiere mit einer fünfjährigen Laufzeit erreichten 1,03 Milliarden Euro, hieß es. Mit der Aktion wollte Athen von den deutlich gesunkenen Zinsen für langfristige Anleihen profitieren und Vertrauen an den Märkten zurückgewinnen.
Griechenland hatte sich erstmals seit Ausbruch der Schuldenkrise im April und danach wieder im Juli Kapital auf dem Finanzmarkt besorgt. Im Juli sammelte das schuldengeplagte Land 1,5 Milliarden Euro mit einer dreijährigen Laufzeit und im April drei Milliarden Euro für eine fünfjährige Laufzeit ein. Die griechische Regierung plane einen neuen Anlauf mit siebenjährigen Wertpapieren im Herbst, hieß es aus gut informierten Kreisen des Finanzministeriums.

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