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Verfahren wegen Marktmanipulation Börsenguru Frick: Bargeld kam per Kurier

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"Es liegt uns fern, Aktien zu pushen"

Wiens klärt an diesem letzten Tag im Januar zunächst die Formalien. Zwei Herren hätten von ihrem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Die müsse man nun wohl nicht laden. Fragend blick er in den Raum. Alle scheinen einverstanden zu sein.

Dann, endlich: Auftritt Mischa H. Er nimmt neben seiner Anwältin Platz im Zeugenstand. Der Richter klärt ihn darüber auf, dass er von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen dürfe. Sprich: Er muss sich nicht selber belasten. „Ich möchte Angaben machen und Fragen beantworten“, sagt der Mann mit fester Stimme. Und Frick dreht die Augen zur Decke.  

Mischa H. gibt als Beruf „Bachelor“ an, er habe Wirtschaft studiert, wohne in Königstein. Auf der Internetseite seiner Firma war früher zu lesen, dass er 2008 eine Kapitalmarktberatung gegründet hat, heute ist sein Lebenslauf samt Foto dort nicht mehr zu finden. Als Dienstleistung gibt Mischa H. im Internet nur noch „Börsengänge“ an. Er ist einer, jedenfalls, der sich auskennt, mit Aktien. 

Richter Wiens sagt es gehe um drei Aktien: Venatus, LetsBuyIt und Autev. Er wolle wissen, inwieweit Mischa H. Kenntnis davon habe, in wessen Interesse die Bewerbung der Aktien erfolgt sei und welches Entgelt geflossen sei. Er sei durch die Renell Bank auf LetsBuyIt aufmerksam geworden, sagt der Mann. „Renell hat mich darauf angesprochen, ob es eine Empfehlung zu der Aktie geben kann“, sagt H. Renell teilte der Redaktion auf Anfrage mit, dass es der Bank fernliege, Aktien zu empfehlen, geschweige denn, diese zu „pushen“. In der Vergangenheit hatte die Bank besonders viele Aktien ins First Quotation Board an die Deutsche Börse gebracht. Das Marktsegment war der am wenigsten regulierte Bereich der Börse. Hier nahm die Börse ohne bürokratischen Aufwand und lästige Vorschriften über Geschäftsberichte oder Wertpapierprospekte mehrere Hundert Aktien  von Unternehmen auf, die sonst nirgendwo notiert waren. Insider gingen davon aus, dass bei rund einem Drittel schon mal manipuliert worden sei. Nach immensem Druck von außen hat die Börse das Board schließlich dichtgemacht.  

Spektakuläre Urteile gegen Anlagebetrüger

50 Prozent Provision

Im Gerichtssaal ist es nun mucksmäuschenstill. Er habe einen Israeli kennengelernt, sagt Mischa H, und der habe „großes Interesse“ an Werbung für die Aktie gehabt. Offenbar sei der Mann ein Kunde von Renell gewesen. Jedenfalls habe der Israeli mehrere Millionen Aktien selber besessen. Bei einem bestimmten Kurs sollte der Zeuge pro verkaufter Aktie eine Beteiligung bekommen, falls der Kurs höher steige, wären es zehn Cent mehr. So richtig sicher, wie viel Provision vereinbart gewesen ist, ist er sich nicht mehr. „48 oder 50 Prozent, von dem, was verkauft wurde“, sagt der Mann. 20 Prozent sollte er extra bekommen, für die Kontakte zu Frick und den anderen Jungs. Er spricht schnell, erzählt wild durcheinander. Jedenfalls sollten gut zwei Millionen Euro ausgezahlt werden.

Eine Woche nach Beginn der Werbeaktion in den Börsenbriefen habe der Israeli dann per Kurier die ersten 500.000 Euro in bar nach Frankfurt bringen lassen. Das Geld soll per Auto aus der Schweiz gekommen sein. Mehrere zehntausend Euro habe er einbehalten, damit den Fahrer bezahlt und einen anderen Herrn. Nicht zuletzt entlohnte er auch sich selbst, zum Beispiel dafür, dass er Frick und Konsorten zuvor mehrere tausend Email-Adressen besorgt hatte. Aus 250.000 Adressen sollen mehr als 3000 Abonnenten für einen Börsenbrief geworden sein.

„Den Rest des Geldes habe ich dann nach Sinsheim zu Frick gebracht“, sagt er   nüchtern. Frick hatte bereits am zweiten Prozesstag gestanden, insgesamt 1,9 Millionen Euro in bar angenommen zu haben. „Ich habe in diesem Moment nicht wiederstehen können. Die Folgen dieses Fehlers belasten meine Familie und mich schwer“, sagte der Vater zweier Kinder Anfang November vor Gericht. Es war damals das erste Mal, dass Frick zu den Vorwürfen gegen ihn ausgesagt hat. Am 23. Dezember, als die Öffentlichkeit dem Prozess weitgehend fernblieb und mit Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt war, soll Frick dann weitergehend geständig gewesen sein, heißt es aus der Staatsanwaltschaft.

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