WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Verfahren wegen Marktmanipulation Börsenguru Frick: Bargeld kam per Kurier

Seite 3/3

Fricks Strafverteidiger wartet draußen

Heute will der Richter von Mischa H. wissen, ob Frick Bescheid gewusst habe. Der Angeklagte legt seine Hände übereinander. Der Zeuge fährt fort: „Über die Verkäufe wusste er Bescheid, das ist besprochen worden, er wusste auch, dass die Aktie steigen sollte.“ Frick starrt im Raum umher, legt seine Hand auf den Mund, wischt sich übers Auge. Sein Strafverteidiger Daniel Krause, der schon im Berliner Prozess wegen Marktmanipulation eine Bewährungsstrafe für Frick herausgeschlagen hatte, kann ihm jetzt nicht helfen. Denn Krause hat vor der Tür platzgenommen. Offenbar fürchtet er einen Interessenkonflikt, schließlich hat er den Zeugen, der da gerade auspackt, schon in einem anderen Verfahren vertreten.   

Abgesprochen war offenbar vieles: Wie lange die Werbung für jede Aktie dauern sollte, über welchen Börsenbrief sie gepusht werden sollte, dass Venatus erst „ganz schnell auf vier Euro steigen“ sollte und ab dann zwischen drei und fünf Prozent am Tag. Die Verkäufer hatten bereits zu Beginn der Aktion ihre Verkaufslimits an der Börse platziert, offenbar steuerten sie auch, dass nicht zu schnell zu viel verkauft wurde – schließlich sollte der Kurs ja weiter steigen. Dummerweise kam einmal etwas dazwischen. Eine andere empfohlene Aktie wurde vom Handel ausgesetzt, Abonnenten bekamen Panik, dass  auch Venatus nicht mehr handelbar sein könnte. Also verkauften sie die Aktie unplanmäßig massenweise, der Kurs sank entgegen der schönen Planung von Frick und Konsorten.

Über ein Jahr in Untersuchungshaft

Frick sitzt nun seit Anfang 2013 in Untersuchungshaft. Die nächsten Termine in dem öffentlichen Prozess sollen am 4., 11., 17., und 25. Februar stattfinden. Der Tatverdacht der Marktmanipulation dürfte mittlerweile schwer auszuräumen sein. Ob die Staatsanwaltschaft jedoch den Verdacht auf versuchten oder gar vollendeten bandenmäßigen Betrug belegen kann, ist noch unsicher. Die Hürde, einen Bürger wegen Betrug zu verurteilen, liegt extrem hoch. Für Marktmanipulation gibt es pro Einzelfall theoretisch bis zu fünf Jahre Haft.

Börse



Frick ist vorbestraft: Das Landgericht Berlin hatte ihn 2011 wegen Marktmanipulation in 36 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig. Das Gericht hatte damals mehr als 42,6 Millionen Euro zugunsten der Staatskasse für verfallen erklärt. Dem Berliner Landgericht zufolge hatte Frick zwischen September 2005 und Juni 2007 in Börsenbriefen Aktien empfohlen, ohne seine eigenen wirtschaftlichen Interessen an der Kursentwicklung der Wertpapiere offenzulegen.

„Spätestens Ende Februar soll in Frankfurt ein Urteil gesprochen werden“, sagte Oberstaatsanwalt Philipp Zmyj-Köbel der WirtschaftsWoche jetzt am Rande des Prozesses. Für Verteidiger Krause jedenfalls dürfte es schwer werden, dass Frick im Falle einer Verurteilung erneut mit einer Bewährungsstrafe davonkommt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%