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Verkehrte (Finanz)Welt

Darum erhalten Unternehmen jetzt sogar Geld fürs Kreditaufnehmen

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Der Ursprung liegt im CSPP

Seit Juni 2016 kauft die EZB im Rahmen des Corporate Sector Purchase Programme (CSPP) Anleihen von Unternehmen im Euroraum. „Das CSPP soll das Durchwirken der Wertpapierkäufe des Eurosystems auf die Finanzierungsbedingungen in der Realwirtschaft weiter verstärken“, teilte die EZB mit.

Durch den gezielten Kauf von Anleihen wirkte die Zentralbank unterstützend auf den Markt für Unternehmensanleihen ein und regte die Emissionstätigkeit an. Nachvollziehbar ist dieser Effekt anhand der Entwicklung von Anleihen bonitätsstarker Unternehmen aus dem realwirtschaftlichen Sektor des Euroraums.

Nachdem im Spätsommer 2019 die Wiederaufnahme der Nettokäufe unter dem CSPP bekanntgegeben wurde, sank der durchschnittliche Kreditrisikoaufschlag auf 0,61 Prozent. Zuvor hatte sich die Prämie am Jahresbeginn 2019 nach dem Auslaufen der Nettokäufe des ersten Ankaufprogramms auf 0,94 Prozent verteuert. Bei der Begebung einer Benchmark-Emission von einer Milliarde Euro spart sich ein Unternehmen somit durchschnittlich 3,3 Millionen Euro an Zinsaufwand pro Jahr. Investoren fordern kaum noch die in der Vergangenheit übliche Zinsprämie, die bei Begebung einer neuen Anleihe im Vergleich zu ausstehenden Anleihen bezahlt wurde. Ganz im Gegenteil, die Nachfrage ist so hoch, dass Anleger teilweise einen Abschlag akzeptieren.

Obwohl sich die EZB bei ihren Stützungskäufen auf Anleihen von Unternehmen aus dem Euroraum konzentriert, kamen Unternehmen aus Übersee ebenfalls zum Zuge. Auch sie nahmen aufgrund der attraktiven Finanzierungskonditionen Rekordsummen an frischen Finanzmitteln in der Gemeinschaftswährung auf. Allein US-Konzerne emittierten Euro-Anleihen im Wert von 41,1 Milliarden Euro.

Um ihre Kreditkosten weiter zu reduzieren, können Unternehmen außer von den niedrigen Kreditaufschlägen auch vom Trend zu grünen Anleihen profitieren. So fand eine Studie der Climate Bond Initiative heraus, dass fast zwei Drittel der als grün bezeichneten Anleihen zur Finanzierung nachhaltiger Projekte mindestens zu gleichen oder sogar günstigeren Zinskonditionen begeben wurden, als es bei herkömmlichen Anleihen der Fall war.

Auch in den kommenden Monaten werden Unternehmen das historisch günstige Umfeld nutzen, um sich zu finanzieren. Die Welle an neuen Anleihen wird voraussichtlich nicht nachlassen. Gleichzeitig werden Investoren sich in diesem Marktsegment zunehmend bei den langen Laufzeiten bedienen, um im Zeitalter der negativen Zinsen weiterhin Einkommen zu erwirtschaften. Einhergehend mit dem erweiterten Zeithorizont, steigen dabei jedoch Kapitalbindung und Risiko der Investition.

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