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Verkehrte (Finanz)welt

Nur Transparenz kann Anleger vor einem zweiten Wirecard schützen

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Mehr Transparenz der staatlichen Aufsichtsbehörden bei Wirecard

Selbst die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA hat angekündigt, das zweistufige deutsche Enforcement-Verfahren zu überprüfen. Der Anerkennungsvertrag der DPR wurde ad hoc zum 31. Dezember 2021 ordentlich gekündigt.

Die aufkommenden Forderungen nach einer Reform der BaFin nach dem Vorbild der US-Aufsichtsbehörde SEC verkennen signifikante Unterschiede zwischen dem amerikanischen und dem kontinentaleuropäischen Rechtssystem.

Dennoch kann die SEC als Vorbild dienen:
1. Das Enforcement-Verfahren zur Überprüfung der Rechnungslegung könnte zentral bei der BaFin angesiedelt werden, um Kooperationskosten zu senken sowie (interne) Prozesstransparenz zu fördern.
2. Die Transparenz des Enforcement-Verfahrens muss generell gestärkt werden. Es sollte nicht nur offengelegt werden, welche Unternehmen wann und wie oft geprüft wurden, sondern auch die Stellungnahmen der Aufsichtsbehörde und die Kommunikation mit dem zu prüfenden Unternehmen – ähnlich wie bei dem US-amerikanischen SEC-Filing-Review-Verfahren.

Die Kritik zur mangelnden Transparenz des Enforcement-Verfahrens kann im Übrigen auch auf die staatliche Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas – welche vermutlich nur aus politischen Gründen organisatorisch in das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und nicht bei der BaFin eingegliedert ist – und deren Aufsicht über Abschlussprüfer in Deutschland übertragen werden.

Letztlich ist die spektakuläre Insolvenz von Wirecard eine Chance für Deutschland und Europa. Es ist Zeit Regulierungen und Aufsichtsinstitutionen zu hinterfragen und zu reformieren. Es ist Zeit für mehr Transparenz.

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