Vermögensverwaltungs-Tochter Deutsche Bank bringt Börsengang von DWS auf den Weg

Die Türme der Deutschen Bank Quelle: REUTERS

Deutschlands größtes Geldhaus macht Ernst mit dem Börsengang seiner Fondstochter. Es dürfte eine der größten Aktienplatzierungen dieses Jahres werden - wohl in Konkurrenz mit einem anderen prominenten Kandidaten.

Der Börsengang der Deutsche-Bank-Tochter DWS geht in die heiße Phase. Der Schritt solle „im frühestmöglichen Zeitfenster erfolgen“, erklärte die Vermögensverwaltungssparte des Frankfurter Bankhauses am Montag. Nach einer derartigen Ankündigung dauert es üblicherweise vier Wochen bis zum Börsengang.

Damit würde die DWS wie erwartet noch vor Ostern aufs Parkett gehen. Es wäre eine der größten Aktienplatzierungen in Deutschland in diesem Jahr. Auch könnte sich DWS dann einen Wettlauf um Investoren liefern. Denn auch die Medizintechnik-Tochter von Siemens, Healthineers, hatte kürzlich ihre Börsenpläne offiziell gemacht. Geplant sind jeweils Milliarden-Einnahmen.

Die DWS gehört zu den fünf größten Vermögensverwaltern in Europa. Die Sparte, die bis vor kurzem noch Deutsche Asset Management hieß, ist traditionell ein stabiler Gewinnbringer der Deutschen Bank. Sie verwaltet Vermögen von rund 700 Milliarden Euro und verdiente im vergangenen Jahr vor Steuern 725 Millionen Euro.

Die künftigen Aktionäre - und auch die Deutsche Bank selbst - sollen am geschäftlichen Abschneiden durch hohe Dividenden teilhaben. Der Plan ist, 65 bis 75 Prozent des Nettoergebnisses auszuschütten.

Wenn der DWS-Börsengang zeitnah klappt, hätte Deutsche-Bank-Chef John Cryan auf der Hauptversammlung im Mai einen greifbaren Erfolg seines Konzernumbaus vorzuweisen, mit dem er das verlustreiche Geldhaus wieder auf Vordermann bringen will. Zwei andere Baustellen sind dagegen noch offen: An der Eingliederung der Tochter Postbank wird gearbeitet; zudem lässt die Wende im schwierigen Kapitalmarktgeschäft auf sich warten.

Cryan hatte vor einem Jahr angekündigt, einen Minderheitsanteil an der DWS an Investoren abgeben zu wollen. Bedingung für den zeitnahen Börsengang ist aber, dass die Märkte stabil bleiben. Nach einem Rutsch Anfang Februar hat sich die Lage inzwischen zwar entspannt; Experten sind jedoch uneins, ob die Ruhe anhält.

Beim Gang aufs Parkett sollen ausschließlich Aktien aus dem Bestand der Deutschen Bank verkauft werden - und zwar dem Vernehmen nach ein Viertel der Anteile für rund 2 Milliarden Euro. Der Börsengang wird im geregelten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse erfolgen, dem sogenannten Prime Standard. Dies ermöglicht der DWS später den Aufstieg in einen Index der Dax-Familie. Sie gilt als heißer Kandidat für den MDax der mittelgroßen Konzerne; die Deutsche Bank selbst ist im Leitindex Dax notiert.

Die Mehrheit der Anteile soll aber bis auf Weiteres bei der Deutschen Bank verbleiben. Auch durch die gewählte Rechtsform und die Besetzung des Aufsichtsrats wollen die Frankfurter sicherstellen, dass sie weiter das Sagen haben: Die DWS wird als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) firmieren. Bei dieser Rechtsform werden bestimmte wichtige Entscheidungen nicht von der Hauptversammlung getroffen, sondern vom persönlich haftenden Gesellschafter, hier also von der Deutschen Bank. Den Vorsitz im Aufsichtsrat wird Deutsche-Bank-Rechtsvorstand Karl von Rohr übernehmen.

Equinet-Analyst Philipp Häßler sagte, einerseits eröffne der Börsengang der DWS mehr strategische Optionen. Andererseits verkaufe die Deutsche Bank einen Teil ihrer Kronjuwelen. Eine Gesamtbewertung von 8 Milliarden Euro hält er in jedem Fall für ambitioniert.

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