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Versorger Bei Energieaktien glüht der Draht

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Auch E.On ist betroffen

Energieversorger im Aufwind

Denn noch immer geht es den deutschen Versorgern vergleichsweise schlecht: RWE will neun unprofitable Kraftwerke dichtmachen. Die aufgrund der erneuerbaren Energien an der Strombörse gefallenen Großhandelsstrompreise in Europa haben sie unprofitabel werden lassen. Die Ratingagentur Fitch stufte zudem die Kreditwürdigkeit herunter, was den hoch verschuldeten Energiekonzern RWE zusätzliches Geld beim Schuldendienst kosten dürfte. Die Lage ist also trotz erwarteter Nettogewinne von 979 Millionen Euro alles andere als rosig. Insgesamt sind die Gewinne bei RWE gegenüber 2012 um knapp 40 Prozent eingebrochen. Dementsprechend liegt die Aktie seit Jahresbeginn noch immer mehr als 20 Prozent im Minus.

Allmählich könnte der Kurs zwar seinen Boden gefunden haben, um von einer Trendwende zu sprechen ist es jedoch noch zu früh. Auch die Analysten stufen die Aktie nur zögerlich wieder hoch. JP Morgan etwa stufte die Aktie von „untergewichten“ auf „neutral“ hoch, senkte aber gleichzeitig das Kursziel. Ob die Wende gelingt, hängt nun zunächst vom Management der Energieversorger selbst ab und in zweiter Linie von der Frage, ob die neue Bundesregierung dem Essener Konzern RWE und Wettbewerber E.On entgegenkommt. Die Unsicherheit wird wohl noch eine Weile andauern.

Ohnehin sieht es für E.On-Aktionäre nur wenig besser aus. Dort hatte das Management in Düsseldorf zumindest früher beim Wettbewerber in Essen auf die Energiewende reagiert. Die niedrigen Strompreise an der Börse treffen E.On jedoch genauso wie RWE oder Vattenfall. Selbst mit den verbliebenen Atomkraftwerken verdient E.On nach Zahlung der Brennelemente-Steuer nur wenig. E.On-Chef Johannes Teyssen kündigte an, weitere fossile Kraftwerke stillzulegen. Auch beim Düsseldorfer Energieversorger sind die operativen Gewinne in diesem Jahr um 15 Prozent eingebrochen, am Jahresende sollen nur noch 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro unter dem Strich stehen. Wann die Trendwende gelingt, bleibt ungewiss. „Sofern sich die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den europäischen Kernmärkten nicht spürbar ändern, werden weitere Stilllegungen unausweichlich sein“, sagte E.On-Chef Johannes Teyssen. Eine Ende der Misere ist also noch nicht absehbar.

Börse



Anleger, die gerne einen aussichtsreichen Versorger im Depot haben wollen, sollten daher lieber ins Ausland schauen. Electicité France (EdF) erhöhte erst kürzlich seine Gewinnprognose, allerdings ist die Aktie auch kein Schnäppchen mehr. Und während deutsche Energiekonzerne händeringend neue Ertragsbringer suchen, hat sich etwa die französische GDF Suez ein gutes Stück vom klassischen Energiegeschäft in Europa entfernt. Da der Versorger nur noch ein Viertel seiner Gewinne in Europa erzielt, treffen ihn die niedrigen Strompreise und damit unrentable Kraftwerke weniger hart. Die Stromproduktion außerhalb Europas erwirtschaftet bereits mehr als ein Viertel der Gewinne, neue Verträge mit arabischen Ländern und in Lateinamerika stimmen optimistisch. Dass die acht Prozent Dividendenrendite auch bei GDF wie bei RWE womöglich reduziert werden müssen, ist weniger wahrscheinlich als bei RWE. Schließlich ist der französische Staat weiter mit mehr als einem Drittel der Aktienstimmrechte größter Aktionär, selbst klamm und auf die Dividendeneinnahmen angewiesen. Dass es GDF bislang gelingt, die 40 Milliarden Euro Schulden vergleichsweise zügig abzubauen, macht das Risiko auf eine Turn-around-Spekulation vertretbar.

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