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Virusvariante Omikron hat die Börsen im Griff – und das dürfte auch so bleiben

Besorgte Analysten: Löst die Omikron-Furcht einen starken Kursrutsch aus? Quelle: REUTERS

Die Angst vor der neuen Corona-Mutation hat die Aktienkurse zum Wochenbeginn auf Talfahrt geschickt. Kein Wunder: Sowohl mit als auch ohne neue Lockdowns wird Omikron die Wirtschaft belasten.

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Zum Start in die Weihnachtswoche dominiert an den Finanzmärkten die Farbe Rot. Der europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 hat den Montag mit Verlusten begonnen, auch der Dax hat zum Handelsstart nachgegeben. Während man in Deutschland noch bang auf die Omikron-Welle wartet, ist die jüngste Corona-Mutation an den Börsen längst angekommen.

Die Niederlande befinden sich seit Sonntag in einem harten Lockdown, in Deutschland scheinen weitere Kontaktbeschränkungen nur eine Frage der Zeit. Großbritannien und andere europäische Länder wurden einmal mehr zu Virusvariantengebieten erklärt. Die Stimmung unter Anlegern ist angesichts all dieser Nachrichten nicht gerade festlich, sondern spürbar gedrückt – und dürfte es erst einmal bleiben.

Ein Land steckt sich an

Omikron hat selbst bei einem möglichen milderen Krankheitsverlauf das Potenzial, ganze Volkswirtschaften lahmzulegen, warnen Virologen. Eine jüngste Studie des Imperial Colleges in London stellte zudem infrage, dass die Folgen einer Omikron-Infektion wirklich milder sind als bei den bisherigen Virusvarianten wie Delta. Jedenfalls ist die Variante so ansteckend, dass sie eine gewaltige Menge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gleichzeitig aufs Krankenlager schicken könnte. In Branchen, die jetzt schon unter Personalmangel leiden, läuft dann womöglich gar nichts mehr. Die Aussicht auf massenhafte Personalausfälle und weitere Lockdowns sorgt an den Märkten für Unruhe. Nicht nur die Aktienkurse haben nachgegeben, auch der Ölpreis ist gesunken. Anleger rechnen offensichtlich mit einer schwächeren Nachfrage. 

Die erhoffte Jahresendrally ist erst einmal abgesagt. Momentan können nicht einmal die bisherigen Lockdown-Gewinner punkten. HelloFresh, Delivery Hero, Zalando: Gut läuft es nirgends. Das zeigt, wie viel Optimismus früher im Jahr bereits in den Kursen eingepreist war und wie groß jetzt die Unsicherheit der Anleger ist.

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    Investoren sind erschöpft

    Die Omikron-Welle trifft auf ein Umfeld, das alles andere als gut vorbereitet ist. Die Kliniken sind trotz sinkender Inzidenzen nach wie vor gut gefüllt mit Patientinnen und Patienten, die an der Delta-Variante des Virus erkrankt sind, und das Pflegepersonal ist ausgebrannt. Auch die Finanzmärkte sind nicht in der Verfassung, Omikron einfach wegzustecken wie einen Schnupfen. Nach fast zwei Jahren Pandemie sind Investoren erschöpft vom ständigen Wechsel zwischen Hoffen und Bangen. An vielen Aktienmärkten schwächeln die Kurse bereits seit Wochen. Ein kräftiger Kursrutsch durch die Angst vor neuen Lockdowns kann nicht mehr als überfällige Korrektur gelten, sondern würde schmerzen.

    Von den US-Börsen ist kaum Unterstützung zu erwarten. Der US-Leitindex S&P 500 hat Ende vergangener Woche nachgegeben. Vor allem konjunkturabhängige Aktien haben an Wert verloren. Diese Woche startet auch mit schlechten Vorzeichen: US-Präsident Joe Biden steht massiv unter Druck. Sein Parteikollege Joe Manchin verkündete am Sonntag, gegen Bidens Prestigeprojekt zu stimmen: Ein Gesetzespaket, das Milliarden an Investitionen für Klimaschutz und Soziales freisetzen sollte. Nach dem Widerstand aus den eigenen Reihen ist fraglich, welche Vorhaben Biden künftig überhaupt noch durchgesetzt bekommt. Diese Unsicherheit könnte an der Wall Street weitere Turbulenzen hervorrufen, zusätzlich zu den Sorgen um die Konjunktur.

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    Anlegerinnen und Anleger sollten darüber nachdenken, sich jetzt einem ausgiebigen Winterschlaf zu widmen. Aus Angst vor dem Omikron-Dip Aktien zu verkaufen, wäre jedenfalls keine gute Idee. „In den letzten 25 Jahren wurden Anleger, die am Tag nach einem zweiprozentigen Kursrückgang aus dem Markt ausstiegen, nur selten belohnt“, sagt Seema Shah, Chefstrategin der US-Fondsgesellschaft Principal Global Investors. Gerade in schwankungsreichen Märkten ist die Gefahr hoch, mit übereilten Aus- und Wiedereinstiegen Geld zu verlieren.

    Mehr zum Thema: Wegen eines kritischen Reports des etwa mit Anti-Wirecard-Wetten berühmt gewordenen Fraser Perring stürzt die Aktie des IT-Dienstleisters S&T ab. Geht es dem rasant wachsenden Tech-Konzern tatsächlich so viel schlechter als bislang vermutet?

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