Vodafone-Aktie Neue Chancen für satte Gewinnsteigerungen

Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone hat Milliarden in den Netzausbau investiert. Das zahlt sich aus. Eine Fusion könnte den Aktienkurs weiter treiben.

Vodafone Campus in Düsseldorf. Quelle: dpa Picture-Alliance

Vodafone scheint seine Stagnation überwunden zu haben. Der britische Telekommunikationskonzern hat nach acht Jahren rückläufiger Einnahmen in Europa in den vergangenen Quartalen erstmals wieder Zuwächse erzielt. Noch hat das die Aktie kaum beflügelt. Jüngst belasteten EU-Pläne für eine Beschränkung von Roaming-Gebühren den Kurs.

Vodafone notiert, in Pfund gerechnet, gut zehn Prozent unter dem Vorjahreshoch, in Euro gar 25 Prozent. Doch das könnte sich bald ändern. Noch finden die Mobilfunkableger in Indien, Südafrika und anderen Entwicklungsländern wenig Beachtung. Dabei wachsen sie stark – etwa die 65-prozentige Beteiligung Vodacom Group, in der ein Großteil des Mobilgeschäfts in Afrika gebündelt ist. Schon jetzt steuern die Ableger immerhin ein Drittel zum Umsatz bei.

Einen starken Kursaufschwung könnte eine Fusion mit dem großen europäischen Kabel-TV-Unternehmen Liberty Global bringen, das dem US-Milliardär und neuem Formel-1-Eigentümer John Malone gehört. In den Niederlanden ist bereits ein Joint Venture beider Konzerne aktiv.

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Vor einem Jahr hieß es bei Vodafone, man führe keine weiter gehenden Gespräche mit Liberty Global mehr. Doch nach Ansicht von Analysten würde ein Deal strategische und finanzielle Vorteile bringen. Malone, der als „Dealmaker“ gilt, könnte zu einem Abschluss bereit sein, wenn die Konditionen stimmen. UBS-Analyst Tang erhofft sich durch die mögliche Fusion einen „europaweit führenden Anbieter von Festnetz- und Mobildiensten“.

Ein mögliches Hindernis war lange der Preis. Der kleinere Partner Liberty Global (Marktwert 29 zu 80 Milliarden Dollar) könnte einen Aufschlag verlangen. Doch angesichts von 35 Prozent Verlust der Liberty-Global-Aktie seit Abbruch der Gespräche mit Vodafone und der sich bessernden Finanzlage von Vodafone sollte der Deal daran nicht mehr scheitern.

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33 Prozent Kursplus sind machbar

In ihrer Aktionärspolitik unterscheiden sich beide Unternehmen deutlich: Liberty Global setzt auf Aktienrückkäufe, Vodafone auf Dividenden. Vodafone bietet Aktionären aktuell 5,3 Prozent Rendite, mehr als der größte Konkurrent Deutsche Telekom mit 3,6 Prozent, aber auch die US-Konzerne AT&T (4,6 Prozent) und Verizon (4,3 Prozent).

Ein Kritikpunkt ist aber, dass die Dividende nicht aus dem freien Cashflow gezahlt werden könne. Im laufenden Jahr will Vodafone jedoch mindestens 4,5 Milliarden Dollar freien Cashflow generieren, was ausreicht. Danach sind weitere Steigerungen geplant. 2014 hatte sich Vodafone schon von seiner 45-Prozent-Beteiligung Verizon Wireless getrennt. Die Veräußerung brachte 130 Milliarden Dollar in Cash und Aktien ein. Verizons Interesse, Alleineigentümer zu werden, nutzte Vodafone, um einen guten Preis zu erzielen.

Auch operativ sollte künftig wieder mehr Geld reinkommen, nachdem Vodafone in den vergangenen zwei Jahren rund 28 Milliarden Dollar in den Netzausbau gesteckt hat. Jetzt werden die Kapitalausgaben zurückgefahren. Damit bietet Vodafone sowohl finanziell als auch operativ eine der besten Investment-Storys im Telekombereich in Europa. In vier wichtigen europäischen Ländern gehört der Konzern zu den Top-3-Mobilfunk-Anbietern: Deutschland, UK, Italien und Spanien.

Zwei der größten Vodafone-Fans, die Analysten Akhil Dattani von JP Morgan und Polo Tang von UBS, sehen für die Aktie ein Aufwärtspotenzial von 33 Prozent. Für Dattani ist Vodafone das Topinvestment unter den europäischen Telekomaktien. Er erwartet, dass das Unternehmen Branchenführer beim Wachstum von Umsatz, Gewinn und freiem Cashflow sein wird. Er rechnet mit jährlich zwei Prozent Umsatzzuwachs, fünf Prozent Ebitda-Steigerung (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen) und 17 Prozent Anstieg des freien Cashflows.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 30 wirkt Vodafone vergleichsweise teuer. Die Relation von Unternehmenswert zu Ebitda sieht mit 6,5 akzeptabler aus (Vergleichswert bei Verizon und AT&T: sieben). Die Gewinne haben unter der scharfen Konkurrenz im europäischen Mobilmarkt gelitten. Während Kunden in Europa im Schnitt monatlich nur rund 30 Dollar zahlen, sind es in den USA 50 Dollar. Doch ist Vodafone starken Wettbewerbsdruck schon gewohnt.

Die Aktie litt jüngst unter abfließendem Kapital von US-Investmentfonds. Wenn US-Investoren – und europäische Anleger, die eine Alternative zu Staatsanleihen suchen – ihr Kapital wieder stärker in europäische Aktien stecken, dürfte Vodafone kräftig profitieren.

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