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Von Kostolany bis Gordon Gekko Wahrheitscheck für Börsenweisheiten

Nie in fallende Messer greifen, Schlaftabletten nehmen, keiner Straßenbahn hinterherlaufen: Populäre Börsenleitsätze sind oft bildhaft und einprägsam, aber heutzutage auch weise Ratgeber? Eine Buchrezension.

Gordon Gekko (gespielt von Michael Douglas), Börsenstar ohne Skrupel, sagt im Hollywood-Hit

„Werde nie emotional wegen einer Aktie“, sagte einst die Filmfigur Gordon Gekko im Kinohit „Wall Street“ von 1988. Das dürfte den meisten Zuschauern sofort eingeleuchtet sein, ist ja auch nicht sonderlich originell. Sprüche des fiktiven Starinvestors á la „Gier ist gut. Gier ist richtig. Gier funktioniert“ haben es in die Annalen der Filmgeschichte geschafft. Sie stehen für den von Michael Douglas verkörperten skrupelosen Spekulanten Gekko. Für Anleger aber sind sie keine brauchbare Devise für die Geldanlage, egal wie faszinierend Hollywood diesen Anlegertypus präsentiert. Denn eine andere, weithin bekannte und akzeptierte Börsenweisheit besagt: „Gier frisst Hirn.“ Dazu passt Gekkos erster Ratschlag schon wieder besser.

Aber es gibt durchaus ernstzunehmende Börsenweisheiten, die ähnlich bekannt sind wie der Hollywoodstreifen. Sie klingen jedoch ganz anders als bei Gekko. Einige sehr bekannte etwa lauten: „Greife nie in eine fallendes Messer“, „Hin und her macht Taschen leer“, „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ oder „Politische Börsen haben kurze Beine“.

Und es gibt außerdem geflügelte Worte realer Starinvestoren und -ökonomen, die sich viele Anleger längst zu eigen gemacht haben. Etwa die Prinzipien erfolgreicher und zugleich verehrter Investoren wie die eines André Kostolany oder eines Warren Buffett, die ihre Erfahrungen im Börsenhandel und der Geldanlage in griffige Metaphern zu kleiden verstanden.

Buchcover

Aber die meisten dieser Börsenweisheiten waren bereits populär, als die Börsenwelt noch eine andere war. Der Handel mit Wertpapieren war längst nicht so international und permanent aufnahmebereit, die Wirtschaft nicht in dem Maße globalisiert, die Computer hatten im Geschäft mit Aktien und anderen Wertpapieren noch nicht das Sagen. Auch die Schuldenberge der Staaten waren weniger groß, die Währungen weniger aufgebläht und es gab viel weniger Aktien und schon gar keine zweifelhaften Finanzprodukte wie „Credit Default Swaps“ oder Zertifikate, die Börsenguru Buffett einst als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ bezeichnete - was ihm prompt ein Filmzitat in „Wall Street II“ einbrachte. Es drängt sich also eine Frage auf: Taugen die alten Anlegerregeln, die wie Sinnsprüche daherkommen, heute überhaupt noch?

Jessica Schwarzer, Ressortleiterin Finanzen bei Handelsblatt Online, hat darüber ein Buch geschrieben. In "Sell in May and go away - Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen" hat sie 20 dieser verbreiteten Leitsätze auf den Zahn gefühlt und sie auf ihre Gültigkeit in den krisengeplagten, turbulenten Zeiten der vergangenen Jahre hin geprüft. Viele beinhalten brauchbare, aus der Erfahrung gespeiste Wahrheiten, die auch Börsenneulingen wertvolle Leitlinien für erfolgreiche Investments an die Hand geben. Einige jedoch sind für die praktische Geldanlage wenig hilfreich, einzelne sogar irreführend.

Günstig kaufen, teuer verkaufen

Beispiel gefällig? „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind und sei ängstlich, wenn andere gierig sind“ etwa stammt von Warren Buffett. Der Starinvestor und zugleich einer der reichsten Menschen auf diesem Planeten ist ein Value-Investor, das heißt es geht ihm um den Wert eines Unternehmens. Der Satz beschreibt auf einfache Weise seine erfolgreiche Strategie: Er investiert in Unternehmen von hohem Wert, mit solidem Geschäftsmodell und guten Aussichten nur dann, wenn die Börse ihnen wenig zutraut und der Kurs somit niedriger ist, als es dem Unternehmenswert nach angemessen wäre.

Manchmal wartet Buffett viele Jahre oder auch Jahrzehnte, bis die Börse den Wert des Unternehmens erkannt hat und die Kurse steigen. Steigt die Aktie allzu stark im Wert, weil andere Anleger sich gierig darauf stürzen, zieht er sich aus der Aktie wieder zurück.

Emotionslos zum Anlageerfolg

Die nutzlosesten Börsenweisheiten
"The Trend is your friend""Der Trend ist dein Freund" gehört wohl in die Kategorie der irreführenden Börsenweisheiten. Denn es animiert Anleger dazu, einem Aufwärts- oder Abwärtstrend durch Käufe oder Verkäufe von Wertpapieren zu folgen, blendet dabei aber aus, das Trends endlich sind und auch jäh kippen können. Das Problem: Die Gefahr ist hoch, dass der Anleger zu spät auf den fahrenden Zug aufspringt und er bis zu der Erkenntnis, dass sich der Freund "Trend" von einem abgewendet hat, hohe Verluste eingefahren hat. Gerade in turbulenten Börsenzeiten wie in den vergangenen Jahren wechseln Trends sehr häufig und sehr schnell. Quelle: "Sell in May and go away - Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen", von Jessica Schwarzer (Handelsblatt), erschienen im Börsenbuchverlag im Dezember 2013, sowie eigene Recherchen. Quelle: dpa
"Sell in may and go away"Eine weit verbreitete Börsenweisheit, die die Entscheidung zu kaufen oder zu verkaufen anhand des Kalenders propagiert. Doch leider hält sich die Kursentwicklung an der Börse nicht an Termine. Zwar nimmt der Handel in den Sommermonaten oftmals ab und im Herbst wieder zu, doch gibt es in der Historie auch reichlich Gegenbeispiele. Etwa den Mai 2013, als der deutsche Hauptindex Dax seine Rekordjagd begann und nur in diesem einen Monat um sechs Prozent zulegte. Letzten Endes ist es nicht das Datum, sondern die erwartete Wirtschaftslage, die über Auf und Ab an der Börse entscheidet. Quelle: Fotolia
"Timing ist alles"Jeder möchte Aktien gerne kaufen, wenn die Kurse auf dem Tiefpunkt sind, und verkaufen, wenn sie ihren Zenit erreichen. Das Problem: Wann Hoch- oder Tiefpunkt erreicht wurden, wissen Anleger erst im Nachhinein. Denn leider klingelt kein Wecker, wenn die Kauf- und Verkaufskurse optimal sind. Nicht einmal Profis gelingt das perfekte Timing ohne eine große Portion Glück - aber sie erkennen, wann eine Aktie günstig bewertet oder schon zu teuer ist und verfolgen meist eine langfristige Strategie. Wer aber versucht, immer in die Kurstäler und -spitzen zu handeln, generiert hohe Handelsgebühren, die viel von der Rendite aufzehren. Hier gilt eher der Börsenspruch: "Durch eine verpasste Gelegenheit ist noch niemand arm geworden." Gleiches gilt für Gewinnmitnahmen bevor der Kurs seinen Gipfel erklommen hat. Quelle: dpa
"Beim Denken ans Vermögen, leidet oft das Denkvermögen"Diesen Spruch gibt es auch in vereinfachter Form: Gier frisst Hirn. Zwar neigt die Psyche des Menschen dazu, sich die eigenen Fehler schönzureden und wer allzu gierig ist, schlägt leicht über die Stränge oder geht allzu vollmundigen Versprechen oder gar Betrügern auf den Leim. Aber im Grunde ist diese Erkenntnis nutzlos, denn schließlich kann sich kein Anleger seiner Psyche entziehen. Der einzige Rat der daraus folgt, sollte für Anleger an der Börse eigentlich eine banale Selbstverständlichkeit sein: Bewerten Sie die Fakten so objektiv wie möglich und verlassen Sie sich nicht einfach auf ihr Bauchgefühl. Das weiß aber jeder Anleger, der schon einmal zulange an einem Wertpapier festgehalten und dadurch schmerzliche Verluste gemacht hat. Quelle: dpa
"Buy on bad news, sell on good news"Grundsätzlich ist es ja richtig: Gibt es zu einer Aktie schlechte Nachrichten, fällt in der Regel der Kurs, und das Papier kann billig gekauft werden. Aber häufig sind bei Unternehmen in Schwierigkeiten ganze Serien schlechter Nachrichten zu beobachten, so dass die Kurse immer noch tiefer fallen. Woher sollen Anleger auch wissen, ob es nicht noch schlimmer kommt? Umgekehrt gilt das ebenso: Es gibt Unternehmen, die regelmäßig mit ihren Ergebnissen die Markterwartungen übertreffen. Wer gleich bei der ersten positiven Überraschung verkauft, verpasst womöglich das Beste. Beispiele dafür waren in der Vergangenheit etwa Werte wie Apple oder Google. Was die Zukunft aber bringt, kann kein Anleger wissen. Quelle: AP
Hermann Josef Abs und Josef Fischer Quelle: Picture-Alliance/dpa
"Ein Spekulant der auf fallende Kurse setzt, gräbt eine Grube, in die andere hineinfallen."Hintergrund ist, dass zum Beispiel Hedgefonds Aktien verkaufen können, die sie gar nicht besitzen. Geschieht das in großer Menge, fallen die Kurse und der Spekulant kann die Aktien günstiger kaufen, um seine Verkaufsposition auszugleichen - und erzielt so einen Spekulationsgewinn auf Kosten der anderen Aktionäre. Die Erkenntnis hilft einem Privatanleger jedoch wenig, denn mit seinen kleinen Handelspositionen ist er dem Auf und Ab durch derlei Kursmanipulationen zunächst ausgeliefert. Ist der Kurssturz jedoch nicht durch fundamentale Daten wie Umsatz, Gewinn oder Cash-Flow eines Unternehmens untermauert, dürfte sich eine so heruntergeprügelte Aktie in der Folge wieder erholen. Anleger können die Schwächephase also aussitzen. Quelle: dpa

Schwarzer nennt in ihrem Buch vielerlei Gründe und Beispiele, warum Buffetts Börsenweisheit zu Recht vielen Anlegern als Regel dient und langfristig zum Erfolg führt. „Die Strategie des Starinvestors zeigt, dass antizyklisches Investieren gut funktioniert.

Man braucht dafür allerdings einen langen Atem, denn es kann Jahre dauern, bis die Herde eine unterbewertete Aktie entdeckt und antreibt“, schreibt die Handelsblatt-Journalistin. „Wer es Buffet nachmacht, kauft günstig und verkauft teuer.“ Anleger wie Warren Buffett hätten eben ihre Emotionen besser im Griff. Und mit ihrer Anlagestrategie sind derlei Value-Investoren vergleichsweise unabhängig vom Schlingerkurs am Aktienmarkt, weil die Investments langfristig ausgerichtet sind und kurzfristige Kursschwankungen keinen Strategiewechsel und damit auch kaum Depotumschichtungen erfordern.

Börse voller Narren

Auch vom 1999 verstorbenen Börsenaltmeister Kostolany stammen viele Börsenbonmots, die sich für Anleger an der Börse als hilfreich erweisen. Er sagte zum Beispiel in Bezug auf die Emotionen ader Anleger einmal: „Eine Börse wäre keine Börse, wenn nicht viele Narren ihr Unheil dort treiben würden.“ Tatsächlich gleicht das Auf und Ab an der Börse einem Chaos, dass viel mit emotionalen Stimmungsschwankungen gemein hat.

Schwarzer erinnert Kostolanys Satz unmittelbar an den Neuen Markt um die Jahrtausendwende. Gier, Euphorie und das irrationale Ausblenden der Fundamentaldaten hatten seinerzeit zu Fantasiebewertungen von jungen, wachstumsstarken, aber oftmals auch verlustreichen Technologieunternehmen geführt. Als die Blase platzte, flohen die Anleger in Panik, die Kurse stürzten ins Bodenlose.

"Die Narren tummeln sich auch heute noch auf dem Parkett", schreibt Schwarzer. "Kein Wunder, schließlich ist die Börse eine emotionale Sache. Im Wesentlichen geht es um Geld und Wetten.“ Ohne Narren wäre die Börse ihrer Argumentation nach nicht wie sie ist. Sie zitiert Christoph Bruns, Chef der Fondsboutique Loys: „Gäbe es die Narren nicht, die sich von jeder Mode mitreißen lassen und mehr an Visionen als an Cashflow glauben, müsste die Börse ungefähr im Gleichschritt mit dem Wirtschaftswachstum zulegen.“ Dann aber, so Schwarzer, seien an der Börse mit Aktien nur noch gut drei Prozent pro Jahr zu verdienen.

Die Lehre aus Kostolanys Diagnose sei daher, die Emotionen so weit wie möglich unter Kontrolle zu halten, um den Anlageerfolg nicht zu gefährden. „Anleger müssen der Versuchung widerstehen, ihre langfristigen Anlageziele allein aufgrund kurzfristiger Schwankungen aufzugeben oder gar aufgrund spontaner Eingebungen komplett zu riskieren“, schreibt Schwarzer. Anleger sollten ihrer Strategie treu bleiben, sonst würden sie selbst schnell zu Narren. Kleiner Trost für alle Anleger: Sich zum Narren zu machen, ist keine Schande. Das passiert schließlich selbst den Profis immer mal wieder. 

Die beiden beschriebenen Börsenweisheiten von Buffett und Kostolany erweisen sich somit durchaus als sinnvolle Regeln. Leider trifft das längst nicht auf jede populäre Devise für Anleger zu.

Trendiger Freund

Längst nicht jede Börsenweisheit hat einen Nutzen für Anleger. Als populäres Beispiel nennt Schwarzer in ihrem Buch den Spruch „The Trend is your friend“, zu deutsch „Der Trend ist Dein Freund“. Gemeint ist damit, dass der Anlageerfolg sich einstellt, wenn der Investor einfach auf bestehende Trends setzt. Trendsfolger seien eine Art Trittbrettfahrer der Börse, konstatiert Handelsblatt-Redakteurin Jessica Schwarzer in ihrem Buch. Die Idee dahinter: Die Mehrheit der Anleger bestimmt die Richtung an der Börse, wer sich dagegen stemmt, wird überrollt. Wer aber mit dem Strom stimmt, kommt viel schneller und einfacher zum Erfolg

Diese Leitlinie ist aber gerade heute, mit den schnellen und häufigen Richtungswechseln am Aktienmarkt, nicht unumstritten. Vor allem in der Praxis bereitet sie heutzutage große Schwierigkeiten. Denn während sich der Trend aus der Kursentwicklung der Vergangenheit einfach fortschreiben lässt, bleibt die Zukunft ungewiss. Und die kann sich schneller ändern, als der Trendfolgende reagieren kann. Schwarzer zitiert in ihrem Buch den Wissenschaftler Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim: "Die Forschung zeigt ziemlich deutlich, dass die Rendite eines Tages, einer Woche oder eines Monats nicht mit der Rendite des Vortages, der Vorwoche oder des Vormonats korreliert. Wenn das mit dem Trend stimmen würde, könnte man durch einfaches Handeln schnell und sicher reich werden. Schade, dass es nicht klappt."

Das gefährliche Festhalten an Trends

Die besten Zitate von Warren Buffett
Bei einem Treffen mit Studenten an der Universität von Maryland sprach Starinvestor Warren Buffett über die Finanzkrise und wie die damalige Regierung mit ihr umgegangen ist. Dabei fand er deutliche Worte, wie das Magazin "Business Insider" berichtet. Die Aussage des damaligen US-Präsidenten, George W. Bush, "If money doesn’t loosen up, this sucker will go down" ("Wenn die Notenbanken die Geldhähne nicht aufdrehen, gehen die Schmarotzer unter") nannte Buffett das beste Wirtschaftsstatement aller Zeiten. Nur so habe man die Banken und Märkte retten können. " Wir standen kurz vor dem Abgrund", begründete er die Entscheidung der US-Regierung. "Die amerikanische Industrie kam geradewegs zum Erliegen." In dieser Situation sei es richtig gewesen, den damaligen US-Finanzminister und ehemaligen Goldman-Sachs-Chef Ron Paulson sowie den Notenbank-Chef Ben Bernanke zu unterstützen. "Wenn Paulson und Bernanke nicht eingegriffen hätten, wäre alles in einigen Tagen vorbei gewesen", sagt Buffett. . Quelle: REUTERS
Die vorangehenden 28 Zitate und etliche weitere finden Sie hier ... www.goldseiten.de www.boersennotruf.de www.wirtschaftszitate.de www.wikiquote.org www.stockfortune.eu Foto: ap
"Solange unsere Investments in jedem Jahr 15 Prozent zulegen, mache ich mir um Quartalszahlen keine Sorgen." Foto: ap
"Kaufen sie billig, verkaufen sie nie!" Foto: ap
"Kaufe nie eine Aktie, wenn du nicht damit leben kannst, dass sich der Kurs halbiert." Foto: ap
"Investieren ist kein Spiel, in dem derjenige mit einem IQ von 160 diejenigen mit einem IQ von 130 schlägt. Vernunft ist wesentlich." Foto: Reuters
"Ich denke nie darüber nach, was die Börse machen wird. Ich weiß nicht, wie man die Börse oder die Zinsen oder die Konjunktur vorhersagen kann. Und ich habe keine Ahnung, ob die Börse in zwei Jahren höher oder tiefer stehen wird." Foto: dpa

Die Solaraktien lieferten ein plastisches Beispiel für die Tücken eines vermeintlich stabilen Aufwärtstrends. Zunächst startete die Solarenergieindustrie hierzulande mit viel Rückenwind durch staatliche Subventionen. Mit der zunehmenden Beliebtheit und Wirtschaftlichkeit von Solarzellen, kletterten auch die Aktienkurse ordentlich. Die deutschen Produzenten präsentierten fantastische Wachstumsraten und galten international als Vorreiter.

Wer auf die hiesige Solarbranche an der Börse gewettet hatte, wurde reich belohnt. Aber je reifer der Markt wurde, umso unsinniger erschienen die hohen Subventionen und umso aggressiver entwickelte sich die Konkurrenz, vor allem aus China. Die deutsche Solarbranche fand sich jäh in einem Preiskrieg mit internationalen Wettbewerbern wieder und zu ihrem Verdruss beschloss die Bundesregierung, die Subventionen zurückzufahren. Anleger, die dem schönen Aufwärtstrend der Solaraktien erst spät folgten, hatten nur kurz Spaß daran. Bis sich aber zeigte, dass die Trendwende für die Branche nachhaltig erreicht ist, dürften viele von ihnen heftige Verluste erlitten haben.

Eine Trendwende ist in den meisten Fällen ohnehin erst in nachhinein erkennbar. Daher ist es für Trendfolger gerade in Zeiten, in denen Börsen schnell schwanken, praktisch unmöglich, einen Aufwärtstrend vollständig mitzumachen. Wer einem Trend, kann nicht wissen, wie lange dieser noch fortbesteht. Wer der Devise "The Trend is your friend" glauben schenkt, läuft daher immer Gefahr, einzusteigen, kurz bevor das Investment seinen Gipfel erreicht und wieder talwärts tendiert.

Für Privatanleger nutzloser Rat

Vor allem für Privatanleger stellt das frühzeitige Erkennen einer Trendwende eine kaum lösbare Herausforderung da. Profianleger, die mit einer Trendfolgestrategie arbeiten, nutzen dazu aufwändige Rechensysteme und setzen teilweise auch auf permanente Überwachung der mathematischen Modelle zur Kursentwicklung. Schwarzer geht in ihrem Buch auf verschiedene Techniken ein, die durchaus Erfolge zeitigen. Aber selbst sie sind bei bestimmten Marktereignissen machtlos. Die Modelle können beispielsweise nicht vorhersagen, mit welchen Maßnahmen die Politik in einen Markt eingreift und was das für die Kursentwicklung der Aktien bedeutet. Und während der Fondsmanager mit technischer Unterstützung Objektivität und Rationalität zu gewährleisten versuchen, sind Privatanleger doch oftmals emotional in die Falle getappt. Sie glauben, Kursschwächen seien nach einem lang währenden Aufwärtstrend nur vorübergehend, ihre Lieblingsunternehmen würden sich schon durchsetzen. Sich vom bislang begeisternden Erfolgstiteln zu verabschieden, fällt verständlicherweise schwer.

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Es gibt also Börsenweisheiten, die gut funktionieren, während andere wie etwa die Trendfolgeweisheit eher irritierend wirken, hohe Risiken bergen und für Privatanleger wenig hilfreich sind. Schwarzer Buch liefert jedoch reichlich Indizien dafür, dass die Mehrheit der populären Börsenweisheiten durchaus ihren Zweck erfüllt, sich durch hohen Wahrheitsgehalt auszeichnet und dem Anleger brauchbare Orientierungspunkte für sinnvolles Agieren an der Börse bietet. Wer Schwarzers Buch liest, erfährt nicht nur, welche Börsenweisheiten derart treffend sind und welche nicht, sondern gelangt auch zu dem Eindruck, dass die guten der Leitsätze vor allem ein Ziel verfolgen: Den Anleger vor Irrationalität und Emotionalität im Börsenhandel zu schützen.

Zumindest in diesem Punkt herrscht bei allen Börsengurus und Anlageprofi Übereinstimmung. Emotionen gilt es unbedingt zu vermeiden, soll die Anlage ein Erfolg werden. Selbst die Kultfigur Gordon Gekko aus Wall Street, den seine Gier schließlich ins Gefängnis bringt, verbreitete diese Lehre. Aber offenbar ist das ohnehin allen Anlegern klar. Insofern dürfen Anleger von etlichen Börsenweisheiten auch nicht mehr erwarten, als von einem fiktiven Starinvestor aus Hollywood, nämlich in erster Linie gute Unterhaltung.

Buchtipp: Jessica Schwarzer, "Sell in May and go away - Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen", erschienen im Dezember 2013 im Börsenbuchverlag. Weitere Informationen gibt es hier.

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