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Vorwurf der Marktmanipulation Porsche kämpft gegen seine gierige Vergangenheit

Ab Montag muss sich Porsche für seine heiklen Geschäfte im Zuge der VW-Übernahme vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Marktmanipulation im großen Stil. Auch gegen den Aufsichtsrat rund um Ferdinand Piëch wird ermittelt.

Formel-1-Chef Ecclestone angeklagt
Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen den Geschäftsführer der Formel-1-Holding SLEC Bernhard "Bernie" Ecclestone, erhoben. Der Prozess könnte im Herbst beginnen. Ecclestone soll den ehemaligen BayernLB Gerhard Gribkowsky mit mehr als 33 Millionen Euro geschmiert haben. Eine Verurteilung könnte das Ende seiner Karriere bedeuten. Ecclestone selbst ist der Ansicht, dass er nur eine Haftstrafe das Aus für ihn bedeuten würde. Dann müsse er wohl zwangsläufig abdanken. Gegen Gribkowsky... Quelle: dapd
.... ist bereits ein Urteil ergangen. Der ehemalige BayernLB-Manager wurde zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel-1-Inhaber Bernie Ecclestone kassiert und nicht versteuert. Gribkowsky wollte zunächst nichts sagen, doch dann legte er nach acht Monaten Schweigen ein umfassendes Geständnis vor dem Landgericht München ab. Mittlerweile hat er aus dem Gefängnis heraus sein Vermögen freigegeben. Die BayernLB sammelt die Millionen ein und wird somit für den von Gribkowsky verursachten Schaden entschädigt. Es geht um 30 Millionen Euro: Immobilien, Uhren und 900 Flaschen Wein miteingerechnet. Gribkowsky erhofft sich dadurch eine kürzere Haftdauer. Quelle: dapd
Staatsanwaltschaft gegen Holger Härter (Porsche)Urteil: Härter muss einen Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 3500 Euro bezahlen. Richter Roderich sagte, Härter habe bei Kreditverhandlungen mit der französischen Bank BNP Paribas 2009 unvollständige und unrichtige Angaben gemacht. Bei den Verhandlungen ging es um einen 500-Millionen-Euro-Kredit. Zu der Zeit versuchte der Sportwagenbauer den ungleich größeren Volkswagen-Konzern zu schlucken. Mit der Strafe blieb das Gericht hinter dem von den Strafverfolgern geforderten Strafmaß zurück. Die Staatsanwälte hatte ein Haftstrafe von mindestens einem Jahr gefordert,, die bei einer Bewährungsauflage von einer Million Euro zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe hätte ausgesetzt werden können. Kreditbetrug kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden. Quelle: dpa
Piech und Porsche im VisierDie juristischen Nachwehen des Machtkampfes zwischen Porsche und VW treffen nun auch die Spitzen des bekanntesten deutschen Autoclans: Die Staatsanwälte in Stuttgart haben neuerdings Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche (beide Foto) im Visier. Die Ermittlungen erfassen den kompletten früheren Aufsichtsrat der Porsche-Dachgesellschaft PSE. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen alle Mitglieder des Gremiums, die zur heißen Phase des Machtkampfes 2008/2009 als Kontrolleure der PSE beteiligt waren. Grund sei der Verdacht auf Beihilfe zur Marktmanipulation, mit der Anleger womöglich getäuscht worden seien. Laut Geschäftsbericht mit Stand Ende Juli 2008 gehörten damals außerdem Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück dazu sowie Hans Baur, Ulrich Lehner, Wolfgang Leimgruber, Hans Michel Piëch, Ferdinand Oliver Porsche, Hans-Peter Porsche, Hansjörg Schmierer, Walter Uhl und Werner Weresch. Zudem nimmt die Behörde einen weiteren damaligen Porsche-Manager ins Visier: Auch gegen den Ex-Unternehmenssprecher Anton Hunger wird wegen desselben Verdachts ermittelt. Hintergrund ist der spektakulär gescheiterte Versuch von Porsche, die Macht beim wesentlich größeren VW-Konzern zu übernehmen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass damals Anleger und Finanzwelt gezielt hinters Licht geführt wurden, als 2008/2009 die heiße Phase der Übernahmeschlacht tobte. In diesem Zusammenhang läuft auch eine Klage gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking... Quelle: dapd
Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Wendelin Wiedeking, PorscheVorwurf: Verdacht auf Manipulation des AktienmarktesFast drei Jahre ermittelte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen den einstigen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den früheren Finanzvorstand des Autobauers, Holger Härter. Im Dezember 2012 erhoben die Staatsanwälte schließlich Klage gegen Wiedeking. Der Vorwurf: Informationsgestützte Markmanipulation. Er habe die Börse im Verlauf der Übernahmeschlacht nicht korrekt über seine Pläne und den aktuellen Stand der Ding informiert. Der Vorwurf der Veruntreuung wurde allerdings fallen gelassen. Wiedeking und Härter hatten sich mit gewagten Aktienoptionsmodellen verspekuliert, was den Sportwagenbauer Milliarden gekostet hat. Allerdings soll die Situation nicht existenzgefährdend gewesen sein, daher wurde von der Anklage in diesem Punkt abgesehen. Das Landgericht Stuttgart muss nun in den nächsten Monaten entscheiden, ob es die Klage zulässt. Quelle: dpa
Staatsanwaltschaft gegen Michael Rook (Media Markt)Instanz: Landgericht AugsburgAnklage: Bestechung und Bestechlichkeit - Annahme von Schmiergeld. Ein anderer Angeklagter hat Ende Juni den Empfang von Schmiergeld gestanden und den Ex-Deutschland-Geschäftsführer der Elektronikmarktkette Media Markt, Michael Rook, wegen der Annahme von Schmiergeld mitbeschuldigt. Er und weitere Ex-Top-Manager von Media Markt hatten Schmiergelder für die Vergabe von DSL-Anschlüssen erhalten. Dadurch seien der Wettbewerb ausgehebelt und die Konkurrenten beschädigt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind mehr als vier Millionen Euro geflossen. Der Ex-Deutschland-Chef von Media Markt soll in 182 Fällen bestochen worden sein. Aktueller Stand: Die Staatsanwaltschaft glaubt den Beteuerungen Rooks nicht und beantragt eine Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Für den Ex-Regionalmanager beantragte der Staatsanwalt vier Jahre und sechs Monate Gefängnis. (November 2012) Quelle: dpa
Leo Kirch gegen die Deutsche BankVorwurf: Kirch und seine Familie werfen der Deutschen Bank vor, dass der ehemalige Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer mit einem Interview am 4. Februar 2002 im Nachrichtensender Bloomberg den Zusammenbruch der Kirch-Gruppe mitverursacht hat. Dauer/Instanz: Kirch reichte 2002 die erste Klage ein. Im Dezember 2012 fällt das Oberlandesgericht München das Urteil. Urteil: Der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht München Guido Kotschy verurteilte die Deutsche Bank auf Schadenersatz. Die Höhe ließ er offen. Die Summe solle von zwei Gutachtern bestimmt werden. Die Kirch-Seite hatte die Bank in diesem Verfahren auf mehr als zwei Milliarden Euro verklagt. Eine Revision gegen das Urteil ist nicht zugelassen. Die Aussagen Breuers in dem umstrittenen Interview seien kein Unfall gewesen, so Kotschy. Quelle: dpa

Rechtschaffener schwäbischer Sportwagenbauer gegen halbseidene US-Hedgefonds. So könnte die Überschrift über dem Spektakel lauten, das am Montag kurz nach Mittag im Saal 153 des Stuttgarter Landgerichts unter dem Vorsitz der Richterin Carola Wittig anläuft. 24 meist amerikanische Großinvestoren, deren Geschäft vorwiegend aus Wetten auf Aktien- oder Devisenkurse besteht, fordern 1,4 Milliarden Euro Schadensersatz von Porsche. Das Stuttgarter Unternehmen habe die Anleger schwer geschädigt, weil es im Zuge der versuchten Übernahme von Volkswagen zwischen 2005 und 2008 heimtückisch den Kurs der VW-Aktie manipuliert habe, so der Vorwurf, den Porsche entschieden bestreitet.

Die Überschrift über dem Zivilprozess am Neckar könnte aber auch so lauten: US-Hedgefonds gegen schwäbischen Hedgefonds. Denn ziemlich unumstritten zwischen den verfeindeten Parteien ist, dass die Autoproduktion 2007 und 2008 für den damaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter fast zur Nebensache wurde. Viel mehr hantierten die beiden im großen Stil mit hoch riskanten Optionen auf VW-Aktien, wie dies eigentlich vor allem Hedgefonds tun.

Mit Porsche im Clinch

Mit dem Start des Prozesses am Montag tritt eine Auseinandersetzung in eine neue Phase, die sich zu einer der größten und längsten Rechtsstreitigkeiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte auswachsen könnte. Denn nicht nur die 24 US-Kläger in Stuttgart, sondern weitere Dutzende Investoren – Fonds, Versicherungen, Banken, aber auch vermögenden Privatanleger – stehen mit Porsche im Clinch.

Ob in New York, Braunschweig, Hannover oder London, immer geht es um den Vorwurf der Marktmanipulation durch Porsche. Der Stuttgarter Autobauer, behaupten die Kläger, soll 2008 über Monate hinweg mithilfe von Aktienoptionen die mehrheitliche Übernahme von VW betrieben, dies zunächst bestritten und hernach viel zu spät zugegeben haben.

Weil dadurch der Kurs der VW-Aktie für kurze Zeit explodierte, seien Anleger schwer geschädigt worden, die auf fallende Kurse setzten. Die Summe, die alle Kläger zusammen als Schadensersatz verlangen, beläuft sich mittlerweile auf rund 5,8 Milliarden Euro. Porsche weist alle Anschuldigungen von sich.

Zivilverfahren in den Streitigkeiten um die Übernahmeschlacht Porsche - VW

Klagen können eine Bedrohung für Porsche darstellen

Werden die Richter Wiedekings und Härters Methoden am Ende als clever oder als einen Verstoß gegen das Aktiengesetz werten, mithin den Schadensersatzklagen stattgeben? Der Augsburger Wirtschaftsrechtsprofessor Thomas Möllers hat einen ersten wissenschaftlichen Überblick über die Verfahren und die Argumente von Klägern und Beklagten erstellt. Die Studie soll bald veröffentlicht werden. Möllers zählt zu den renommiertesten Wirtschaftsrechtlern in Deutschland. Seine Unabhängigkeit steht außer Frage – er arbeitet weder für Porsche noch für einen der Kläger.

Zwar will sich Möllers nicht festlegen, wie die Verfahren ausgehen. Doch letztendlich kommt er zu dem Fazit, dass die Klagen für Porsche durchaus eine Bedrohung darstellten. „Die Chancen der Kläger stehen 50 zu 50“, sagt Möllers gegenüber der WirtschaftsWoche. Ein solches Prozessrisiko bei aktienrechtlichen Schadensersatzklagen sei „in Deutschland ein hoher Wert“.

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