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Währung in der Krise 1 Euro = 1 Dollar

Aller reden den Euro runter: erst Mario Draghi, jetzt Goldman Sachs. Die Bank glaubt sogar an einen 1:1-Kurs. Politisch ist das durchaus gewollt. Lesen Sie, welche Nebenwirkungen diese Strategie hat.

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Parität zwischen Euro und Dollar: Viele fürchten sich davor. Quelle: Getty Images

New York/Frankfurt Wer dieser Tage in den USA auf Einkaufstour geht, wird sich ärgern. Ein Euro ist aktuell bloß noch 1,31 Dollar wert. Schon seit sieben Wochen geht es für die europäische Währung kontinuierlich bergab. Inzwischen hat sie beinahe schon ihr Einjahrestief erreicht. Nach Schätzungen der US-Bank Goldman Sachs ist damit das Ende der Verlustserie aber noch lange nicht erreicht.

Schon in wenigen Jahren könnte ein Euro nur noch einen Dollar wert sein. Oder formal ausgedrückt: Die Währungen würden dann in Parität zueinander stehen. Für die kommenden sechs Monate hat Goldmans Chef-Währungsstratege Robin Brooks in New York die Prognose für den Euro-Kurs von zuvor 1,34 Dollar auf 1,25 Dollar gesenkt. Auf Sicht eines Jahres reduzierte er seine Vorhersage sogar von 1,30 Dollar auf nun 1,20 Dollar. Bis Ende 2017 könne sich der Euro dann auf Parität abschwächen.

Mit dieser Prognose steht Goldman nicht alleine da. Auch JP Morgan hat die Erwartung für den Euro-Kurs bis Ende Juni 2015 von 1,28 Dollar auf 1,26 Dollar gekürzt. „Gründe den Euro weiter zu verkaufen, gibt es in der Tat reichlich. Zu nennen ist die eskalierende Lage in der Ukraine, die weitere Sanktionen auslösen könnte und damit letztlich auch die Gefahr erhöht, dass die Wirtschaft der Euro-Zone davon in Mitleidenschaft gezogen wird“, sagt auch Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz.

Die Risiken nehmen weiter zu, davor warnte auch die Europäische Zentralbank kürzlich in ihrem Monatsbericht. Die aktuellen Krisen, die Entwicklung in den Schwellenländern und an den Märkten „könnten die Konjunkturlage negativ beeinflussen“. Gleichzeitig liegt die Inflation bei kläglichen 0,4 Prozent und damit weit unter den von der EZB angepeilten knapp unter zwei Prozent.

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    EZB-Präsident Mario Draghi steuert schon seit Monaten dagegen, unter anderem mit einem rekordniedrigen Leitzins von 0,15 Prozent. Als vermeintlich vielversprechender Weg gilt auch die Abwertung des Euro. Damit würden europäische Produkte billiger und die Unternehmen könnten mehr Waren verkaufen. Vorreiter bei solchen Forderungen sind Italien und Frankreich. So forderte Präsident Francois Hollande kürzlich in einem Interview die EZB erneut auf, mehr zur Schwächung des Euro tun. Die Stärke der Gemeinschaftswährung sei eine Wachstumsbremse.


    Schwacher Euro als Zwischenziel

    Die EZB müsse ihre Geldpolitik weiter lockern, um fallenden Inflationserwartungen entgegenzuwirken, sagt auch Goldman-Stratege Brooks: „Ich weiß zwar nicht, welche Form das haben wird, aber die Richtung der Politik ist ziemlich klar. Die Menschen hatten Zweifel gehegt, ob die EZB die niedrige Inflation ernst nehmen wird; solche Annahmen werden jetzt überdacht.“

    Gerade mal zwei Jahre sind vergangenen, seit EZB-Präsident Mario Draghi versprochen hatte, den Euro um jeden Preis zu retten. Das hatte der Gemeinschaftswährung einen Schub verschafft, bis zum 8. Mai dieses Jahres legte sie um 16 Prozent zu und erreichte einen Stand von etwa 1,39 Dollar. Die Inflationsrate purzelte derweil auf den tiefsten Stand seit fast fünf Jahren, Italien ist wieder in die Rezession abgerutscht und Frankreichs Wirtschaft stagniert. Jüngste Konjunkturdaten legen nahe: Es sieht düster aus.

    Auch Draghis Strategie scheint sich zwischenzeitlich ordentlich gewandelt zu haben. In seiner Rede in Jackson Hole hat er die Frage nach einem Quantitative Easing – also breit angelegten Wertpapierkäufen durch die EZB – zum Hauptthema gemacht. Ein solches Programm könnte den Euro weiter schwächen.

    Dass er dies befürwortet ließ Draghi schon Mitte August durchblicken: „Die Grundlagen für einen schwächeren Wechselkurs sind nun besser, als sie vor einigen Monaten waren“, sagte er. Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann kommentierte diese Äußerung so: Draghi liefere Argumente für eine Euro-Schwäche und mache deutlich, „dass ein schwacher Euro mindestens ein Zwischenziel der EZB-Geldpolitik ist“.

    An diesem Donnerstag steht die nächste EZB-Zinssitzung an. „Wir halten es allerdings für sehr unwahrscheinlich, dass Draghi bereits am Donnerstag ein Programm zum Quantitative Easing verkünden wird“, sagt Commerzbank-Analyst Karpowitz. Das heiße aber nicht, dass am Markt nicht eine gewisse Unsicherheit darüber aufkommen könne. „Wir rechnen in unserem Hauptszenario mittlerweile mit einer Ankündigung solcher Käufe im ersten Quartal 2015.“


    Zinssitzung am Donnerstag

    Bis zur EZB-Sitzung ist keine Erholung der Gemeinschaftswährung zu erwarten. Helaba-Analyst Ralf Umlauf rechnet damit, dass die Wirtschaftsdaten weiterhin die hohen Erwartungen über geldpolitische Maßnahmen aufrecht erhalten werden. Eine Zwischenerholung des Euro könne Umlauf zufolge in dieser Woche nur dadurch ausgelöst werden „dass die Marktteilnehmer zu viel Aktivitäten von der EZB erwarten und sich daher enttäuscht sehen“.

    Sich offen für einen schwachen Euro auszusprechen, ist längst kein Tabu mehr. Selbst Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte im Juli ganz offen zu Protokoll gegeben, dass er die Gemeinschaftswährung für überbewertet hält: „Der Euro ist eine stabile Währung. Zu stabil, überschätzt an den Finanzmärkten“. Allerdings: Eine gezielte Abwertung sei wiederum auch nicht geeignet, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

    Dennoch bleibt der tatsächliche Nutzen einer Euro-Abwertung umstritten. Ökonomen und die auf Stabilität pochende Bundesbank warnen vor solchen Schritten. Bundesbank-Chef Jens Weidmann sagte der Zeitung „Le Mond“: „Ein starkes Europa und ein starker Euro gehen Hand in Hand.“ Auch Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen erkennt zwar an, dass ein schwächerer Euro kurzfristig den Exporten des Euro-Raums und auch der Konjunktur „etwas Rückenwind“ geben würde. „Dieser Effekt ist aber begrenzt und würde sicherlich auch schon bald wieder nachlassen.“

    Zudem droht bei gezielter Euro-Abwertung ein Währungskrieg: Die anderen Notenbanken könnten rasch Gegenmaßnahmen einleiten und ihre eigenen Währungen schwächen. Die Folge könnte ein weltweiter Abwertungslauf sein. Das könnte nicht das Vertrauen der Anleger sowie die Stabilität der Finanzmärkte gefährden.

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