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Währungswette Das neue Bitcoin-Zeitalter hat begonnen

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Selten ist nachvollziehbar, was die heftigen Ausschläge verursacht

Erst Ende November stürzte der Bitcoin-Kurs binnen weniger Stunden um knapp 20 Prozent ab, erholte sich jedoch schnell wieder. Nur selten ist nachvollziehbar, was genau die hohen Ausschläge nach oben und unten verursacht. Es scheint daher besonders riskant, auf einen Bitcoin-Preis in der Zukunft zu wetten. Die CBOE bietet einen Futures-Kontrakt an, der am Nachmittag des 17. Januar 2018 ausläuft. Doch wer weiß, ob das ein guter oder ein schlechter Tag für den Bitcoin sein wird?

CBOE und CME wollen die hohen Kursschwankungen mit höheren Sicherheitsvorschriften auffangen. Die Sicherheitsleistung, die Investoren beim Kauf eines Futures hinterlegen müssen – „Margin“ genannt – liegt bei der CBOE bei 30 Prozent und bei der CME bei 35 Prozent. Das ist deutlich höher als etwa bei klassischen Futures. Bei Wetten auf den Kurs des S&P 500 etwa, fällt nur eine Sicherheitsleistung von fünf Prozent an.

Auch die Clearing-Häuser betrachten die neuen Futures mit Sorge und bemängeln, dass es vor dem Handelsstart keinen ausführlichen Dialog zwischen den Börsen, den Regulierern und den Clearing-Häusern gegeben habe. Clearing-Häuser stehen zwischen dem Käufer und dem Verkäufer von Wertpapieren und garantieren eine Transaktion, falls eine der beiden Parteien ausfällt. CME und CBOE konnten die Robustheit ihrer Bitcoin-Futures selbst zertifizieren. Das entspricht den Regeln der zuständigen Derivateaufsicht CFTC, doch „das erlaubt keine Transparenz und keinen öffentlichen Input“, kritisiert der Chef des Branchenverbandes Futures Industry Association, Walt Lukken, in einem offenen Brief an die CFTC. Die Clearing-Häuser würden schließlich „die Risiken dieser volatilen, neuen Instrumente bei einem Ausfall absorbieren“.

Auch die großen Banken sind noch zögerlich: Goldman Sachs wird die Futures lediglich für bestimmte Kunden abwickeln. Citigroup und JP Morgan Chase halten sich Medienberichten zufolge noch zurück. „Als Reaktion auf das Kundeninteresse an digitalen Währungen, loten wir aus, wie wir sie in diesem Feld am besten unterstützen können“, sagte eine Sprecherin der Bank. Einen eigenen Handelsdesk für Bitcoin-Futures gibt es bei Goldman noch nicht. Auch engagiert sich die Bank nicht im klassischen Bitcoin-Handel.

„Historisch betrachtet hat die Einführung von Futures auf ein Produkt dazu geführt, dass Preisschwankungen abnehmen. Ob das beim Bitcoin genauso sein wird, muss sich zeigen“, sagt Timo Schläfer. Der ehemalige Investmentbanker von Goldman Sachs ist Mitgründer der Londoner Börse Crypto Facilities, die auch die Bitcoin-Preise für die CME ermittelt.

Was den Erfolg der Kryptowährung angeht, gibt es immer noch viel Optimismus in der Branche: Camervon Vinklevoss, der mit seinem Zwillingsbruder Tyler die Kryptobörse Gemini gegründet hat, geht fest davon aus, dass der Bitcoin-Preis weiter steigen wird. Derzeit habe die größte Kryptowährung einen Marktwert von 300 Milliarden Dollar. „Es könnte ein billionenschwerer Markt werden“, sagte er im Gespräch mit dem Börsensender CNBC. „Aber ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis wir dahin kommen.“

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