Wall Street US-Anleger bleiben vor Fed-Entscheid vorsichtig – Mad-Money-Moderator Jim Cramer rät zu selektiven Käufen

Reisedienstleister Expedia übertraf die Schätzungen der Analysten beim Verlust pro Aktie und bei den Einnahmen. Dennoch rutschte die Aktie ab.

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Anleger suchen ihr Heil in „sicheren Häfen“. Quelle: Reuters

Die US-Börsen sind am Tag vor der Zinsentscheidung der Notenbank Fed nur schwer in Gang gekommen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte trat am Dienstag im frühen Handel bei 33.055 Punkten auf der Stelle. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,4 Prozent auf 4170 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stand ein halbes Prozent höher bei 12.597 Punkten.

Neben durchwachsenen Firmenbilanzen warf vor allem die Notenbanksitzung ihre Schatten voraus. Es gilt an den Börsen als ausgemacht, dass die Fed den Leitzins am Mittwoch um einen halben Prozentpunkt anheben wird. „Der Blick nach vorne dürfte wichtiger sein als das, was sie tun werden“, sagte Anlageexperte Randy Hare von der Huntington National Bank. „Die Fed befindet sich in einer Position, in der sie in Sachen Inflation hinterherhinkt. Wenn sich die Dinge also nicht verlangsamen, müssen sie aggressiver vorgehen.“

Nach Meinung des CNBC-Fernsehmoderators Jim Cramer sollten Anleger an Handelstagen wie Montag die Chance ergreifen, bei fallenden Kursen zu kaufen - selbst wenn dies bedeutet, dass sie kurzfristige Verluste in Kauf nehmen müssen.

In einem hoch nervösen Handel am Montag hatten zunächst Konjunkturdaten zur Stimmung in der Industrie für etwas Erleichterung gesorgt, bevor der deutliche Renditeanstieg am Anleihenmarkt zwischenzeitlich wieder die Zinsangst der Anleger geschürt und die wichtigsten Indizes deutlich ins Minus gedrückt hatte. Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss aber 0,26 Prozent, für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es am Ende um 1,72 Prozent auf 13 075,85 Punkte nach oben.

„Dies ist mein achter Straffungszyklus, und ich weiß aus Erfahrung, dass es zu spät ist, zu kaufen, wenn man wartet, bis Federal Reserve fertig ist und die Inflation gebrochen ist“, sagte der Moderator der Sendung „Mad Money“. Die US-Notenbank will in diesem Jahr mehrmals die Zinsen erhöhen, um die ansteigende Inflation zu kontrollieren.

„Man muss den Höhepunkt der Inflation antizipieren, so wie am Montag, als der Markt so verräterisch aussah und sich dann beruhigt hat. Man muss einige kurzfristige Verluste in Kauf nehmen. ... Wenn Sie den Schmerz nicht ertragen können, sollten Sie jetzt, wo die Renditen bei drei Prozent liegen, in Staatsanleihen umschichten“, so Cramer.

Aktien von Estee Lauder fielen um rund sieben Prozent. Der US-Kosmetikkonzern wird vom Ukraine-Krieg und den Covid-19-Beschränkungen in China belastet und kassiert seine Jahresziele. Der Hersteller von MAC-Lippenstiften und Bobbi-Brown-Grundierungen rechnet 2022 noch mit einem Umsatzplus von sieben bis neun Prozent statt mit 13 bis 16 Prozent.

Weitere Einzelwerte im Fokus

Paramount: Der US-Medienkonzern hat im ersten Quartal sein unter der weltweiten Konjunkturabkühlung schwächelndes Werbegeschäft zu spüren bekommen. Der Umsatz ging um ein Prozent auf 7,33 Milliarden Dollar zurück, wie Paramount - früher unter dem Namen ViacomCBS bekannt - mitteilte. Der Gewinn brach sogar um mehr als die Hälfte auf 433 Millionen Dollar ein.

Trotzdem sorgte Paramount, zu dem Sender wie CBS, Showtime, Comedy Central und MTV gehören, für eine positive Überraschung. Von Januar bis März gewann das Unternehmen mehr als sechs Millionen Streamingkunden für sein Angebot Paramount plus - trotz der scharfen Konkurrenz, und obwohl Branchenpionier Netflix zuletzt Probleme hatte. Die Aktie verlor acht Prozent.

Restaurant Brands: Der Eigner von Ketten wie Burger King und Tim Hortons hat im ersten Quartal von gestiegenen Preisen und mehr Besuchern profitiert. Dennoch gab die Aktie 1,2 Prozent nach.

Der Umsatz kletterte um 15 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen mitteilte, das ähnlich wie McDonald's und Starbucks wegen höherer Kosten die Preise angehoben hat. Restaurant Brands ist mit rund 15 Prozent an einem Franchise mit dem russischen Partner Alexander Kolobow beteiligt, das rund 800 Burger-King-Läden in Russland betreibt. Diese sind trotz des Ukraine-Kriegs weiterhin geöffnet. 2021 machten sie rund zwei Prozent des Restaurant-Brands-Gesamtumsatzes aus. Für das laufende Jahr rechnet der in Toronto beheimatete Konzern nach eigenen Angaben nicht damit, einen Gewinn mit dem Franchise zu erzielen.

Logitech: Die Aktie Logitech rutschte um knapp fünf Prozent ab, nachdem das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gemeldet hatte. Der Hersteller von Computermäusen, Tastaturen und anderen Peripheriegeräten sah sich mit harten Vergleichen zu einem pandemiebedingten Anstieg im letzten Jahr konfrontiert.

Chegg: Die Aktien des Online-Bildungsanbieters stürzten um 34 Prozent ab. Das Unternehmen hatte seine Umsatzprognose mit der Begründung gesenkt, die derzeitige Wirtschaftslage veranlasse die Verbraucher dazu, dem „Geld verdienen Vorrang vor dem Lernen“ einzuräumen.

Nutrien: Das Unternehmen meldete einen steigenden Quartalsgewinn und hob seine Prognose für das Gesamtjahr an, wobei die Ergebnisse des weltweit größten Düngemittelherstellers durch steigende Preise für Pflanzennährstoffe begünstigt wurden. Die Aktie legte 1,3 Prozent zu.

Pfizer: Das Unternehmen meldete für das erste Quartal einen Gewinn von 1,62 Dollar pro Aktie und lag damit 15 Cents pro Aktie über den Schätzungen. Auch die Einnahmen übertrafen die Prognosen. Der Arzneimittelhersteller senkte seinen Ausblick für das Gesamtjahr aufgrund einer Buchhaltungsänderung. Pfizer-Aktien fielen um 0,7 Prozent.

Expedia: Der Verlust lag mit 47 Cents pro Aktie für das vergangene Quartal unter den Schätzung der Analysten, die ein Minus von 62 Cents pro Aktie erwartet hatten. erwartet hatten. Auch die Einnahmen des Reisedienstleisters übertrafen die Schätzungen, da die Reisenachfrage trotz der Sorgen um Covid, die Ukraine und andere Faktoren stark blieb. Die Aktien von Expedia rutschten aber zwölf Prozent ab.

Avis Budget: Die Aktien des Autovermieters stiegen um rund ein Prozent, nachdem das Unternehmen einen viel besser als erwarteten Quartalsgewinn meldete und außerdem eine Erhöhung seiner Aktienrückkaufsgenehmigung um drei Milliarden Dollar ankündigte.

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