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Wall Street US-Börsen starten Erholungsversuch

An der Wall Street legen die Aktienkurse am Mittwoch überwiegend zu. Allerdings fallen die Gewinne geringer aus als die vorangegangenen Verluste.

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Apple-Aktie bricht ein – US-Börsen eröffnen im Minus Quelle: Reuters

New York Die Talfahrt der Aktienkurse in New York ist zur Wochenmitte zum Stehen gekommen. Das niedriger Kursniveau lockte am Mittwoch sogar einige Anleger an. Der Dow Jones stieg um etwa ein halbes Prozent auf 24.600 Punkte, nachdem er am Dienstag um 2,2 Prozent gefallen war. Der S&P 500 und der Nasdaq-Composite gewannen 0,6 und 1,1 Prozent. Trotz der Erholung überwog weiter die Skepsis. Vor allem die Kursverluste der Technologiewerte in den vergangenen Wochen drückte auf die Stimmung. Viele Anleger fürchteten, dass ein größere Kursrutsch noch kommen könnte.

Am Mittwoch stellten sich die Investoren aber auf die „Thanksgiving“-Pause ein. Denn wegen des US-Feiertages bleiben die Börsen am Donnerstag ganz geschlossen und werden am Freitag nur Vormittags (MEZ) auf sein. „Große institutionelle Investoren müssen davon ausgehen, dass sie wegen des langen Wochenendes weniger Volumen am Markt vorfinden werden“, erläuterten die Analysten vom Brokerhaus CMC Markets die Auswirkungen. „Das heißt, wer heute große Positionen aufbaut, bekommt sie am Donnerstag und Freitag bei geringem Marktvolumen nur sehr schwer wieder los. Das engt den Planungsspielraum für die Profis drastisch ein.“

Im frühen Handel erholten sich die zuletzt arg gebeutelten Aktien von Apple um gut ein Prozent, nachdem sie am Dienstag 4,8 Prozent verloren hatten.

Die Kursentwicklung von Apple & Co steht weiterhin im Fokus. Die Aktien von Facebook, Apple, Amazon, Netflix und der Google-Mutter Alphabet liegen inzwischen rund 20 Prozent unter ihren Rekordständen, was als Signal für einen „Bären“-Markt gilt. Im Börsenjargon symbolisieren die Tiere fallende Kurse.

Von konjunktureller Seite gab es eher negative Nachrichten. Die US-Industrie hat im Oktober einen überraschend starken Einbruch erlitten. Die Aufträge für langlebige Güter fielen um 4,4 Prozent, wie das Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Das war der stärkste Rückgang seit Juli 2017. Befragte Experten hatten mit einem Minus von 2,5 Prozent gerechnet.

Klammert man die stark schwankenden Flugzeug- und Rüstungsaufträge heraus, ergab sich im Oktober eine Stagnation. Die Wirtschaft hatte ihr Wachstumstempo im Sommer ein wenig verlangsamt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,5 Prozent zu, nachdem im Frühjahr noch ein Plus von 4,2 Prozent herausgesprungen war.

Foxconn setzt den Rotstift an

Bei den Einzelwerten fiel der Blick auf den Apple-Zulieferer Foxconn. Dieser zieht einem Agenturbericht zufolge die Konsequenzen aus schwierigen Geschäften im gesamten Jahr und setzt den Rotstift an. Die Ausgaben würden im kommenden Jahr um umgerechnet 2,9 Milliarden Dollar (20 Milliarden Yuan) reduziert, meldete Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf ein internes Schreiben.

Die Sparschritte treffen auch das iPhone-Geschäft. Allein dort sollen die Kosten um fast 870 Millionen Dollar heruntergefahren werden. Zudem würden zehn Prozent der Stellen in nicht-technischen Bereichen wie der Verwaltung gestrichen.

Foxconn, früher bekannt unter dem Namen Hon Hai Precision, zählt mehr als eine Million Mitarbeiter, ein Großteil davon arbeitet in China. Das Unternehmen baut unter anderem iPhones im Auftrag von Apple zusammen. Die Aktie von Foxconn notierte im frühen Handel im Minus.

Zuletzt hatte das Unternehmen seinen Gewinn weniger stark gesteigert als von Analysten erwartet und dies damit begründet, dass Apple wie auch größere Zulieferer erklärt hätten, die Nachfrage nach dem Umsatzgaranten iPhone könne sich abschwächen. Laut einem Medienbericht wird es auch keine zusätzliche Produktionslinien für das neue iPhone XR geben. Eine solche Anweisung soll an die Zulieferer Foxconn wie auch Pegatron ergangen sein.

Anfang des Monats hatte der US-Konzern Anleger mit einer Umsatzprognose überrascht, die unter den Erwartungen lag. Dies wurde mit der schwächeren Nachfrage in Schwellenländern begründet. Apple-Zulieferer wie etwa der österreichische Sensorenhersteller AMS, Chiphersteller IQE oder die im Bereich der Gesichtserkennung tätige Lumentum kassierten bereits reihenweise ihre Prognosen.

In Europa haben sich nach dem jüngsten Kursrutsch die Aktienmärkte am Mittwoch ebenfalls etwas stabilisiert. Dax und Euro Stoxx 50 legten bis zum Nachmittag jeweils rund ein Prozent zu. Am Dienstag hatten beide Indizes je eineinhalb Prozent verloren und so niedrig wie seit Dezember 2016 nicht mehr geschlossen.

Dabei hatte der Dax die wichtige 11.000-Punkte-Markte verteidigt. Dennoch erwarteten Börsianer keine Trendwende. „Die Schnäppchenjäger haben sich in diesem Jahr bereits zwei Mal die Finger verbrannt und wollen das sicher nicht ein weiteres Mal riskieren“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

In Europa sorgten zudem die laufende Diskussion um den EU-Austritt Großbritanniens sowie der Streit über den italienischen Haushalt für Stirnrunzeln. Im letzteren Fall sprach sich die EU-Kommission dafür aus, wegen der ihrer Ansicht nach zu hohen Neuverschuldung des Landes ein Defizitverfahren gegen Italien einzuleiten.

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