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„Warren Buffett von Saudi Arabien“ Der Prinz hat das Orakel im Visier

Prinz al-Walid ist einer der schillerndsten Figuren der arabischen Finanzbranche. Sein Vorbild ist Warren Buffett. Mit geschickten Beteiligungen konnte der Prinz gegenüber dem Orakel von Omaha ordentlich Boden gutmachen.

Prinz al-Walid ist einer der bekanntesten Akteure der arabischen Finanzbranche – und einer der reichsten. Quelle: dpa - picture-alliance

Die fünfmonatige Kursrally von Kingdom Holding bessert die Investmentbilanz von Prinz al-Walid bin Talal Al Saud auf, Nummer 18 unter den reichsten Menschen des Planeten und selbsternannter „Warren Buffett von Saudi-Arabien“. Al-Walids jüngste Wetten auf das Kurznachrichten-Unternehmen Twitter und den Online- Einzelhändler JD.com aus Peking sowie mögliche Börsengänge der Hotelketten Four Seasons Hotels und Fairmont Hotels & Resorts haben dazu beigetragen, dass der Kurs seiner börsennotierten Firma wieder steigt, nachdem er nach der weltweiten Finanzkrise auf Talfahrt war.

„Wir haben verborgene Schätze, viele wertvolle Beteiligungen, die nicht börsennotiert sind“, sagte der 58- jährige Prinz in einem Telefoninterview aus dem schweizerischen Crans-Montana, wo er mit seiner Familie Urlaub machte. „Ihr Wert übersteigt elf bis zwölf Milliarden Dollar, und der Markt könnte sie mit mehr als dem Doppelten bewerten.“

Die Kingdom Holding, die zu 95 Prozent von al-Walid kontrolliert wird, hat seit ihrem 52-Wochen-Tief am 5. September 52 Prozent zugelegt, während der Standard & Poor's 500 Index nur sieben Prozent stieg. Der Kursgewinn erhöhte al-Walids Nettovermögen laut Bloomberg Milliardärs-Index um 26 Prozent beziehungsweise 6,6 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro), während das Vermögen von Buffett und der Kurs seiner Berkshire Hathaway weitgehend unverändert blieben. Buffett ist mit einem Vermögen von 57,8 Milliarden Dollar der viertreichste Mensch der Welt. Sein Vorsprung gegenüber al-Walid im Bloomberg-Ranking sei sicher, erklärt dieser – er erwarte nicht, dass er in nächster Zeit sein „Vorbild“ überholen werde. „Letztes Jahr, 2013, war Buffett einer der größten Gewinner an der Börse, viel stärker als ich“, sagte er. „Man kann nicht bloß auf vier, fünf Monate schauen. Ich würde sagen, dass Buffett mir immer noch weit voraus ist.“

Al-Walids Aufstieg folgte auf frühere Investment-Fehlgriffe, darunter sein Verkauf von Apple-Aktien 2005, das Festhalten an Citigroup während der Finanzkrise und der Verlust von 200 Millionen Dollar nach dem Einstieg in WorldCom im Jahr 2000.

Nach einem anfänglichen Anstieg ging es mit Kingdom an der Börse abwärts. Bis November 2008 war der Aktienkurs unter neun Rial gefallen und überstieg den Einführungspreis in den folgenden drei Jahren nur zwei Mal kurzzeitig. In der zweiten Jahreshälfte 2012 begann der Kurs wieder zu steigen, nachdem Kingdom bessere Zahlen aus seinen Immobilien- und Aktieninvestments meldete.

„Nach eigener Aussage trifft der Prinz gute und schlechte Wahlen“, sagt Riz Khan, Autor der 2005 erschienen Biografie „Alwaleed – Prinz, Geschäftsmann, Milliardär“. „Aber seine ursprüngliche Entscheidungsfindung beruht auf ziemlich guter Information und langfristiger Analyse.“

2005 verkaufte al-Walid den größten Teil seiner Apple-Beteiligung, die er 1997 erworben hatte. Damals sagte er in einem Interview mit Bloomberg News, dass das Aufwärtspotenzial beim iPod und die Bemühungen von Steve Jobs „bereits im Kurs enthalten sind“.


Kingdoms Marktwert ist schwer festzustellen

Der Milliardär lehnte es ab, den Apple-Verkauf als Fehler zu bezeichnen, und erklärte, er habe die Erlöse in saudische Immobilienprojekte investiert, die der Versiebenfachung des Apple-Kurses innerhalb der acht Jahre entsprechen. Die Bewertung saudischer Immobilien ist schwierig, weil Grundstücksgeschäfte in Saudi-Arabien nicht besteuert oder vom Staat berichtet werden.

Gegenüber dem Emissionskurs von 10,25 Rial (zwei Euro) vom 29. Juli 2007 hat Kingdom 134 Prozent eingebracht, verglichen mit 269 Prozent bei Apple. Das Unternehmen macht laut Bloomberg-Rangliste mehr als zwei Drittel des 32-Milliarden-Dollar-Vermögens von al-Walid aus.

„Als ich 2007 an die Börse ging, habe ich nichts von meinen Aktien abgegeben“, erklärt al-Walid. „Ich habe gesagt, ich werde 95-Prozent-Eigner meiner Firma bleiben. Seitdem habe ich nichts verkauft, keine einzige Aktie, nichts, null.“

Der Marktwert des Unternehmens ist schwer festzustellen, da nur fünf Prozent der Aktien gehandelt werden, und dadurch, dass laut von Bloomberg zusammengestellten Daten keine Analysten das Unternehmen beobachten.

Ab September war die Erwartung des Börsengangs von Twitter al-Walid zufolge teilweise für den Anstieg von Kingdom verantwortlich. Twitter gab am vergangenen Freitag 24 Prozent ab, nachdem die ersten veröffentlichten Zahlen seit dem Börsengang eine Abkühlung der Nutzung und des Nutzerwachstums zeigten. Im Dezember hatte al-Walid erklärt, der Wert seiner Twitter-Beteiligung habe sich auf 1,2 Milliarden Dollar vervierfacht.

„Kingdom ist eine der weltweit am stärksten diversifizierten Anlagemöglichkeiten für saudische Investoren“, sagt Mohannad Aama, Investmentchef bei Beam Capital Management in New York. „Optimismus in Bezug auf einige bekannte Investments von Kingdom, wie zum Beispiel Twitter, hat, obwohl diese klein sind, zu noch mehr Optimismus geführt.“

Al-Walid treibt weitere Transaktionen voran, etwa beim Online-Einzelhändler JD.com, an dem er für 125 Millionen Dollar einen unbekannten Anteil erworben hat. Das Unternehmen hat im Januar einen Emissionsprospekt für einen Börsengang mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Dollar eingereicht. Dies sei nur eines von mehreren Investments, die Kingdom „von der Leine lassen“ will, so al-Walid.

„Wir treiben alle Unternehmen, in die wir investiert haben - Four Seasons, Fairmont, JD.com, alle Projekte in Saudi-Arabien - in Richtung Monetarisierung“, sagte al-Walid. „Ich möchte nicht Börsengang sagen, sondern Monetarisierung. Es können Börsengänge sein, es können Fusionen und Übernahmen sein.“

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