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Wertpapierhandel Wie Banken beim Aktienhandel doppelt abkassieren

Börsen und Makler zahlen Millionen Euro dafür, dass Banken ihnen die Wertpapieraufträge ihrer Kunden zuschanzen. Das Nachsehen hat der Anleger, er bekommt oft schlechtere Kurse.

Heimlich doppelt kassieren Quelle: Getty Images, Montage

Das Angebot klingt unschlagbar: Kunden der Bank ING-Diba können Fonds und börsengehandelte Indexfonds (ETFs) kaufen, ohne für den Handel Bankgebühren zu zahlen. Doch ein Samariter ist ING-Diba nicht: Handelt der Kunde gratis, ersetzen Börsenmakler, die die Wertpapieraufträge („Orders“) ausführen, der Bank entgangene Gebühren.

Eine Online-Bank wie ING-Diba, die 2014 7,4 Millionen Orders abgewickelt hat, hat Macht. Handelsplätze kämpfen darum, ihre Aufträge ausführen zu dürfen. So hat der Makler mwb fairtrade der ING-Diba drei Euro geboten: pro Fondsorder, die ein Kunde schickt. Doch den Auftrag für die Aktion sicherten sich der Makler Baader Bank und die Börse Tradegate, hinter der der Makler Tradegate AG steht. „Die Tradegate AG und Baader zahlen Kompensationen an die ING-Diba“, bestätigt Thomas Dwornitzak, der bei der Bank für die Strategie im Wertpapiergeschäft verantwortlich ist.

Nicht nur Orders, bei denen Anleger kostenfrei traden, werden vertickt. Geld fließt auch für Aufträge, für die Kunden Ordergebühren an ihre Banken zahlen. Die kassieren so doppelt – bei Kunden und Handelsplätzen. „Der Wettbewerb um Orders ist so hart geworden, dass Makler und Börsen bereit sind, direkt oder indirekt tief in die Tasche zu greifen, damit ihnen Banken Orders zuschanzen“, sagt Florian Weber, Chef der Schnigge Wertpapierhandelsbank.

Das jedoch – und das gilt auch für Kostenlos-Aktionen – birgt Gefahr: Geld, das Makler Banken zahlen, müssen sie im Handel wieder hereinholen. Der Verdacht: Wer viel bezahlt, gibt Anlegern einen niedrigeren Kurs oder verkauft teurer. „Zahlt der Makler für Aufträge, muss er in bestimmten Marktphasen oder zu bestimmten Handelszeiten schlechtere Preise machen, um seine Ausgaben wieder hereinzuholen“, sagt Weber, der beteuert, dass sein Haus keine Orders kaufe. Andere, die es tun, bestätigen: „Zahlen wir für Orders, ist das nicht zum Vorteil des Kunden.“

Rückvergütungen, in der Branche beschönigend Zuwendungen getauft, führen Regeln der Europäischen Union (EU) ad absurdum. Die EU hat Banken aufgetragen, Kundenorders zu bestmöglichen Konditionen ausführen zu lassen. Kunden einer Online-Bank wählen den Handelsplatz zwar eigenständig. Viele Banken stellen aber einen Platz in der Ordermaske nach oben – klickt der Kunde keinen anderen an, handelt er über den ersten. Bei Filialbanken gibt jeder dritte Kunde nicht vor, wo die Order ausgeführt werden soll. Dann entscheidet die Bank, formal nach EU-Regel. Doch für die zählt nicht, welchen Preis ein Einzelauftrag erzielt. Es reicht, dass der Handelsplatz normalerweise der beste ist.

Tricksen leicht gemacht

Banken erstellen daher Ranglisten auf Basis von Stichproben. Zu den Kriterien, die sie prüfen, gehören Preis, Gebühren und die Frage, wie schnell eine Order abgewickelt wird. Die Börse, die oben in der Liste steht, kriegt alle Aufträge – über Monate.

Nun liegt der Verdacht nahe, dass Banken nachhelfen, damit Orders an die für sie ertragreichste Börse gehen. Das ist einfach, denn Makler und Börsen erfahren „häufig aus gut informierter Quelle, wann Banken die Daten für ihre Ranglisten erheben. In der Zeit bieten Makler dann häufig bessere Preise, um im Ranking einer Bank nach vorne zu kommen“, sagt Weber. Insider bestätigen, schon gewusst zu haben, wann Banken Preise vergleichen. Zudem gewichten Banken Kriterien für ihre Liste. So müsste eine Bank nur Kosten hohes Gewicht beimessen, schon stünde eine Börse oben, an der Anleger gratis handeln – aber womöglich schlechtere Kurse bekommen.

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