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Wertverlust zum Börsenstart Apple verliert Milliarden Dollar binnen Minuten

Ein Wertverlust in Milliardenhöhe sorgt beim US-Konzern Apple für Verunsicherung: Zum Börsenstart brach der Kurs des iPhone-Herstellers schlagartig ein – ohne ersichtlichen Grund. Selbst Experten sind ratlos.

Der Apple Store an der 5th Avenue in New York: Der IT-Konzern verlor an der Börse rapide an Wert. Quelle: dpa

Der iPhone- und iPad-Hersteller Apple hat am Montag an der Börse ohne ersichtlichen Grund rund 40 Milliarden Dollar an Wert verloren. Die Aktien des gemessen am Börsenwert teuersten Unternehmens der Welt verloren in der Spitze 6,4 Prozent. Allein die Hälfte dieses Verlustes verzeichnete die Aktie kurz nach Börseneröffnung binnen einer Minute.

Da es am Montag keine gewichtigen Nachrichten zu Apple gab, spekulierten Händler über automatische Aktien-Verkaufsprogramme von Börsenprofis. „Wenn man solche Kursverläufe sieht, ist es klar, das Algorithmen im Spiel sind“, sagte etwa der auf Hochfrequenzhandel spezialisierte Börsenexperte Steve Hammer.

Kuriose Börsenpannen

Bei dieser Art von Handel führen Computerprogramme binnen Sekundenbruchteilen zahllose Aufträge aus. Für diese Ursache bei dem Apple-Kursrutsch spreche auch das hohe Handelsvolumen in der fraglichen Zeit, sagte Hammer. Neben Apple habe es zudem auch bei den Aktien von etwa 300 anderen Unternehmen kurz nach Börseneröffnung größere Preis-Schwankungen gegeben. Das spreche dafür, dass institutionelle Anleger Verkaufsprogramme gestartet hätten.

Wie der Computerhandel Börsencrashs auslöst
Chinas Aktienindex SSE ist am Freitag innerhalb von drei Minuten durch die Decke gegangen. Unzählige Kaufanfragen der Firma Everbright Securities trieben den SSE um 5,6 Prozent in die Höhe. Der Grund für die Börsenturbulenz war eine Computerpanne, die eine unbeabsichtigte Order auslöste. Am Ende des Tages schloss der SSE mit einem Verlust von 0,6 Prozent. Mittlerweile ermitteln die Aufsichtsbehörden in dem Fall. Es ist jedoch nicht das erste Mal in der Geschichte des Börsenhandels, dass Computer für unbeabsichtigte Käufe sorgen. Im Normalfall geht es für die Indizes dann jedoch nicht nach oben, sondern nach unten... Quelle: REUTERS
Ein Aktienmakler haelt sich an der Frankfurter Boerse die Haende vor das Gesicht, Quelle: AP
6. Mai 2010 14:30 bis 15:00 UhrComputerprogramme identifizieren eine Gewinnchance. Sie schicken massenweise Verkaufsaufträge an die New Yorker Börse, wo Käufer scheinbar überteuerte Preise zahlen. (Grafik: Maximaler Tagesverlust ausgewählter Aktien am 6. Mai 2010 in Prozent) Ausgeführt werden die Order jedoch zu den Preisen der tatsächlich vorliegenden, deutlich niedrigeren Kaufaufträge. Viele Verkaufsorder können mangels Käufern an der Wall Street gar nicht ausgeführt werden. Sie werden an andere Handelsplätze weitergeleitet. Eine Abwärtsspirale setzt ein. Bei einzelnen Aktien, wie bei der Unternehmensberatung Accenture, kommen mangels Käufern selbst niedrigste Kaufaufträge zu 0,01 Dollar zum Zuge. Diese Aktien sind kurzzeitig fast wertlos.
Accenture-Aktie, 6. Mai 2010 14:30 bis 15 UhrDie Aktie des Unternehmensberaters begann den Tag bei etwa 40 Dollar. Die Grafik der SEC-Ermittler verdeutlicht das Verhältnis von Kauf- zu Verkaufsaufträgen. Die grünen Balken oberhalb der Nulllinie stehen für Kauforder, die blauen Balken für Verkaufsorder. Die rote Linie steht für die Differenz aus ausgeführten Kauf- und Verkaufsaufträgen. Die dünne gestrichelte Linie markiert den Kurs der Accenture-Aktie. Nach wachsendem Verkaufsdruck bricht die Liquidität am Markt komplett ein. Die Accenture-Aktien sind im freien Fall, der Kurs sackt bis auf 0,01 Dollar ab, weil es keine Käufer gibt. Kurzeitig stehen weder Aktien auf der Kauf- noch auf der Verkaufsseite. Dann kehrt die Liquidität an den Markt zurück, der Kurs erholt sich.
6. Mai 2010 14:42 UhrVon 14:42:46 Uhr an zeigen die Kurssysteme der New Yorker Börse Daten nur noch zeitverzögert an, etwa für die General-Electric-Aktie (Grafik: Kauforder für die General-Electric Aktie in Dollar in New York und an der Computerbörse Nasdaq). Den Datenstau haben Computerhändler mit ungewöhnlich vielen stornierten Order verursacht. Laut Nanex stauen sich die Daten an der New Yorker Börse schon, wenn mehr als 20.000 Kurse pro Sekunde festgesetzt werden. Die veralteten Kursdaten sind jedoch mit der aktuellen Zeit versehen, so dass andere automatische Handelsprogramme sie für aktuell halten. Verglichen mit aktuellen Kauforder an anderen Börsen, etwa der Computerbörse Nasdaq, sind die Kaufaufträge an der New Yorker Börse am 6. Mai viel zu hoch.
Käufe und Verkäufe zu Preisen, die mehr als 60 Prozent unter dem eigentlichen Marktpreis liegen, werden später annulliert. Neben Aktien sind vor allem börsengehandelte Indexfonds (ETFs) betroffen (Grafik: Welche Wertpapiertypen am stärksten vom Flash Crash betroffen waren in Prozent). Da sie den Wert eines Aktienkorbs abbilden, hinkt ihr Preis den Kursen der einzelnen Aktien leicht nach. Das macht es Computern in Ausnahmesituationen wie am 6. Mai besonders einfach, auf weitere Kursverluste zu spekulieren.
6. Mai 2010 20:30 bis 20:45 UhrFast 1000 Punkte im Minus: Solch erdrutschartige Verluste musste der Börsenbarometer lange nicht erleiden - jedenfalls nicht in so kurzer Zeit. Zeitweise lag der Leitindex der größten Industriewerte Dow Jones Industrial (Kursverlauf am 6. Mai 2011 im Bild) neun Prozent im Minus. 862 Milliarden Dollar Börsenwert haben sich da in Nichts aufgelöst. Die Börsenaufsicht ist alarmiert, sie setzt den Handel von fünf Aktien zeitweise aus. Nach einer Viertelstunde war der Spuk vorbei.

Dagegen war der Konkurrent Microsoft mit einem Plus von 1,7 Prozent einer der Gewinner an der Tech-Börse Nasdaq.

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Die US-Börsen insgesamt mussten am Montag nur leichte Verluste hinnehmen. So lag der Leitindex Dow Jones 0,2 Prozent im Minus. Apple-Aktien erholten sich im Tagesverlauf von ihrem Tiefststand etwas und notierten mit 115,65 Dollar noch 2,8 Prozent unter ihrem Schlusskurs vom Freitag. Am Ende betrug der Abschlag 3,2 Prozent. Damit ist Apple an der Börse aber immer noch fast 700 Milliarden Dollar wert, so viel wie kein anderes notiertes Unternehmen der Welt.

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