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Wirecard Twittern wie Elon Musk

Markus Braun, der Vorstandsvorsitzende von Wirecard, macht auf Twitter den Elon Musk. Quelle: dpa

Der Vorstandschef des von Hedgefonds attackierten Zahlungsdienstleisters Wirecard treibt mit vagen Andeutungen den Aktienkurs nach oben. Er sollte das besser lassen. Ein Kommentar.

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Markus Braun macht den Elon Musk: Wie der Tesla-Gründer nutzt der Chef des umstrittenen Zahlungsdienstleisters Wirecard jetzt Twitter, um vermeintlich Erfreuliches über seine Aktie zu posten. Anders als Musk bleibt er dabei noch dezent-kryptisch: Er sei überzeugt, dass „der Markt“ sich in ganz naher Zukunft wieder auf die tolle Technologie und operative Performance von Wirecard konzentrieren könne, ließ er am Freitag vor dem Lunch die Welt wissen.

Seine Spin-Doktoren („eine mit dem Vorgang vertraute Person“) gaben dann der Nachrichtenagentur Reuters dezente Hinweise dazu, wie der Chef-Tweet zu interpretieren sei, nämlich im „Zusammenhang mit der internen Untersuchung des Vorwurfs angeblicher krimineller Machenschaften in der Niederlassung in Singapur.“

Anleger verstanden den Hinweis: „Sehr geehrter Herr Braun, vielen Dank für diesen „Leak“ (meine Interpretation), was den Ausgang der Ermittlungen angeht,“ bedankte sich ein Braun-Follower auf Twitter. Kaum war die frohe Botschaft in der Welt, arbeitete sich der Kurs der Aktie in einem insgesamt schwachen Markt ins Plus.

Das Gleiche hat Musk schon mehrfach geschafft. So kündigte er einen für Aktionäre lukrativen Rückzug von Tesla von der Börse an („Finanzierung gesichert“) und leakte geplante Tesla-Produktionszahlen („500.000 in diesem Jahr“). Der Tesla-Kurs reagierte ungleich heftiger als der von Wirecard. Aber Musk sagte ja auch viel klarer, was Sache ist, – und hat auf Twitter noch viel mehr Durchschlagskraft.

Seines Getwitters wegen hat Musk jetzt die US-Börsenaufsicht SEC am Hals. Braun aber fürchtet offensichtlich keinen Ärger mit der deutschen BaFin. Die stand ihm bisher eher hilfreich zur Seite, indem sie Hedgefonds, die auf einen fallenden Wirecard-Kurs wetteten, das Geschäft erschwerte – mit einer verschwurbelten Begründung („ernstzunehmende Bedrohung für die Finanzstabilität“), die bis heute niemandem an der Börse so richtig einleuchtet.

Den Shortseller Carson Block von Muddy Waters trieb das zu einem wütenden, aber nachvollziehbaren Ausfall gegen deutsche Aufsicht und Politik, der in dem Rat kulminierte, Musk solle Tesla doch lieber in Deutschland an die Börse bringen – da müsse er keinen Ärger mit der Aufsicht fürchten.

Wirecard selbst hat den Journalisten der „Financial Times“, die über die möglichen Manipulationen berichtet hatten, „unethische Berichterstattung“ vorgeworfen und will gegen die Zeitung rechtlich vorgehen. Damit sitzt Braun in einem Glashaus, aus dem er jetzt lustig Steinchen schmeißt. Auch wenn er sich juristisch abgesichert haben dürfte, dass sein Tweet so gerade noch legal ist, so ist dieser doch weder ethisch noch in Ordnung – genauso wenig, wie die Twitter-Ausfälle von Elon Musk.

Wenn ein Unternehmen eine Botschaft rüberbringen will, soll es das klar und fair tun, also in deutlicher Sprache und für alle Anleger gleichzeitig. Sonst bleibt der Verdacht, dass hier jemand es endlich seinen Kritikern zeigen oder – schlimmer – bewusst etwas für den Aktienkurs tun will. Der aber hat einen Vorstand erst mal nicht zu interessieren, auch wenn der selbst Großaktionär seiner Firma ist.

Wenn Braun schon weiß, dass die Kanzlei, die mögliche Manipulationen in Singapur untersucht, Wirecard entlasten wird, dann soll er es sagen. Hat er den Bericht dazu womöglich schon in den Händen, müsste Wirecard eine Ad-hoc-Mitteilung rausgeben. Alles andere wäre illegal – und darüber könnte auch die BaFin nicht so einfach hinweggehen.

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