WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Wirtschaft im Weitwinkel
Grüne Geldanlage sieht nicht nur hübsch aus, sie ist auch besonders profitabel - wenn man es richtig anstellt Quelle: imago images

Attraktive Investments für eine bessere Zukunft

Mark Haefele Quelle: PR
Mark Haefele Global Chief Investment Officer, UBS Global Wealth Management Zur Kolumnen-Übersicht: Wirtschaft im Weitwinkel

Ursula von der Leyen, Emmanuel Macron und weitere europäische Politiker haben den Kampf für eine nachhaltigere Zukunft ganz oben auf Ihre Agenda gesetzt. Für Investoren tun sich damit neue Investitionschancen auf.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Die Präsidentin der Europäischen Union Ursula von der Leyen setzte bei ihrem Amtsantritt den Kampf gegen den Klimawandel ganz oben auf ihre Handlungsliste. Die ehemalige deutsche Verteidigungsministerin will noch am Mittwoch Details für ihren „Green Deal für Europa“ vorlegen sowie Pläne, um die CO2-Emissionen in der EU bis 2030 um 50 Prozent gegenüber den Werten von 1990 zu reduzieren. 

Im Laufe des Jahres 2019 haben Politiker in ganz Europa den Druck für Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen verstärkt. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, erklärte den Kampf gegen den Klimawandel zu einer „missionskritischen“ Priorität ihrer Amtszeit. Die französische Regierung drängt unterdessen darauf, Standards für obligatorische Umweltberichte europäischer Unternehmen und einheitliche Definitionen für grüne Finanzprodukte einzuführen.

Dieses Thema wird auch 2020 viel zu reden geben und dürfte Maßnahmen nach sich ziehen. Es wird auch wesentliche Auswirkungen darauf haben, wie Anleger ihr Geld verwalten. Wird die grüne Agenda vorangetrieben, so dürften Unternehmen, die bezüglich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz eine Vorreiterrolle übernehmen oder sich mit Wasserknappheit befassen, eine wachsende Nachfrage verzeichnen. 

Die Nachfrage nach Green Bonds, deren Erlöse zur Finanzierung umweltfreundlicher Projekte dienen, dürfte im neuen Jahr, das vermutlich recht volatil wird, ebenfalls steigen. Die Anlageklasse bietet ähnliche Renditen wie traditionelle Anleihen, weist jedoch ein geringeres Engagement in zyklischen Sektoren und eine höhere durchschnittliche Kreditqualität auf als der breitere Investment-Grade-Markt.

Generell können Anleger ihr Kapital auf verschiedene Arten einsetzen, um an der Schaffung einer besseren Welt mitzuwirken, ohne dass sie dabei auf Ertragsaussichten verzichten. Die hohen Kapitalanforderungen der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung sind nur mithilfe von Privatanlegern zu erreichen. Hier bieten sich zahlreiche Chancen für attraktive Investments, die zu wichtigen Zielen beitragen können – von der Beseitigung der Armut und der Reduzierung der Ungleichheit bis zur Sicherstellung des Zugangs zu sauberem Wasser und hochwertiger Bildung. Anleger, die herkömmliche durch nachhaltige Anlagen ersetzen, können ihre Portfolios so ausrichten, dass sie an den wichtigsten Trends des nächsten Jahrzehnts partizipieren. 

Hierzu gibt es meiner Meinung nach vor allem drei Möglichkeiten: 

Erstens können Anleger in disruptive Unternehmen investieren, die das Potenzial haben, eine bessere Welt zu schaffen. Ein Beispiel dafür ist die wachsende Gruppe von Unternehmen, die an Gentherapien arbeiten, welche gut zum UN-Ziel Nummer 3 passen: „Gesundheit und Wohlergehen“. Studien ergaben eine bemerkenswerte Wirksamkeit bei der Behandlung bestimmter seltener Krankheiten in ausgewählten Patientengruppen. Am US-Markt wurden mittlerweile vier solcher Produkte eingeführt, die zusammen einen annualisierten Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar erzielen. Dank neuer Technologien wie CRISPR wurden sogar erstmals Therapien, die Genom-Editierung einsetzen, klinisch angewendet. In einem positiven Szenario können Anleger damit nicht nur signifikante finanzielle Renditen erzielen, sondern auch einen Beitrag zur Beseitigung einiger bisher unheilbarer Krankheiten leisten. 

Zweitens können Anleger in Unternehmen investieren, die in ihrer Branche bei der Bewältigung von Herausforderungen im Bereich Umwelt, Soziales und Governance (ESG) führend sind. Beispiele dafür sind unter anderem Gesundheitsunternehmen, die Medikamente in Schwellenländern erschwinglich machen, IT-Unternehmen, die den Energieverbrauch verringern und damit die CO2-Bilanz ihrer Rechenzentren reduzieren, sowie Industrieunternehmen, die innovative Praktiken für mehr Arbeitseffizienz und -sicherheit umsetzen. Aufgrund ihrer Vorreiterrolle bei diesen wichtigen Trends können solche Unternehmen beständigere Erträge erzielen als ihre Konkurrenten. 

Drittens können Investoren auf einen Ansatz mit „ESG-Engagement“ setzen. Dabei werden Unternehmen mit Potenzial für Verbesserungen bei ESG-Standards identifiziert und der Einfluss der Anleger zur Förderung von Best Practices genutzt. Beispiele hierfür sind etwa die Einflussnahme auf das Verhalten eines Bootsbauers, dessen Plastikabfälle im Meer landen, das Eintreten für eine Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika in der Massentierhaltung oder das Engagement für sicherere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie. Solche Maßnahmen tragen positiv zur Nachhaltigkeit bei und kommen auch den langfristigen Geschäftsaussichten der Unternehmen selbst zugute, da sie regulatorische und Reputationsrisiken verringern.

Engagement als eine Strategie, um Veränderungen herbeizuführen, hat in den letzten Jahren zunehmend an Dynamik gewonnen.

Immer mehr ESG-Datenanbieter stellen zusätzliche Informationen zur Nutzung von Stimmrechten bereit, Vermögensverwalter bauen ihre Stewardship-Teams aus und Anleger bilden zunehmend Aktionärskoalitionen. So repräsentiert die „Climate Action 100+"-Koalition verwaltete Vermögen von über 35 Billionen US-Dollar und kann zahlreiche Erfolge bei den 161 Unternehmen vorweisen, bei denen sie sich engagiert hat. Über 70 Prozent der Unternehmen haben sich verpflichtet, ihre Emissionen langfristig zu senken.

Politiker, Zentralbanken und Konsumenten setzen ihre Macht zunehmend dafür ein, eine nachhaltigere Zukunft zu schaffen. Anleger, die bei diesem Trend vorne mit dabei sind, dürften davon profitieren – im Wissen, dass sie ihr Kapital zur Schaffung einer nachhaltigeren Welt einsetzen.

Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%