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Xetra-Gold-Jubiläum „Goldenes Jahrzehnt“ in Deutschland

Das Edelmetall-Wertpapier der Deutschen Börse feiert sein Jubiläum auf dem Börsenparkett. Die riesigen Wachstumsraten zuletzt hängen auch mit einer steuerlichen Neubewertung des Papiers zusammen.

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Anleger des Wertpapiers können sich das Edelmetall auch ausliefern lassen. Quelle: obs

Frankfurt Die Börse ist die Heimat der Aktien. Doch in dieses Zuhause hat sich an diesem Mittwochmorgen auf dem Frankfurter Parkett ein Eindringling geschlichen: Mitten im Raum hat sich ein gut zwei Meter großer Goldbarren aufgebaut. Eine Warnung an alle Aktionäre, ihr Portfolio in der anhaltenden Aktienhausse besser mit Gold abzusichern? Gewissermaßen, auch wenn das nicht die eigentliche Absicht der Veranstalter ist.

Denn die Chefs der Deutschen Börse Commodities haben zum zehnjährigen Jubiläum von Xetra-Gold geladen. Sie sind in Feierlaune. Zum Sekt gibt es eine mehrstöckige Geburtstagstorte, überzogen mit einer schwarzen-Fondant-Decke und – natürlich – goldenen schimmernden Highlights.

Gold ist wieder gefragt. Die Mischung aus geopolitischen Risiken – der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA oder die zunehmenden Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, um nur zwei zu nennen – niedrigen Zinsen und hohen Aktienkursen lassen Anleger wieder vermehrt auf das Edelmetall schauen. „Jedes Mal, wenn Nordkorea eine neue Rakete getestet wird, merken wir das bei den Käufen“, sagt ein Goldhändler auf dem Parkett. Und natürlich ist auch Michael König, einer der beiden Co-Chefs der Deutschen Börse Commodities, überzeugt: „In der heutigen Zeit muss sich jeder kritische Anleger Gedanken über Gold als Portfolio-Absicherung machen.“

Dass sich zunehmend Menschen tatsächlich mit Goldkauf beschäftigen, bestätigen die Zahlen für Xetra-Gold: Erst 2007 im Markt gestartet ist das Wertpapier heute mit gut 170 Tonnen Gold hinterlegt und stellt damit den Großteil der 250 Tonnen in Wertpapieren, die der World Gold Council in Deutschland zählt.

Wer Xetra-Gold kauft, bekommt ein Wertpapier, mit dem er an der Goldpreisentwicklung teilhaben kann. Genau genommen ist Xetra-Gold eine Inhaberschuldverschreibung, bei der der Wert eines Anteilsscheins einem Gramm Gold entspricht. Das Edelmetall hinterlegt die Deutsche Börse in ihrem Zentraltresor für Wertpapiere.

Wer möchte, kann sich das Gold auch liefern lassen. Das kostet allerdings: Ein Kilogramm – das aktuell einen Wert von rund 35.000 Euro hat – kann ab 315 Euro ausgeliefert werden. Immerhin rund 965 Mal haben Anleger laut Deutscher Börse davon Gebrauch gemacht und sich insgesamt 4,8 Tonnen Gold ausliefern lassen. Nach Hessen (24,7 Prozent) und Bayern (27,1 Prozent) ging mehr als die Hälfte davon.

Ursprünglich wollte die Deutsche Börse mit der Option die Glaubwürdigkeit für ihr Produkt erhöhen. „Dass Anleger sich das Gold tatsächlich so häufig ausliefern lassen, hätten wir damals nicht gedacht“, sagt Steffen Orben, der zweite Co-Chef der Deutschen Börse Commodities.

Vor allem in den vergangenen beiden Jahren hat die Nachfrage nach dem Wertpapier einen regelrechten Boom erlebt. Lagerten zu Jahresbeginn 2016 noch knapp 60 Tonnen im Tresor der Deutschen Börse, müssen heute fast 180 Tonnen dort Platz finden.

Die höhere Nachfrage hängt auch mit einer steuerlichen Neubewertung des Wertpapiers zusammen: Im September 2015 hatte der Bundesfinanzhof bekannt gegeben, dass Gewinne aus der Veräußerung oder Einlösung von Xetra-Gold nach einer Mindesthaltedauer von einem Jahr nicht unter die Abgeltungssteuer fallen. Somit gelten die gleichen steuerlichen Grundsätze wie beim Handel mit Gold-Barren oder -Münzen.


Kaum eine andere Nation kauft Gold so zuverlässig wie Deutschland

Auch Hauke Stars, Vorständin der Deutschen Börse, die die Geburtstagsrede hielt, lobt den Erfolg des Produkts, das einst das erste Wertpapier war, dass die Deutsche Börse selbst begeben hat. Das Wachstums-Tempo der vergangenen beiden Jahre wird Xetra-Gold aber kaum halten können: Die steuerliche Neubewertung hat dazu geführt, dass viele Institutionelle das Wertpapier in ihr Portfolio aufgenommen haben. Ähnliche Ereignisse stehen nicht an. Und letztlich gehe es ja „nur“ um Gold, räumt sogar Co-Chef Orben ein.

Was zunächst klingt, als rede einer sein eigenes Produkt klein, hat nüchterne Hintergründe: Der Goldpreis und die Nachfrage hängt von einer Vielzahl nicht beeinflussbarer Faktoren ab – der Geopolitik oder der Zinspolitik der Notenbank. Außerdem zahlt Gold weder Zinsen noch Dividenden.

Das Edelmetall gilt unter Anlegern vielmehr als eine Versicherung ihres Depots gegen schwankende Kurse und in unsicheren Zeiten. In diesem Jahr war Gold stärker gefragt, was sich auch im Preis widerspiegelt. Kostete Gold zu Jahresbeginn noch knapp 1170 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), sind es heute wieder knapp 1300 Dollar. Joe Foster, Goldexperte beim amerikanischen Fondshaus VanEck, rechnet auch langfristig mit einem stärkeren Goldkurs. Einen Grund dafür sieht er im „stark fortgeschrittenen Wirtschaftszyklus“ und „damit einhergehenden finanziellen Risiken“.

Goldhändler in Deutschland – egal ob von der Deutschen Börse oder jene mit physischem Abverkauf – müssen sich kaum Gedanken über ihr Geschäft machen. Laut dem World Gold Council gibt es kaum eine andere Nation, die so zuverlässig Gold kauft wie die Deutschen. Im vergangenen Jahr war Deutschland gemessen an den Pro-Kopf-Käufen sogar Goldweltmeister. 1,4 Gramm kauften Deutsche im Schnitt und lagen damit deutlich vor den Türkei auf Rang zwei, die auf 0,9 Gramm kommen. Rang drei teilen sich China und die USA mit 0,7 Gramm.

Die vergangenen zehn Jahre seien ein „Goldenes Jahrzehnt“ in Deutschland gewesen, befindet der World Gold Council. Gold in Wertpapieren spielte dabei zwar eine bedeutende Rolle. Noch immer aber bevorzugen die Deutschen physisches Gold in Form von Münzen oder Barren.

Kein Wunder also, dass der zwei Meter große Goldbarren auf dem Parkett der Deutschen Börse zahlreiche Blick auf sich zog. Doch die innerlichen Werte können in diesem Falle nicht mit den äußerlichen mithalten: Nur auf der Oberfläche wurde das Plastik-Monster mit einer feinen Goldschicht überzogen. Alles andere wäre in dieser Größe ohnehin fast unbezahlbar.

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