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Zertifikate Die zehn Top-Unternehmenszertifikate

Nicht jede Aktie steigt. Wer ein gutes Händchen hat und den Markt richtig einschätzt, verzichtet auf diese Papiere: Mit Zertifikaten kann man mehr herausholen, als mit den Originalaktien.

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Linde-Tank Quelle: dpa

Wäre der Dax in den vergangenen zehn Jahren so gut gelaufen wie Linde, würde er jetzt bei 11 000 Punkten stehen und nicht bei 6800. Der Industriegase-Spezialist, der sein Kerngeschäft gerade um medizintechnische Gase erweitert, wird dank lebhafter Aufträge aus Asien in diesem Jahr so viel verdienen wie noch nie. Linde gehört zu unseren Favoriten im Dax.

Gut zu wissen, denn: „ Nur wer eine klare Meinung zu dem Basiswert hat, auf den sich ein Zertifikat bezieht, kann sich erfolgreich auf die Suche nach Zertifikaten machen“, sagt Wolfgang Pieper, Vermögensverwalter aus Osnabrück.

Chartgalerie: Zertifikate auf ausgewählte Dax-Aktien

Zertifikate auf ausgewählte Dax-Aktien

Bei mehr als 850 000 verschiedenen Papieren, die Banken anbieten, fällt die Suche nach dem passenden ohnehin nicht leicht. Doch wer sich auf die wichtigsten Zertifikatetypen konzentriert und bei der Markteinschätzung ein gutes Händchen hat, kann mit diesen Papieren sogar mehr herausholen als mit Originalaktien.

Long: Gewinn vervielfachen

Die guten Aussichten für Linde machen Appetit auf mehr. Geeignetes Vehikel sind Longzertifikate. Sie versprechen bei niedrigerem Kapitaleinsatz einen höheren Gewinn als die Aktie – wenn diese denn tatsächlich steigt. Statt 126 Euro in eine Linde-Aktie zu stecken, kann man für rund 41 Euro zehn Longpapiere auf Linde ordern. Die 41 Euro ergeben sich aus dem Aktienkurs (126 Euro) minus dem Basispreis der Zertifikate (rund 85 Euro). Der Basispreis ist eine Art Nullpunkt, von dem aus der Wert des Zertifikats berechnet wird.

Steigt die Aktie um 20 Euro auf 146 Euro, macht der Anleger 16 Prozent Gewinn. Die Zertifikate klettern, parallel zur Aktie, ebenfalls um 20 Euro. Da der Anleger aber nur 41 Euro eingesetzt hat, bringen die zehn Zertifikate 49 Prozent Gewinn, dreimal so viel wie die Aktie. Die Vervielfachung funktioniert allerdings auch in die andere Richtung: Fällt die Aktie um 20 Euro, steht sie bei 106 Euro; gleich 16 Prozent Verlust. Das Zertifikat aber geht auf rund 20 Euro zurück, halbiert sich also. Fällt die Linde-Aktie unter den Basispreis bei 85 Euro, geht das Zertifikat k. o., es wird wertlos. Die Aktie dagegen könnte sich, und sei es in einigen Jahren, wieder erholen.

Hebelpapiere sollte nur einsetzen, wer fest mit einem steigenden Kurs des Basiswerts rechnet. Zudem sollte genügend Luft zwischen dem Aktienkurs (126 Euro) und dem Basispreis des Zertifikats (85 Euro) sein. In unserem Beispiel sind es 41 Euro gleich 33 Prozent des Aktienkurses. Wer weniger als 20 Prozent wählt, geht ein hohes K.-o.-Risiko ein. Ein weiterer Longkandidat ist Softwareanbieter SAP.

Mit Bonuszertifikaten Rückschläge abfedern


Lufthansa Check-In Quelle: dapd

Drohen Rückschläge, werden Longzertifikate zu riskant. Beispiel Fresenius: Mit den Sparten Nierenwäsche, Kliniken und Infusionslösungen deckt der Gesundheitskonzern den Bedarf der älter werdenden Bevölkerung. Das stützt das langfristige Wachstum und die grundlegende Aufwärtsbewegung der Aktie. Kurzfristig sind aber Rückschläge möglich, etwa wegen » » der vergleichsweise hohen Bewertung der Aktie oder Änderungen in der Gesundheitspolitik, die zu schwankenden Erlösen im Dialysegeschäft führen können.

Abhilfe versprechen Bonuszertifikate. Diese Papiere funktionieren wie folgt: Fällt die Aktie nur so viel, dass sie oberhalb eines bestimmten Kursniveaus (Barriere) bleibt, gibt es zur Fälligkeit den Einsatz und eine gute Rendite zurück. Steigt die Aktie, zieht das Zertifikat mit. Rückschläge lassen sich abfedern, zugleich ist man in der Hausse dabei. Selbst Dividende gibt es, sie ist im Kurs mit eingerechnet.

Der Haken: „Bonuszertifikate mit kontinuierlichen Barrieren sehen wir kritisch, da bei starken Kursrückgängen der Aktie die Barriere des Zertifikats gerissen werden kann, das Versprechen auf die Rendite verloren geht und hohe Verluste entstehen“, warnt Michael Hinz, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung MPF aus Wuppertal. Diese Schwachstelle lässt sich zum Teil mit Bonus-Pro-Zertifikaten umgehen. Die Barriere, bei der die Bonuszahlung in Gefahr gerät, gilt hier nicht über die gesamte Laufzeit, sondern nur drei Monate vor Fälligkeit. Bei den in der Tabelle genannten Bonus-Pro-Zertifikaten bekommen Anleger, wenn die Barriere in den letzten drei Monaten unterschritten wird, pro Zertifikat eine Aktie zum dann aktuellen Kurs. So besteht auch nach Laufzeitende die Chance, Verluste via Aktie aufzuholen. Attraktiv ist diese Variante auch bei Daimler.

Discounts: Mit Rabatt kaufen

Discounts ermöglichen den Kauf einer Aktie mit Rabatt, dafür ist der Kursanstieg begrenzt. Profis schätzen das. „Wir setzen auf diese Papiere, um in seitwärts tendierenden oder leicht fallenden Aktienmärkten eine Rendite zu erzielen“, sagt Vermögensverwalter Pieper. Wie sie funktionieren, zeigt ein Discount auf die Münchener Rück, einem geeigneten Basiswert für diese Zertifikate. Die Münchner versprechen 2012 einen starken Gewinnanstieg; andererseits kann es nach großen Katastrophen zu heftigen Kurseinbrüchen kommen.

Derzeit kostet die Aktie 110 Euro. Einen Discount mit einjähriger Restlaufzeit gibt es für 93,70 Euro, also 15 Prozent billiger. Um diese 15 Prozent könnte die Aktie fallen, ohne dass der Zertifikatekäufer Verlust macht. Fällt sie tiefer, ist er etwa eins zu eins beim Verlust dabei. Nach oben ist bei einem Zertifikatekurs von 105 Euro der Deckel drauf, also nach zwölf Prozent plus. Um diesen Gewinn zu holen, genügt es, wenn die Aktie zur Fälligkeit des Zertifikats bei 105 Euro notiert. Discounts eignen sich für Aktien, die weder starke Kursaufschläge noch -abschläge erwarten lassen. Auch Henkel bietet sich hier an: Das Klebstoffgeschäft läuft zäh, der Spezialchemiker könnte aber von einer stabileren Konjunktur im zweiten Halbjahr profitieren.

Zins kassieren mit Aktienanleihen


Deutsche Post Quelle: dpa

Diese Zertifikate bieten, wenn alles planmäßig läuft, Rückzahlung zu 100 Prozent und einen hohen Kupon. Bei der Lufthansa-Aktienanleihe etwa sind es 7,5 Prozent. Die Airline leidet zwar unter hohen Treibstoffpreisen, doch die Aktie dürfte dies nach ihrem Rückgang verarbeitet haben.

100 Prozent (gleich 1000 Euro pro Zertifikat) zurück gibt es, wenn die Lufthansa zur Fälligkeit des Zertifikats in 13 Monaten mindestens bei 8,70 Euro steht. Sie kann also um 17 Prozent fallen. Notiert die Lufthansa unter 8,70 Euro, erfolgt die Rückzahlung über eine bestimmte Anzahl von Aktien zum dann niedrigeren Kurs. In unserem Fall sind es 11,49 Papiere (elf Papiere physisch und 0,49 Aktien bar). Beim Kurs von 7,00 Euro gäbe es 804,30 Euro. Gemessen am Kaufkurs von 986,00 Euro wären das 18 Prozent Verlust. Das kann selbst der 7,5-Prozent-Kupon nicht ausgleichen.

Als Basis für Aktienanleihen eignet sich auch Siemens. Die letzte Prognose hatte der Aktie einen Dämpfer versetzt. Sie ist nicht zu teuer und sollte sich in einem freundlicheren Konjunkturumfeld halten.

Short: Am Absturz verdienen

Wer auf fallende Kurse wetten will, kauft Shortzertifkate. Anders als bei Longpapieren liegt deren Basispreis über dem aktuellen Aktienkurs.

Börse



Wie eine solche Baisse-Spekulation ablaufen kann, zeigt ein Short auf die Deutsche Post. Neben RWE (hier drücken Risiken im Strom- und Gasgeschäft) gehört die Post zu den wackligen Dax-Titeln. Der Kursanstieg im Zuge des Übernahmekampfs um den Rivalen TNT ist überzogen, der amerikanische Angreifer UPS könnte der Post gefährlich nahe kommen.

Bei Aktienkursen von 13,40 Euro kosten Shortzertifikate mit Basispreis bei 17,50 Euro etwa 4,10 Euro. Sinkt die Post-Aktie auf 10 Euro, wären das 25 Prozent Verlust in der Aktie. Das Zertifikat würde auf über 7,00 Euro klettern, könnte sich also fast verdoppeln. Sollte die Post doch nach oben durchziehen, wäre das Zertifikat ab rund 17,50 Euro wertlos.

So weit sollte man es nicht kommen lassen. „Anleger sollten ihre Zertifikate nicht grundsätzlich bis zur Fälligkeit behalten, sondern sie mit Stop-Loss absichern“, rät Vermögensverwalter Hubert Thaler aus Starnberg. Bei Unterschreiten dieser Marke sollte verkauft werden, entweder vom Anleger oder automatisch durch die Bank.

Bei den moderaten Varianten – Discounts, Bonus, Aktienanleihe – ist ein Stop- Loss 15 Prozent unter Einstiegsniveau angemessen. Long- und Shortzertifikate vertragen bis zu 20 Prozent Abstand zum aktuellen Zertifikatekurs. Deren Einsatz sollte begrenzt bleiben. Mehr als ein Prozent des Depotwerts in einem Papier ist zu riskant.

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