Zins- und Konjunktursorgen Die Rezessionsangst geht um: So reagieren Europas Börsen

Quelle: dpa

Die Zins- und Konjunktursorgen belasten die Börsen. Auch die Wiederwahl des französischen Präsidenten Macron konnte die Stimmung kaum aufhellen.

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Der Verkaufsdruck an den europäischen Finanzmärkten lässt nicht nach. Dax und EuroStoxx50 fielen am Montag um 1,6 Prozent auf 13.916 Punkte beziehungsweise um 2,3 Prozent auf 3753 Zähler. „Die Börsen belastet die Angst, dass die zur Bekämpfung der hartnäckigen Inflation notwendigen Zinserhöhungen den Konjunkturmotor, der erst durch die Corona-Pandemie und dann durch den Krieg in der Ukraine ins Stocken geraten ist, endgültig abwürgen“, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. „Es scheint jetzt nicht mehr die Frage, ob, sondern nur noch wie stark eine Rezession in Europa ausfallen wird. Und selbst für die noch relativ stabile US-Wirtschaft ist ein solches Szenario nicht mehr ausgeschlossen.“

Ein weiterer Belastungsfaktor waren Corona-Lockdowns in Dutzenden chinesischen Städten. Die dadurch geschürten Nachfragesorgen spiegelten sich in den Kursverlusten der Rohstoffe nieder, sagte Stephen Innes, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter SPI. Neue Konjunkturhilfen der Regierung in Peking seien dennoch nicht in Sicht. Das Industriemetall Kupfer verbilligte sich um zwei Prozent auf 9905 Dollar je Tonne und die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 4,4 Prozent auf 101,98 Dollar je Tonne.

Fader Beigeschmack bei Macrons Sieg – Ifo bietet Lichtblick

Selbst die Wiederwahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hellte die Stimmung kaum auf. „Dass über 40 Prozent der Wähler einer Europa-Gegnerin ihre Stimme gaben, bedeutet, dass spätestens alle fünf Jahre in Frankreich ein erhebliches Event-Risiko für den Euroraum und seine Gemeinschaftswährung anstehen wird“, warnte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Außerdem steige die Wahrscheinlichkeit, dass nach der US-Notenbank Fed und der Bank von England (BoE) auch die Europäische Zentralbank (EZB) bald die Zinswende einleitet, gab Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank, zu bedenken.

Vor diesem Hintergrund flohen Investoren in „sichere Häfen“ wie die Weltleitwährung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um bis zu 0,7 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 101,75 Punkten. Die Nachfrage nach Bundesanleihen drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 0,894 Prozent.

Zu den wenigen positiven Nachrichten des Tages zählte der überraschende Anstieg des Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. „Der erste Kriegsschock scheint sich etwas gelegt zu haben, aber angesichts der Vielzahl bestehender Risiken scheint es zu früh, bereits vom Beginn einer Trendwende zu sprechen“, warnte LBBW-Analyst Elmar Völker.

Philips und Valneva auf Talfahrt

Am Amsterdamer Aktienmarkt fielen die Titel von Philips nach einem enttäuschenden Quartalsergebnis um bis zu elf Prozent auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 25,04 Euro. Austausch und Reparatur der fehlerhaften Beatmungsgeräte kosteten die Medizintechnik-Firma mehr als gedacht, monierten die Analysten der Bank JPMorgan. Darüber hinaus habe sich das US-Justizministerium in die Angelegenheit eingeschaltet. Ihre Kollegen der Credit Suisse wiesen darauf hin, dass Philips allein dank Lizenzeinnahmen beim operativen Ergebnis die Erwartungen leicht übertroffen habe.

Unter Verkaufsdruck gerieten auch die Papiere von Valneva, die sich in Paris um mehr als 14 Prozent verbilligten. Die EU-Zulassung des Coronavirus-Vazins der Pharmafirma wird sich wohl verzögern, weil die Arzneimittel-Agentur EMA weitere Informationen angefordert hat. Dieser Totimpfstoff, der mit Hilfe jahrzehntelang bewährter Verfahren hergestellt wird, könnte Experten zufolge diejenigen zu einer Impfung bewegen, die den neuartigen mRNA-Vakzinen von BioNTech & Co skeptisch gegenüberstehen.

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