Zinsentscheid und Börse Notenbank-Sitzungen als Gewinngarant

Offenbar wurde die Wirkung der US-Notenbank bislang unterschätzt. Nun verblüfft eine Studie: Wer stur nach dem Takt der Zinsentscheidungen der Fed investiert hat, übertraf die Märkte deutlich.

An der New Yorker Börse werden die Nachrichten, die Notenbank-Chefin Janet Yellen überbringt, mit Hochspannung verfolgt Quelle: AP

Eine Studie belegt die Bedeutung der Notenbanken für die Börse über das bekannte Maß hinaus. Die US-Wirtschaftswissenschaftlerinnen Anna Cieslak, Adair Morse und Anette Vissing-Jørgensen haben die Wirkung der Zinssitzungen der US-Notenbank Federel Reserve (Fed) auf den Aktienmarkt untersucht und ein erstaunliches Muster entdeckt. Demnach richten sich die Börsenwochen mit positiver Entwicklung in ihrem Takt nach den Sitzungsterminen der Fed.

Wie das Wall Street Journal berichtet, hätten Anleger, die sich daran orientieren und nur den breiten Börsenindex S&P 500 kauften und wieder verkauften, in den vergangenen 20 Jahren die Märkte geschlagen. Während sie mit dem S&P 500 seit 1994 eine Gesamtrendite von rund 505 Prozent erzielt hätten, hätte die Strategie der US-Wissenschaftlerinnen im gleichen Zeitraum stolze 650 Prozent Rendite gebracht.

Die Gewinner und Verlierer am Aktienmarkt
GewinnerBorussia Dortmund: 22 Prozent Der einzige börsennotierte Fußballklub Deutschlands ist nicht nur sportlich erfolgreich, sondern auch wirtschaftlich. Im Juni ist die Aktie in den SDax aufgerückt, nicht zuletzt, weil sich der Börsenwert in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt hat. Quelle: dpa
RWE: 23 ProzentDie Aktie des deutschen Energieversorgers ist wieder im kommen, von dem starken Abwärtstrend um 60 Prozent zwischen Anfang 2010 und September 2013 ist fast nichts mehr zu spüren. Warum? Das Investment ist durch eine günstige Bewertung und eine gute Dividendenrendite wieder attraktiv. Allerdings ist es unklar, ob das auf Dauer so bleiben wird. Quelle: dpa
Fielmann: 25 ProzentDas Unternehmen ist der Marktführer im Bereich
Xing: 27 Prozent Das Unternehmen ist seit 2006 an der Börse und seit September 2011 im TecDax notiert - es gibt nicht viele soziale Medien, die am deutschen Aktienmarkt gehandelt werden. Das Netzwerk für berufliche Kontakte hat eine relativ gute Bewertung. Quelle: dpa
Hornbach: 28 ProzentEs wird vermutet, dass die Baumarktkette ihren Geschäftsblick für das laufende Jahr noch anheben wird. Denn das Unternehmen ist gut unterwegs: Alleine im ersten Quartal 2014 konnte der Umsatz um 16 Prozent auf eine Milliarde Euro gesteigert werden. Quelle: dpa
Sixt: 32 ProzentMieten ist attraktiver als kaufen - davon profitiert das Unternehmen. Außerdem gibt es zwei weitere Punkte, warum Sixt so erfolgreich ist: Das internationale Geschäft wird wichtiger und der Limousinenservice
Kuka: 33 ProzentIndustrietaugliche Roboter bescheren dem Unternehmen einen Vorsprung gegenüber den Wettbewerber. Die hohe Bewertung wird auch durch Gerüchte um den Einstieg eines anderen Unternehmens angeheizt. Quelle: dpa

Damit das klappt, hätten Anleger sich stoisch an den Fed-Sitzungen orientieren müssen. Die finden unregelmäßig achtmal im Jahr statt und orientieren sich nicht an anderen börsenrelevanten Terminen oder Ereignissen. Die konkreten Termine werden lange vorher angekündigt. So war die jüngste Fed-Sitzung am 18. Juni, die nächste folgt am 30. Juli. Die erste Börsenwoche mit positiver Performance beginnt am Tag vor dem Treffen. Von da an müsste der Anleger jede zweite Woche investieren. Der Anleger kauft also am Tag vor der Sitzung den S&P 500 und verkauft ihn nach einer Woche wieder. Diesem Rhythmus folgt er bis zur nächsten Fed-Sitzung. Die damit überdurchschnittlich Performanca soll auch auf internationalen Aktienmärkten anzutreffen sein.

Laut Studie ist dieser Rhythmus erstaunlich stabil und statistisch selbst dann noch eindeutig, wenn der 20-jährige Betrachtungszeitraum in drei Perioden geteilt wird. Während in den geraden Woche nach dem Fed-Treffen die Performance zwischen einem Drittel und zwei Drittel Prozentpunkten überdurchschnittlich ist, bleibt sie in den ungeraden Wochen um einen Sechstel Prozentpunkt unterdurchschnittlich.

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Über die Ursache für diesen statistisch eindeutigen Zusammenhang zwischen den Zinsentscheidungen der US-Notenbank und der Entwicklung der Aktienmärkte können auch die Wissenschaftlerinnen nur spekulieren. Ihre Vermutung: Beim Treffen der Zentralbank-Gouverneure, das alle zwei Wochen stattfindet und die über den Diskontzinssatz entscheidet sowie die Geld- und Wirtschaftspolitik berät, dringen Informationen in die Finanzwelt, die an den Märkten für zusätzliche Gewissheit über die künftige Geldpolitik sorgen. Ein wissenschaftlicher Beweis dafür steht allerdings aus.

Auch wenn die Autorinnen der Studie betonen, dass die Zusatzgewinne in den geraden Wochen des Fed-Kalendars ungewöhnlich stark und statistisch eindeutig ausfielen, muss es in der Zukunft jedoch nicht immer so weitergehen. Auch ein statistischer Zufall ist nicht gänzlich auszuschließen.

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