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Zinsentscheid Was bei der Fed-Sitzung wichtig wird

Die US-Notenbank Fed entscheidet über den Leitzins, Präsidentin Janet Yellen könnte mit ihrer Wortwahl eine Änderung der Zinspolitik einleiten. Worauf bei ihrer Rede zu achten ist.

Fed-Chefin Janet Yellen. Quelle: AP

Es wird ein vorweihnachtliches Beisammensein. Am Mittwoch verkündet die US-Notenbank Fed das letzte Mal in diesem Jahr ihre Leitzinsentscheidung. Von vorweihnachtlicher Ruhe kann allerdings keine Rede sein.

Obwohl die Zentralbank ihre Anleihekäufe Ende Oktober beendet hat, lauschen Händler und Analysten weiterhin auf jedes Wort von Fed-Chefin Janet Yellen. Zum Jahresende dürfte sich vieles um die Konjunktur drehen.

Denn eigentlich läuft es für die US-Wirtschaft immer besser. Auch die Verbraucher vertrauen dem Anstieg und haben für den Auftritt von Santa Claus kräftig eingekauft.

Die Umsätze der amerikanischen Einzelhändler sind schon im November deutlich stärker angestiegen als erwartet. Auch für das kommende Jahr rechnen viele Analysten damit, dass die US-Wirtschaft global eine Vorreiterrolle einnimmt und stärker wachsen wird als beispielsweise die deutsche Volkswirtschaft.

Biografische Daten der Fed-Chefin

Diese positive Entwicklung macht die Fed-Entscheidung besonders interessant. Zum Beispiel aufgrund der Arbeitslosigkeit.

Denn die Quote lag zuletzt auf einem Sechs-Jahres-Tief bei 5,8 Prozent, allein im November entstanden 321.000 neue Jobs. Damit ist der Aufschwung auch auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Entsprechende Lohnzuwächse könnten auch die Inflation steigern.

Je schneller das geht, desto eher könnte die Fed über Zinserhöhungen nachdenken. Denn zunächst hatte die Fed eine Zinserhöhung an die Arbeitslosenquote gekoppelt - solange die über 6,5 Prozent lag, sollte der Zins nicht steigen. Die Hürde ist genommen.

Jetzt dürfte es dagegen auf die gesamtwirtschaftliche Situation und die Inflationserwartungen ankommen, wenn es um den Zeitpunkt der Zinserhöhung geht. Noch liegt die Inflation bei 1,4 Prozent und damit unter dem Stabilitätsziel der Fed von rund zwei Prozent. Kommt die Wirtschaft stärker in Schwung, dürfte sie sich dem Zielwert aber immer schneller annähern.

Umso gespannter warten die Beobachter darauf, ob die Fed ihre Aussage beibehalten wird, sie werden noch für "eine beträchtliche Zeit" am Niedrigzins zwischen null und 0,25 Prozent festhalten. Anleger hoffen auf konkretere Hinweise, wie lange diese beträchtliche Zeit sein wird.

So könnte die Notenbank schrittweise von dieser Wortwahl abrücken, der New Yorker Fed-Präsident William Dudley hatte die Formulierung zuletzt bereits durch "Geduld" ersetzt. Eine Mehrheit der von Bloomberg befragten Ökonomen erwartet zumindest, dass die Notenbank zumindest verbal eine Änderung ihrer Zinspolitik einleiten wird.

Schon beim letzten Zinserhöhungszyklus im Jahr 2004 hatten diese Nuancen in der Wortwahl erste Anzeichen auf einen Kurswechsel gegeben. Fünf Monate nachdem damals der Wortlaut auf "geduldig" geändert wurde, stieg der Leitzins.

Gegen eine baldige Zinserhöhung spricht allerdings der sinkende Ölpreis. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, allein in den vergangenen vier Wochen brach der Preis für das schwarze Gold um rund ein Viertel ein.

Das drückt auf das Preisniveau - Bundesbank-Chef Jens Weidmann erklärte in dieser Woche erstmals, dass die Inflationsraten auch unter die Null-Linie rutschen könnten. Hauptgrund dafür ist die Entwicklung des Ölpreises.

Für die USA hat der Preisfall weitere Folgen. Je billiger Öl wird, desto weniger lohnt sich die teure Schiefergasförderung, genannt Fracking. Damit sind die USA zu einem wichtigen Ölproduzenten geworden, jetzt leiden vor allem die Unternehmen, die mit Fracking Erdöl aus Schiefergas herauslösen.

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Auch die Entwicklung der Weltkonjunktur spricht nicht unbedingt für eine rasche Zinserhöhung, Analysten und Börsianer erhoffen von der Fed auch einen Kommentar zur Situation in Russland. Die dortige Währungskrise trifft auch US-Unternehmen hart, Apple beispielsweise hat bereits reagiert und seinen Online-Shop vorerst eingestellt. Nicht nur für deutsche Handelskonzerne wie Metro oder Obi wird der Rubel-Einbruch immer mehr zum Albtraum.

Auch das Verhalten ihrer europäischen Kollegen könnte die Entscheidung der Fed beeinflussen. Viele Beobachter rechnen damit, dass die EZB im Frühjahr beginnt, Staatsanleihen zu kaufen.

Ein solches Anleihekaufprogramm, im Fachjargon Quantitative Easing genannt, würde den Euro schwächen und den Dollar entsprechend stärken. So kann die USA billiger importieren, die stärkere Währung hat eine dämpfende Wirkung auf das Preisniveau.

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