Zinserhöhung Investoren verdauen die Fed-Entscheidung gut

Die historische Erhöhung der Leitzinsen in den USA sorgt für Entspannung an den weltweiten Finanzmärkten. Zu diesem Ergebnis kommt der Welt-Systemstressindex.

Zinserhöhung Quelle: AP

Nach der Zinserhöhung in den USA atmen die weltweiten Finanzmärkte auf: Das signalisiert der Welt-Systemstressindex, den das Kölner Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) für die WirtschaftsWoche berechnet.

„Die erste Zinserhöhung in den USA ist kein Schreckgespenst“, sagt IfK-Chef Markus Zschaber. Die zwölf Stunden nach der Zinserhöhung zeigen laut Zschaber ein steigendes Vertrauen an den internationalen Finanzmärkten. Dieses mache sich insbesondere bemerkbar durch niedrigere Risikoprämien an den Derivatemärkten und fallende Zinsdifferenzen an den Anleihemärkten.

Stimmen zur Zinswende der Fed

Der IfK-Stressindex bewegte sich unmittelbar nach der amerikanischen Zinsentscheidung von -40 Punkten im November auf -48 Punkte weiter in den positiven Bereich, der Entspannung signalisiert. Der Systemstressindex stellt eine Fieberkurve der Weltfinanzmärkte dar und ist in eine dreistufige Skala unterteilt: Im unteren Bereich mit den Werten minus 100 bis minus 20 sind die Finanzmärkte entspannt, krisenhafte Entwicklungen auf den Finanz- und Gütermärkten nicht in Sicht. Die Zone zwischen minus 20 und plus 20 steht für mittleren Stress. Hier besteht zwar noch keine akute Gefahr, aber die Finanzmärkte befinden sich schon in einem Zustand nervöser Anspannung, in dem weitere schlechte Nachrichten schnell die nächste Krise ausbrechen lassen können. Der Indikator steigt dann in den Hochdruckbereich auf Werte zwischen plus 20 und plus 100.

Der Index soll die Ansteckungsgefahr messen, die von Krisen im Finanzsystem auf die Realwirtschaft ausgehen. Er berücksichtigt weltweit 6500 finanzielle und konjunkturelle Indikatoren, darunter Aktien- Währungs- und Rohstoffkurse sowie Zinsen auf Staats- und Unternehmensanleihen oder die Kosten für Versicherungen gegen Kreditausfälle. Je volatiler die Daten sich entwickeln, also je stärker sie schwanken, desto höhere Ansteckungsgefahr signalisiert der Stressindex für die Weltkonjunktur.

Die Zinserhöhung in den USA fällt minimal aus, läutet aber den Anfang vom Ausstieg aus einer jahrelangen Ära extrem niedriger Zinsen und expansiver Geldpolitik ein. Obwohl die US-Notenbank die weltweiten Märkte behutsam auf den historischen Zinsschritt eingestimmt hat, wurden die Reaktionen der Börsen nach der tatsächlichen Verkündung mit Spannung erwartet. Händler und Investoren rund um den Globus haben den Fed-Entscheid offenbar gut verdaut. „Unserer Stressmodelle konnten weder in den 48 Stunden vor der Zinserhöhung noch zwölf Stunden danach systemische Anomalien oder Turbulenzen feststellen“, sagt IfK-Chef Zschaber.

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Wirkungslos blieb der Fed-Entscheid allerdings nicht. So stieg der Dollarkurs gegenüber dem Euro und werteten Staatsanleihen auf. Rohstofftitel dagegen fielen, weil sie als Alternative zu zinsbringenden Anlagen nun etwas weniger nachgefragt sind. Aus Sicht des IfK werden die Märkte auch nach dem historischen Zinsschritt im Bann der Notenbanken bleiben. Das bringe die Gefahr plötzlicher Schwankungen mit sich. „Die Geschwindigkeit, mit der realwirtschaftliche und finanzielle Zyklen sich umkehren oder verstärken ist atemberaubend“, sagt Zschaber.

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