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Zschabers Börsenblick
Ein Börsenhändler auf dem Frankfurter Börsenparkett im Oktober: Etwas mehr Langeweile im Jahr 2021 wäre gut. Quelle: dpa

2021 bitte endlich wieder Langeweile

Dass das bisherige Jahr 2020 ein turbulentes – auch an der Börse – war, heißt nicht zwangsläufig, dass 2021 eintönig werden wird. Vielleicht feiern aber vermeintlich unspektakuläre Branchen ein Comeback.

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Wer vor zwölf Monaten die Möglichkeit gehabt hätte, einen Blick in die Zukunft zu werfen und den Dax-Stand im Dezember 2020 abzurufen, wäre angesichts der geringen Veränderung höchstwahrscheinlich zu dem Schluss gekommen, dass dieses fast abgelaufene Jahr ein nur wenig aufregendes gewesen sein muss. Dass aber in jenen zwölf Monaten dazwischen tatsächlich eine der spektakulärsten Zeiten der Börsengeschichte gelegen hat, hätte er am puren Indexniveau nicht ablesen können. Wie besonders das Börsenjahr 2020 ist, erkennen wir ja allein schon daran, dass eine US-Präsidentschaftswahl, deren Ausgang über Tage unklar ist, nicht das Ereignis des Jahres ist, weder in den Schlagzeilen noch an der Börse.

Vor dem Hintergrund der Schnelligkeit und der Wucht, mit der die Coronapandemie im Frühjahr über den Planeten kam, ist es eigentlich auch müßig und womöglich auch vergebene Liebesmüh, über das kommende Jahr 2021 zu sinnieren – andererseits ist es aber auch nicht verboten. Zumal ein Anleger kein guter Investor wäre, wenn er sich nicht zumindest ein paar Gedanken über mögliche Szenarien oder Chancen machen würde.

Auch 2021 wird voraussichtlich alles andere als langweilig. Dafür hat die Coronakrise den Finger in zu viele soziokulturelle, gesundheitspolitische und ökonomische Wunden gelegt, als dass man jetzt zur Tagesordnung übergehen könnte. Aber: Mit dem designierten US-Präsidenten Joe Biden und dem voraussichtlichen Ende der bis dato zähen Brexit-Verhandlungen dürfte zumindest ein wenig mehr Ruhe einkehren. Hinzu kommt, dass die Coronapandemie durch die Zulassung gleich mehrerer Impfstoffe etwas eingedämmt werden sollte.

Die Wirtschaft dürfte sich vor diesem Hintergrund peu à peu wieder erholen. Und an der Börse könnte wieder eine Rückbesinnung auf vermeintlich veraltete Werte Einzug halten. Damit einhergehend könnten etwa wieder vermehrt zyklische Werte an Attraktivität gewinnen. Unter ihnen sind einige, die in den vergangenen Monaten an der Börse unter die Räder kamen. Da wären etwa Industrieunternehmen, auch Tourismus, Automobil, Versicherer und Banken. Speziell bei Letzteren und hier vor allem in den USA konnte man ja schon deren Nachholpotenzial erkennen – die Ausfallrisiken, die in den Bilanzen der Geldinstitute schlummern, sind von außen allerdings schwer einzuschätzen, so dass sich Anleger in diesem Bereich mit Investitionen wahrlich nicht überheben sollten.

Naheliegender für defensive Investoren sind da schon Engagements in den Maschinenbau und das Bauwesen. Einige dieser Werte gehen mit einer vergleichsweise hohen Dividende einher – selbst wenn diese in den meisten Fällen nicht so hoch ausfällt wie in der Prä-Coronazeit erwartet, kauft sich der Anleger mit solchen Titeln nicht nur Erholungspotenzial, sondern auch regelmäßige Ausschüttungen ins Portfolio. Ein ETF etwa auf den Stoxx Europe 600 Construction & Materials, der unter anderem überdurchschnittlich gute Dividendenzahler wie HeidelbergCement und LafargeHolcim beinhaltet, sorgt für die nötige Streuung.


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Nun mag sich der eine oder andere aufmerksame Leser angesichts der oben erwähnten Branchen – Industrieunternehmen, Tourismus, Automobil, Versicherer und Banken – vielleicht auch denken: „Moment mal, das liest sich doch wie eine Auflistung der am stärksten im Dax vertretenen Branchen.“ Und richtig - mit einem ETF auf den wichtigsten deutschen Aktienindex würde er ein Portfolio von 30 Werten erwerben (ab September des kommenden Jahres wären es sogar 40), denen eine weitere Erholung im Jahr 2021 bevorstehen könnte. Manch einem Anleger dürfte der Dax zwar in normalen Zeiten als Investmentziel zu langweilig sein – in einem Jahr, das auf das Corona-Krisenjahr 2020 folgt, ist Langweile aber vielleicht genau das Richtige für das Depot.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

Mehr zum Thema: Der Dax soll von 30 auf 40 Werte wachsen. Das wären die neuen Stars am deutschen Aktienmarkt.

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