Zschabers Börsenblick
Der jüngste Trend bei den Aktionärszahlen stimmt positiv. Worauf Anleger achten sollten. Quelle: dpa

Aktienkultur ja, aber bitte richtig

Der jüngste Trend bei den Aktionärszahlen stimmt positiv, die aktuellen Kursturbulenzen lassen aber an seiner Nachhaltigkeit zweifeln. Warum Erwartungshaltungen neu überdacht werden sollten.

Als kürzlich die Nachricht die Runde machte, die Zahl der Aktionäre in Deutschland sei im Jahr 2017 gestiegen, war die allgemeine Begeisterung groß. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hatte gemeldet, dass sich mittlerweile gut zehn Millionen Deutsche als direkte Anteilseigner von börsennotierten Unternehmen oder zumindest Besitzer von Aktienfondsanteilen bezeichnen dürfen.

Die Zahl lag um gut eine Million über dem Vorjahr; ein vergleichbares Niveau hatte sie zuletzt vor der Finanzkrise. Und das ist ein gutes Jahrzehnt her.

Grundsätzlich ist diese Entwicklung natürlich positiv zu bewerten. Aktien stellen gerade in Hinsicht auf die Altersvorsorge einen wichtigen Bestandteil einer ausgeglichenen Portfoliostruktur dar. Überzeugt haben dürfte die (Neu-)Börsianer wohl vor allem die Wertentwicklung des Aktienmarkts in den vergangenen Jahren, als etwa Deutschlands Vorzeigeindex Dax von einem Hoch zum nächsten marschierte.

Dass in Zeiten niedriger Zinsen und entsprechend mäßiger Renditen bei klassisch-konservativen Geldanlagen kaum ein Weg an Aktien vorbei führt, haben dabei nicht nur Privatanleger erkannt. Im Zuge der anhaltenden Niedrigzinspolitik der weltweiten Notenbanken haben sich mittlerweile auch institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen und Kommunen dazu bewegen lassen, ihre strengen Satzungen dahingehend zu ändern, dass ihnen eine Erhöhung der Aktienquote möglich ist. Man mag sich zwar fragen, warum das erst jetzt passiert. Aber immerhin hat in der Gesellschaft in Sachen Aktien ein breites Umdenken stattgefunden. Gut so.

Verbrannte Finger, kalte Schulter

So erfreulich die Entwicklung der Aktionärszahlen allerdings auch ist, so besorgt muss man sein, dass die jüngsten Kapriolen an der Börse wieder eine Menge der Anleger vergraulen werden, zwar nicht bei den Institutionellen, aber doch bei den Börsenneulingen.

Frühere Korrekturen und Crashs haben schließlich gezeigt, dass viele Anleger, die sich die Finger verbrannt haben, dem Aktienmarkt im Anschluss für lange Zeit die kalte Schulter gezeigt haben; die Aktionärszahlen gingen entsprechend nach unten.

Wer aber schnell dazu neigt, Rückschläge an der Börse zum Anlass für einen Rückzug zu nehmen, dem sei Folgendes gesagt: Zu einer gepflegten Aktienkultur – die ja allenthalben immer wieder gefordert wird –, gehört nicht nur, an die Kursgewinnchancen von Aktien zu glauben und deren Renditepotenzial zu predigen; Bestandteil einer solchen Kultur sollte es auch sein, die eigene Erwartungshaltung zu justieren und mit den Risiken richtig umzugehen. So neigen viele Anleger dazu – zweifellos auch verführt durch die mediale Berichterstattung und die generelle Schnelllebigkeit unserer Zeit –, kurzfristige Gewinne und Verluste überzubewerten oder falsch einzuschätzen. Dabei sollten sie ihr Engagement viel besser unter langfristigen Aspekten betrachten. Und entsprechende Maßnahmen berücksichtigen.

Darauf sollten Anleger achten

So bleiben neben einer angemessenen Erwartungshaltung und der Analyse der großen politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge die Auswahl der Investments, die Qualität und die Diversifikation die entscheidenden Kriterien, um auch negative Strömungen mittelfristig zu umgehen. Ein dafür notwendiges Risikomanagement lässt sich schon mit vergleichsweise einfachen Mitteln umsetzen, etwa durch die Auswahl von Papieren mit guten und nachhaltigen Dividendenrenditen sowie durch eine breite Streuung über Branchen und Regionen hinweg. Auf erstklassige Unternehmen, die ein starkes Geschäftsmodell, ein sehr gutes Management und eine substanzstarke Bilanz aufweisen, sollten Anleger dabei auch im Jahr 2018 besonders viel Wert legen.

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