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Zschabers Börsenblick

Das sollten Anleger bei Dividenden 2021 beachten

Corona hat auch Einfluss auf die jährlichen Ausschüttungen von Unternehmen. 2021 wird keine durchschnittliche Dividendensaison. Worauf sich Börsianer vorbereiten sollten.

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In turbulenten Börsenzeiten spricht man Investoren, die bei ihren Aktienengagements Wert auf eine hohe Dividende legen, oftmals eine gewisse Gelassenheit zu. Die regelmäßige Ausschüttung lässt sie über Kursschwankungen der Wertpapiere geflissentlich hinwegsehen, fungiert sie doch wie ein Sicherheitspuffer. Doch wegen Corona dürfte diese Nonchalance im Jahr 2021 weniger ausgeprägt sein als sonst. Denn das Virus macht auch vor Dividendenausschüttungen nicht Halt – und entsprechend ist manch ein Puffer dann nicht mehr so komfortabel wie zuvor gedacht.

Die Ursache ist klar: Eine Dividende ist nichts anderes als eine Gewinnausschüttung – und da viele Unternehmen, die üblicherweise ordentliche Dividenden zahlen, wegen der Krise nun weniger Gewinn erzielen, fällt auch ihre Ausschüttung geringer aus. Manch eine AG streicht sie gar komplett. Dass andere ihre Dividende wiederum unverändert halten und einige wenige sie sogar anheben, kann für Anleger mitunter ein guter Indikator sein, inwiefern das jeweilige Unternehmen bislang gut durch die Krise gekommen ist. Wohlgemerkt kann, muss aber nicht. Denn nicht immer spiegelt das Dividendenniveau auch die Höhe der Gewinne wider.

Dass Dividenden überhaupt wieder ein Thema für eine breite Masse von Anlegern sind, hat viel mit der Entwicklung der vergangenen anderthalb Jahrzehnte an der Börse zu tun. Es gab schließlich mal Zeiten, da waren Dividenden etwas für Anleger aus einer längst vergessenen Epoche und alles andere als en vogue. Zur Zeit des Aktien-Booms um die Jahrtausendwende etwa wurden Dividenden allein schon deshalb stark vernachlässigt, weil die Dividendenrenditen mit den mitunter sagenhaften Kursgewinnen bei Technologie-Aktien einfach nicht mithalten konnten: Wen interessieren fünf Prozent Dividendenrendite pro Jahr, wenn die Kursperformance einer Aktie allein an einem Tag schon im zweistelligen Prozentbereich liegt?



Das Platzen der Dotcom-Blase hat allerdings bei manch einem Marktteilnehmer für ein Umdenken gesorgt. Als die Kurse ab Frühjahr 2000 auf breiter Front förmlich in sich zusammensackten und beispielsweise der Dax im Laufe der folgenden drei Jahre rund 70 Prozent an Wert verlor, wussten Anleger plötzlich wieder regelmäßige Ausschüttungen zu schätzen. Kleinvieh war dann mehr als Mist, immer mehr Marktteilnehmer entdeckten den Reiz des Zinseszinseffekts bei vermeintlich kleinen Ausgangsbeträgen für sich. Als weiterer Katalysator für das wiedererweckte Interesse an Dividenden fungierte zudem ein paar Jahre später die globale Finanzkrise, in deren Folge das Niveau der Zinsen auf klassische konservative Anlageformen immer tiefer sank – selbst kleinste Dividendenrenditen fielen auf einmal größer aus als die Niedrigzinserträge von Sparbuch und Co.

Zurück zum Punkt, warum Dividenden im Allgemeinen, aber speziell im Jahr 2021 auch in die Irre führen können. So gibt es an der Börse selten Automatismen, auf die sich Anleger blind verlassen könnten. Auch eine hohe Dividende ist nur bedingt ein Selbstläufer. Zum einen gilt für die Dividende dasselbe wie für die Kursentwicklung eines Unternehmens: Was war, ist noch lange kein Indikator dafür, was sein wird. Mit anderen Worten: Ebenso wie der Kursverlauf in der Vergangenheit nicht für das Kurspotenzial in der Zukunft garantiert, lässt auch eine hohe Dividende nur bedingt Rückschlüsse auf die Zuverlässigkeit zukünftiger Ausschüttungen zu. Das gilt gerade in Zeiten einer bislang einzigartigen Pandemie. Zudem hat es ganz generell vergleichsweise wenig Sinn, nur das schiere Dividendenniveau als ausschlaggebenden Faktor bei der Aktienauswahl heranzuziehen. Immerhin bezahlen manche Unternehmen die Dividende aus der Substanz, um ihre Anleger bei Laune zu halten. Langfristig kann das aber für das Unternehmen nicht gut sein. Für die Aktionäre damit ebenso wenig.

Es gilt allerdings auch in die entgegengesetzte Richtung, sprich eine niedrige Dividende kann ebenfalls falsche Signale senden. So muss ein Unternehmen, das aufgrund Corona-bedingter Umsatz- und Gewinneinbußen die Dividende für 2020 kürzt oder streicht, nicht per se ein schlechtes Investment sein. Nach der Krise kann es wie Phoenix aus der Asche kommen – wer als Anleger eine vorübergehende Kursschwäche genutzt hat, wird sich längerfristig an diesem Schnäppchen erfreuen können. Und womöglich sogar an einer wieder steigenden Dividende. Dann hat er zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. In Branchen, die derzeit noch unter der Pandemie leiden, deren Leid aber vor dem Hintergrund einer hoffentlich baldigen Impfung der breiten Bevölkerung endlich sein dürfte, sind solche Gelegenheiten möglich, beispielsweise in der Luftfahrt. In den Sektoren Healthcare oder Nahrungsmittel findet der Anleger wiederum gute Unternehmen, die sich vergleichsweise robust in der Krise halten und auch darüber hinaus stabile Erträge erzielen sollten.

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Dann dürfte sich auch wieder die Gelassenheit des Dividendenjägers einstellen können.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

Mehr zum Thema: Anleger sorgen sich um eine Wende zu steigenden Zinsen und höherer Inflation. Die könnte einen Börsencrash auslösen.

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